Baier: „Probleme werden als Schwäche ausgelegt“

Ex-Nationalspieler Per Mertesacker sorgte kürzlich mit seinen Aussagen zum enormen Druck im Profifußball für großes Aufsehen. Nun äußerte sich auch der Augsburger Kapitän Daniel Baier zu dieser Thematik und kritisierte dabei vor allem die Tabuisierung gegenüber der Öffentlichkeit.

Es gebe mit Sicherheit einige weitere Spieler, die mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hätten, meinte Baier im Interview mit t-online.de. „Das große Problem ist aber, dass sie damit nicht an die Öffentlichkeit gehen können“, erklärte der 33-Jährige. „Das würde dem jeweiligen Spieler als Schwäche ausgelegt werden und könnte seiner Karriere schaden. Daher ist die Hemmschwelle, offen über derartige Themen zu sprechen, entsprechend hoch.“ Große Hoffnungen, dass die Aussagen Mertesackers eine Veränderung hervorbringen könnten, hegt Baier nicht. Nach den Fällen Robert Enke und Babak Rafati sei kurzzeitig mehr Sensibilität geschaffen worden, aber „elementar verändert hat sich in der Öffentlichkeit nichts“.

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Die Modernisierung des Fußballgeschäfts hätte großen Anteil an der Problematik. „Es ist alles noch schnelllebiger und noch leistungsorientierter geworden“, meinte Baier. „Der psychische Druck, den diese Entwicklung erzeugt, wird aber nach außen hin weitgehend tabuisiert.“ Dies sei kein rein fußballspezifisches Phänomen: „Versagensängste und Drucksituationen sind ständige Begleiter geworden, wahrscheinlich in allen Berufsgruppen und Lebenslagen.“ Er selbst habe diese Situation nie erlebt, wisse aber, dass es vielen anderen so ergeht. „Das ist wie im normalen Leben auch. Jeder Mensch reagiert auf Drucksituationen unterschiedlich“, stellte Baier fest.

Ausburgs Kapitän schätzt den Zusammenhalt im Verein

Der Mittelfeldspieler ist seit dieser Saison Spielführer des FC Augsburg und hat in diesem Zuge auch Veränderungen bemerkt: „Die Aufmerksamkeit ist größer geworden, als Kapitän steht man zwangsläufig mehr im Fokus.“ Die Fuggerstädter stehen in der Tabelle derzeit auf Rang zehn und werden mit dem Abstiegskampf aller Voraussicht nach nichts mehr zu tun haben. „Neben der guten individuellen Besetzung, die wir in allen Teilen des Klubs haben, ist der Zusammenhalt im gesamten Verein einer der Erfolgsfaktoren“, erklärte Baier. „Außerdem herrscht eine konstante Ruhe im Verein. Es hebt keiner ab, wenn es sportlich gut läuft. Wenn die Ergebnisse mal nicht stimmen, bricht aber auch keine Panik aus.“

In den letzten Wochen schwankten die Leistungen des FCA stark, besorgt ist Baier deshalb aber nicht. „Man darf nicht vergessen, mit welchen Mitteln wir hier arbeiten, welchen Etat wir zur Verfügung haben. Da ist es ganz normal, dass es im Laufe einer Saison schwächere Phasen und Leistungsschwankungen gibt“, stellte der Rechtsfuß klar. Mit dem Saisonverlauf ist er generell sehr zufrieden, auch wenn „natürlich gerne noch der ein oder andere Punkt dazukommen darf“. Vielleicht ist das ja schon im kommenden Auswärtsspiel bei Bayer 04 Leverkusen am Samstag (15.30 Uhr) der Fall. „Wir müssen gallig sein, aggressiv in die Zweikämpfe gehen und unser spielerisches Potenzial abrufen. Unser Ziel ist es, dort zu gewinnen. Und genau so werden wir das Spiel auch angehen“, kündigte Baier an.