Bierhoff: „Gehe davon aus, dass Özil das durchzieht“

DFB-Teammanager Oliver Bierhoff hat nach wie vor ein großes Problem vor Augen: die „Erdoğan-Affäre“. Hilfe von Mesut Özil erwartet er nicht, der Weltmeister werde sein Schweigen auch während der WM nicht brechen.

„Das ist seine Aussage. Ich gehe davon aus, dass er das durchzieht“, sagte Bierhoff der Bild-Zeitung. Dabei wäre eine öffentliche Entschuldigung Özils nach den Bildern mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan aus DFB-Sicht die Ideallösung, um die leidige Angelegenheit endlich zu beenden. Doch Özil, erklärte Bierhoff, sei nun mal „noch nie ein Freund vieler Worte“ gewesen, sondern „eher verschlossen“. Und so nimmt die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw das Thema am Dienstag im Flieger nach Russland als Ballast mit zur Mission Titelverteidigung.

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Bierhoff glaubt sogar, dass Löw die Thematik bei seinen Aufstellungs-Überlegungen berücksichtigen könnte. Löw treffe zwar keine populistische Entscheidung, „um jemanden zufriedenzustellen, sondern hat nur das sportliche Wohl im Auge. Aber ein kleiner Aspekt kann dies natürlich schon sein“, sagte er. Der DFB-Teammanager ließ durchblicken, dass er sich von Özil eine ähnliche Reaktion wie von İlkay Gündoğan erhofft hätte. Der DFB verlange immer „mündige Spieler. Mündig heißt ja, dass man selbst entscheidet und verantwortet, wie man reagiert. Und das tut Mesut“, sagte er. „Ob es in diesem Fall richtig und gut für ihn ist, steht auf einem anderen Blatt. Die Konsequenzen haben wir ihm aufgezeigt.“

Kein „Maulkorb“ für die Öffentlichkeit

Grundsätzlich nahm Bierhoff die beiden Nationalspieler aber erneut in Schutz. „Sie haben einen Fehler gemacht. Aber für uns zählt vor allem die Intention. Sie war nicht bösartig, nicht politisch getrieben, sondern naiv, gedankenlos“, sagte der 50-Jährige, der für die Kritik von DFL-Präsident Reinhard Rauball am Vorgehen des DFB („Thema unterschätzt“) kein Verständnis hat. „Die öffentlichen Äußerungen von einem Mitglied unserer Delegation haben mich etwas irritiert“, sagte er. Rauball gehört wie DFB-Präsident Reinhard Grindel oder EM-Botschafter Philipp Lahm der offiziellen deutschen Reisegruppe an. Diese hofft nach den Pfiffen gegen Gündoğan bei der WM-Generalprobe in Leverkusen bei der WM auf die „positive Unterstützung unserer Fans“, wie Bierhoff meinte. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte um Nachsicht geworben.

Als Ausrede für mögliche schwache Leistungen in Russland dürfe das Thema nicht herhalten, betonte Bierhoff: „Ich mache mir weniger Sorgen generell um die Mannschaft, sondern eher um die beiden Spieler. Es beschäftigt Mesut und İlkay schon sehr.“ Er gehe aber nicht von einem Rücktritt des Duos aus. „Sie freuen sich auf die WM, sie freuen sich darauf, für Deutschland zu spielen“, sagte er. Auch, dass Löw freiwillig auf beide verzichten könnte, schloss Bierhoff aus. Als „Maulkorb“ für die Öffentlichkeit will er seine Äußerungen nicht missverstanden wissen: „Es ist ganz klar, dass die Diskussion über Integration nicht beendet sein kann – auch nicht über das Foto. Wir müssen uns diesem Thema stellen und es aufarbeiten.“

(sid)