Beim HSV kommt fast alles auf den Prüfstand

Trainer Christian Titz immerhin bleibt, Vereinsmaskottchen Dino bekommt nur ein neues Image, die legendäre Stadionuhr wurde lediglich auf das Datum der Vereinsgründung umjustiert. Doch alles andere kommt beim Bundesliga-Absteiger Hamburger SV und bei Bernd Hoffmann schnellstmöglich auf den Prüfstand.

„Wir müssen realisieren, dass wir ein Zweitligist sind. Und wir werden nicht mehr in Hoffnung investieren“, sagte der 55-Jährige. Die erste Zweitklassigkeit der 131-jährigen Klubgeschichte ist für ihn eine gute Gelegenheit, zahlreiche interne Verkrustungen aufzubrechen. Dazu zwingt den Aufsichtsratschef des HSV in erster Linie die finanzielle Not. „Wir haben insgesamt keine gesunde Struktur. Das Preis-Leistungs-Verhältnis können wir in den Bilanzen der vergangenen vier Jahre lesen. Wir haben fast in jedem Jahr ein zweistellige Minus gemacht. Das muss man auch mal sagen und intern in die Analyse gehen“, betonte Hoffmann. Und so wird der Personaletat von 55 Millionen Euro auf rund 30 Millionen Euro sinken.

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Das reicht für einen noch nicht verpflichteten neuen Sportdirektor, einen neuen Vertrag für Titz und wohl auch für den einen oder anderen Zweitliga-Transfer. Immer vorausgesetzt, teure Bankdrücker wie André Hahn und Walace oder der ebenfalls nicht voll überzeugende Filip Kostić finden Abnehmer zu branchenüblichen Preisen. Aber das wird immer noch nicht reichen, auch in der internen Verwaltung muss eisern gespart werden. Betriebsbedingte Kündigungen soll es zwar nicht geben, doch wer bislang mehr als 5.000 Euro im Monat verdiente, wird in der Zukunft möglicherweise Abstriche machen müssen.

„Der HSV ist ein Stück weit peinlich geworden“

Hoffmann will indes nicht nur finanztechnisch den wirtschaftlichen Turnaround anschieben. Ihm gefällt auch das Bild nicht, das der HSV seit Jahren in der Öffentlichkeit abgibt – auch und gerade in der Zusammenarbeit mit Anteilseigner und Geldgeber Klaus-Michael Kühne. „Der HSV ist da ein Stück weit peinlich geworden. Ich habe mit Herrn Kühne verabredet, dass wir regelmäßig im Gespräch bleiben. Vorzugsweise miteinander und nicht übereinander“, äußerte der HSV-Präsident dazu. Auch wegen der kaum noch zu zählenden Umbesetzungen in der Vorstandsetage und auf der Trainerbank kehrte beim einstigen Renommierklub keine Ruhe ein.

Direkt nach dem Abstieg war im Volksparkstadion und in der Hansestadt noch trotzige Aufbruchstimmung zu spüren. Über das Wochenende gingen sogar 500 Neuanträge auf Mitgliedschaft auf der Geschäftsstelle ein. Die bittere Zweitliga-Realität dürfte aber erst am Donnerstag so richtig an Alster und Elbe ankommen. Dann beginnt der Dauerkarten-Vorverkauf, die Tickets sind auch für Heimspiele gegen den SV Sandhausen und den 1. FC Heidenheim gültig, die vielleicht sogar zur beim HSV bislang gänzlich unbekannten Zweitliga-Zeit am Samstag um 13 Uhr angepfiffen werden.

(sid)