Beijmo: Im Schatten von Gebre Selassie

Foto: nordphoto

Neben den vielen offensiven Neuzugängen verpflichtete der SV Werder Bremen in diesem Sommer mit Felix Beijmo auch einen Rechtsverteidiger. Der junge Schwede wird sich allerdings hinter Theodor Gebre Selassie anstellen müssen.

Am Tschechen wird für Beijmo vorerst kein Weg vorbei führen. Der 31-Jährige wechselte 2012 zu den Norddeutschen und ist seither auch gesetzt. Damit ist der Nationalspieler nach Philipp Bargfrede der dienstälteste Werder-Profi. Gebre Selassie absolvierte bereits 191 Pflichtspiele für die Grün-Weißen (15 Tore, 7 Vorlagen) und verpasste in der vergangenen Spielzeit krankheitsbedingt lediglich zwei Spiele. Die restlichen 32 Partien bestritt er allesamt über volle 90 Minuten. Der Defensivspieler konnte sich mit Thomas Schaaf, Robin Dutt, Viktor Skripnik, Alexander Nouri und aktuell Florian Kohfeldt unter gleich fünf verschiedenen Trainern durchsetzen. Gebre Selassie ist eine verlässliche Konstante in Bremen.

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Auf den Rechtsverteidiger konnte Werder in der Vergangenheit stets zählen. Beijmo hingegen ist eine noch unbekannte Variable im Bremer System. Der 20-Jährige spielte 2017 eine gute Saison bei seinem Ex-Klub Djurgårdens IF. Er absolvierte 26 Spiele in der schwedischen Allsvenskan, die im Jahresrhythmus ausgetragen wird. Dabei gelangen ihm zwei Treffer und drei Vorlagen. Trotzdem kamen Zweifel ob der Qualität des schwedischen U-Nationalspielers auf. „Es ist sehr fraglich, ob es bei Beijmo bereits für die höchste deutsche Spielklasse reicht“, meinte Torbjörn Westlin, langjähriger Kicker-Korrespondent und ausgemachter Experte des schwedischen Fußballs, laut DeichStube kurz nach seiner Verpflichtung.

Mögliche Parallelen zur Bauer-Situation

Diese Aussage weckt Assoziationen mit der Lage, aus der Robert Bauer in diesem Sommer vorerst entkommen ist. Der 23-Jährige wechselte 2016 an die Weser. Nachdem er unter Nouri zunächst zwar regelmäßig zum Einsatz kam, aber oftmals in die Innenverteidigung ausweichen musste, spielte der Vize-Olympiasieger unter Kohfeldt kaum mehr. Frustriert über seine Rolle als Gebre Selassie-Ersatz versucht Bauer sein Glück in der kommenden Spielzeit leihweise beim Bundesliga-Aufsteiger 1. FC Nürnberg. Der Defensivakteur trat anschließend gegen den Bremer Übungsleiter nach und behauptete, niemals eine Erklärung für seine Ausbootung erhalten zu haben. Den unerfahrenen Beijmo könnte letztlich ein ähnliches Schicksal ereilen.

Die grundlegende Frage ist, ob der Neuzugang in Gebre Selassies Schatten zum Stammspieler und seinem Nachfolger heranreift oder auf der Bank verbittert. Starthilfe Windschatten oder Vitamin D-Mangel? Letzteres Szenario könnte auch bei Beijmo zur schnellen Flucht führen. Der Platzhirsch auf der rechten defensiven Seite feiert an Heiligabend seinen 32. Geburtstag; im Idealfall hat Gebre Selassie also noch einige Jahre auf gutem Niveau vor sich. Kohfeldt ist in der abgelaufenen Spielzeit nicht auf die Idee gekommen, dem Routinier eine Pause zu gönnen. Sollte der Coach also keinen Sinneswandel durchleben, könnten sich Beijmos Einsatzzeiten zumindest in seiner Premierensaison auf ein Minimum beschränken.