Benzema: Reals oberster Sündenbock

Real Madrid hat nach der kleinen zwischenzeitlichen Krise auch in La Liga wieder in die Spur gefunden. Nur einer scheint in dieser Saison einfach nicht zu funktionieren. Karim Benzema wurde durch schwache Leistungen und seine magere Torquote zum Ziel für Fans und Presse.

Seit 2009 geht der Franzose bereits für die „Königlichen“ auf Torejagd. Real zahlte damals 35 Millionen Euro für den Mittelstürmer. Zu einer Zeit, in der diese Summe noch etwas bedeutete. Benzema war einer der Gründe für den Abgang des Argentiniers Gonzalo Higuaín zum SSC Neapel im Jahre 2013. Der 30-Jährige erzielte seit seinem Wechsel in die spanische Hauptstadt in 398 Pflichtspielen für die „Blancos“ 189 Treffer und bereitete weitere 112 vor. Er war insgesamt also an über 300 Toren direkt beteiligt. Benzema trug dabei zu zwei spanischen Meisterschaften, zwei Pokalsiegen und drei Champions League-Titeln bei. Der ehemalige französische Nationalspieler harmonierte über Jahre hinweg perfekt mit Ausnahmekönner Cristiano Ronaldo und nach dessen Verpflichtung auch mit dem Waliser Gareth Bale.

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Die vorderste Spitze des einst so gefürchteten „BBC“-Sturms durchlebt in der laufenden Saison allerdings eine schwere Zeit. Benzema gelangen lediglich vier Treffer in 22 Ligaspielen. Dass der Mittelstürmer auch acht Tore für Teamkollegen aufgelegt hat, fällt in der Außendarstellung oft unter den Tisch. Für viele Anhänger Reals ist Benzema der personifizierte Sündenbock für die teilweise schwachen Auftritte der gesamten Mannschaft in dieser Spielzeit. Vergebene Chancen des Ex-Lyon-Profis werden von den Rängen mit einem gellenden Pfeifkonzert quittiert. So geschehen selbst beim souveränen 5:2-Sieg über Real Sociedad.

Trainer und Spieler stellen sich hinter den Franzosen

Auch im Rückspiel des Champions League-Achtelfinals bei Paris Saint-Germain (2:1) konnte der Angreifer in der 38. Minute alleine vor PSG-Keeper Alphonse Aréola nicht die Nerven behalten. Überrascht zeigte sich davon kaum einer. Benzema scheint vor dem Tor derzeit einfach blockiert zu sein. Unterstützung erhielt der Franzose in letzter Zeit sowohl von Trainer Zinédine Zidane als auch von seinen Mannschaftskollegen. Gegen Real Sociedad forderten Ronaldo, Toni Kroos und Marcelo die Fans mit Gesten dazu auf, zu applaudieren anstatt zu pfeifen. Zidane sprach im Vorfeld der Partie am letzten Wochenende bei der SD Eibar (2:1) allen Benzema-Kritikern gar den Sachverstand ab.

Trotz der Rückendeckung durch seine Mitspieler und den Übungsleiter reißen die Gerüchte nicht ab, dass sich Real bereits auf der Suche nach einem Ersatz für den 30-Jährigen befindet. Seit Jahren sollen sich die Madrilenen um Bayern-Stürmer Robert Lewandowski bemühen. Im Laufe der aktuellen Saison berichteten einige Medien auch vom Interesse des amtierenden Champions League-Siegers an Nationalspieler Timo Werner. Die heißeste Fährte führt allerdings nach Paris zu dem Brasilianer Neymar. Real Madrid soll bereit sein, 400 Millionen Euro für den PSG-Profi auszugeben. Benzema würde bei einem solchen Transfer wohl auf das Abstellgleis geraten. Das moderne Fußballgeschäft scheint seine Helden von gestern, heute schon wieder vergessen zu haben.