96 und das neue Tempo auf der Außenbahn

Foto: Cathrin Mueller/Bongarts/Getty Images

In der vergangenen Saison war vor allem Sprinter Ihlas Bebou bei Hannover 96 für spektakuläre Tempoläufe verantwortlich. In der Vorbereitung auf die neue Spielzeit zeichnet sich ab, dass die „Roten“ im vorderen Drittel einiges an Schnelligkeit dazugewonnen haben – eine Waffe im Abstiegskampf.

In der Hinrunde der abgelaufenen Saison überraschte 96 mit mutigem Pressing und setzte sich als Aufsteiger in der oberen Tabellenhälfte fest. Großen Anteil daran hatte Bebou, der als starker Umschaltspieler eine wichtige Rolle im System von Trainer André Breitenreiter einnahm. Nach Ballgewinn im höchsten Tempo Richtung gegnerisches Tor, das war die Marschroute, mit der der 96-Coach selbst Top-Teams der Liga knackte. Im Verlauf der Rückrunde stürzte allerdings nicht nur Bebou in ein Formtief, auch Hannover geriet im Endspurt noch mal gefährlich nah an die Abstiegsränge. In der kommenden Saison wird es in Hannover wieder nur um den Klassenerhalt gehen – die Last, für die Highspeed-Momente in der Offensive zu sorgen, soll nun auf mehrere Schultern verteilt werden.

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Bebou, um den sich zuletzt Abschiedsgerüchte rankten, gilt als erste Wahl auf dem rechten Flügel. Der Togolese will nach schwacher Rückrunde wieder zu alter Stärke finden. Breitenreiter kitzelte den 23-Jährigen im Mai, als er diesem vorhielt, er habe „stagniert“. Sicher sein kann sich Bebou seines Platzes nicht, denn die Konkurrenz ist trotz des Abgangs von Felix Klaus eher größer geworden. Zwar äußerte Breitenreiter intern den Wunsch nach einem weiteren Flügelspieler, doch Sportdirektor Horst Heldt und Präsident Martin Kind versagten ihm einen Transfer. Man sei auf den offensiven Außen ausreichend aufgestellt.

Haraguchi soll über links kommen

Tatsächlich bieten sich Breitenreiter einige Alternativen. Favorit auf die Position auf dem linken Flügel ist Genki Haraguchi, der für 4,5 Millionen Euro von Hertha BSC gekommen ist. Zwar kam der Japaner in Berlin sowie bei seiner Leihstation Fortuna Düsseldorf oft über rechts, doch Breitenreiter erklärte kürzlich: „Er sieht sich auch selbst mehr als Spieler auf der linken Seite, der von dort ins Zentrum zieht, um dann torgefährlich zu werden.“ Was Haraguchi auszeichnet, sind Schnelligkeit und Dribbelstärke. Damit bietet er das perfekte Pendant zu Bebou. Ähnliche Anlagen zeigt Haraguchis Landsmann Takuma Asano, der im Sturm eingeplant ist, aber auch auf außen ausweichen könnte. Bei dem flinken Offensiv-Allrounder, der vom FC Arsenal ausgeliehen ist, wurde in der vergangenen Saison ein Topspeed von 3,67 Sekunden auf 30 Metern gemessen – das ist sogar schneller als der frühere BVB-Sprinter Pierre-Emerick Aubameyang.

Zusätzlich zu den beiden Zugängen hat 96 zwei vielversprechende Juwelen aus der eigenen Jugend im Kader, die in der Vorbereitung bereits mehr als andeuteten, welch großes Potenzial sie besitzen. Noah Sarenren Bazee und Linton Maina gehörten in der vergangenen Saison bereits dem Bundesliga-Kader der „Roten“ an. In dieser Spielzeit ist ihnen der endgültige Sprung zuzutrauen. Maina fiel am 34. Spieltag als Joker gegen Bayer Leverkusen mit seiner Unbekümmertheit positiv auf. Flink, schnell und technisch exzellent ausgebildet, ist der 19-Jährige langfristig ein Hoffnungsträger. Auch Sarenren Bazee wurde bereits vor zwei Jahren eine große Zukunft prophezeit, der Körper machte dem 21-Jährigen aber immer wieder einen Strich durch die Rechnung. In der Vorbereitung spielte er bis auf eine zwischenzeitliche Vorsichtsmaßnahme verletzungsfrei durch und gehörte beim 5:1-Testspielsieg gegen Udinese Calcio zu den stärksten Akteuren. Bleibt er fit, ist der pfeilschnelle Rechtsaußen ein weiterer heißer Kandidat für die temporeiche Hannoveraner Offensive.