Belgien wieder Geheimfavorit, England will mehr

Belgien will mit geballter Offensivpower zum großen Wurf, England ein weiteres Debakel bei einem großen Turnier verhindern. Bei Tunesien und WM-Debütant Panama gibt es wenig Anlass, auf eine Überraschung zu hoffen. Die Gruppe G der WM in der Vorschau.

Schon bei den vergangenen beiden Turnieren wurde Belgien die Rolle als Geheimfavorit zugeschrieben. Die individuell herausragend besetzten „Roten Teufel“ haben auch in diesem Jahr wieder einige Experten auf dem Zettel. Nach zweimaligem Viertelfinal-Aus bei der WM 2014 und der EM 2016 soll der Weg diesmal bis ins Endspiel führen. Vor allem die belgische Offensive ist exzellent besetzt. Mit Romelu Lukaku, Dries Mertens, Eden Hazard, Michy Batshuayi, Thorgan Hazard und Yannick Carrasco herrscht in vorderster Front ein Überangebot. Dreh- und Angelpunkt ist der ebenso pass- wie dribbelstarke Kevin de Bruyne. Die einzige Problemzone stellt die Defensive dar: Die Dreierkette ist im Schnitt knapp 31 Jahre alt und weist Geschwindigkeitsdefizite auf, talentierter Nachwuchs ist Mangelware. Dennoch gelang die Qualifikation mühelos: Von zehn Spielen gewann Belgien neun und schoss neben Deutschland die meisten Tore (43).

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Als absoluter WM-Neuling reist Panama nach Russland. Die Nordamerikaner qualifizierten sich sensationell und ließen die USA hinter sich. Die große Stärke ist der Zusammenhalt des Teams, das durch den tragischen Tod von Mittelfeldspieler Amílcar Henríquez im April 2017 noch enger zusammenrückte. Im Alter von 33 Jahren wurde der 85-fache Nationalspieler vor seinem Haus angeschossen, auf der Flucht vor seinen Angreifern verstarb er. Das erste große Turnier Panamas steht auch im Zeichen von Henríquez. Die Wahrscheinlichkeit, dass die sensationelle Qualifikation mit einer starken Vorrunde noch getoppt werden kann, ist aber gering. Das Team von Trainer Hernán Gómez wirkt überaltert, über die Hälfte der Startelf ist bereits jenseits der 30.

Auch Tunesien nimmt nur eine Außenseiterrolle in der Gruppe ein. Das Team von Trainer Nabil Maaloul verfügt über keine Ausnahmespieler. Einer der großen Hoffnungsträger, Youssef Msakni vom katarischen Klub Al-Duhail, verpasst die WM mit einem Kreuzbandriss. Mit Innenverteidiger Yohan Benalouane (Leicester City) ist nur ein Spieler im Kader in einer der europäischen Top-Ligen aktiv, in dieser Saison bestritt er aber nur ein Premier League-Spiel. Der wohl prominenteste Akteur, Aymen Abdennour (Olympique Marseille, früher FC Valencia und Werder Bremen), wurde nicht nominiert. Die verbleibende Hoffnung ruht vor allem auf der Kampfstärke der Tunesier sowie einem funktionierenden Kollektiv, dank dem auch die Qualifikation ohne Niederlage gemeistert wurde.

Beinahe schon traditionell herrscht in England kein ungetrübter Optimismus vor einem großen Turnier. Grund dafür ist die seit Jahren magere Ausbeute. Seit 2006 gewannen die „Three Lions“ kein K.o.-Spiel mehr bei einer WM oder EM. So gibt es auch vor dem Turnier in Russland Zweifler, obwohl die Mannschaft von Gareth Southgate ungeschlagen mit acht Siegen und nur drei Gegentoren durch die Qualifikation marschierte. Doch vor allem das beschämende Vorrunden-Aus 2014 sowie das peinliche Achtelfinal-Aus gegen Island bei der EM 2016 steckt noch in den Köpfen. Dabei verfügen die Briten erneut über großes Potenzial im Kader. Das junge Tottenham-Trio Harry Kane (24), Dele Alli (22) und Eric Dier (24) bildet eine Achse, dazu kommen weitere talentierte Hoffnungsträger wie John Stones (24), Marcus Rashford (20) und Joe Gomez (20). Ein wichtiger Schlüsselspieler ist außerdem Liverpools Jordan Henderson, der als Mittelfeld-Organisator gefällt.

England und Belgien kämpfen um Platz eins, wobei Letztere in der Breite noch stärker besetzt sind. Für Tunesien und Panama gilt das olympische Motto „Dabeisein ist alles“, ein Angriff auf die ersten beiden Plätze ist unwahrscheinlich.