Bobic über Boateng: „Kevin ist kein Pflegefall“

Kevin-Prince Boateng hat sich längst als Glücksgriff für Eintracht Frankfurt entpuppt. Sportvorstand Fredi Bobic erklärt, wie die Verpflichtung des Leaders zustande gekommen ist und widerspricht Zweifeln an dessen Charakter.

Im Sommer angelte sich die Eintracht etwas überraschend den 31-jährigen Mittelfeldakteur, dessen Vertrag bei UD Las Palmas Ende Juni ausgelaufen war. Binnen kürzester Zeit schwang sich Boateng bei den Hessen zum Leistungsträger auf. Von 29 Pflichtspielen verpasste er nur eines gelb-gesperrt, erzielte zudem bereits sechs Saisontore. Im Aktuellen Sportstudio im ZDF am Samstag erzählte Frankfurts Sportchef Bobic, wie er den Boateng-Transfer schon vor einem Jahr beim Abschiedsspiel des gemeinsamen Ex-Teamkollegen Marcelinho in die Wege leitete. „Bei Marcelinhos Abschiedsspiel saßen wir auf der Bank nebeneinander. Ich wusste, dass er zu Niko Kovač immer einen guten Kontakt gepflegt hatte, und da habe ihn gefragt, wie es wäre, nach Deutschland zu kommen“, erinnerte sich Bobic und fuhr fort: „Er sagte: Lust hätte ich schon. Ich ließ mir von ihm die Nummer seines Beraters geben, und dann haben wir angefangen, das einzufädeln.“

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Im Juni schlug der 46-jährige frühere Bundesliga-Stürmer, der Boateng noch aus seiner Zeit bei Hertha BSC kennt, dem Aufsichtsrat die Verpflichtung des ehemaligen ghanaischen Nationalspielers vor – und erntete zunächst Verwunderung. „Ich glaube, die dachten, dass ich einen Spaß mache, als ich die Folie mit Kevin-Prince Boateng an die Wand geworfen habe. Da haben sie mich so angeschaut, ne, das kann doch nicht sein… Wir haben es trotzdem gemacht, weil wir aus dem sportlichen Bereich davon überzeugt waren“, berichtete Bobic.

Sturmtalent Dadashov endgültig suspendiert

Dass der Routinier in den vergangenen Jahren sehr verletzungsanfällig war und ihm zudem der Ruf eines Enfant terrible nachhängt, stellte kein Hindernis für den Transfer dar. „Das hätte uns […] nur interessiert, wenn es so gewesen wäre. Niko Kovač, Robert Kovač und ich haben noch mit ihm zusammengespielt, wir kannten ihn und wussten genau, dass das gar kein Problem ist. Kevin ist kein Pflegefall, sondern eine tolle Persönlichkeit. Wenn du mit ihm klar umgehst, wird er dir das mit Leistung zurückgeben“, betonte Bobic – und er sollte Recht behalten.

Während sich der einst schwierige Boateng mittlerweile zum Musterprofi gemausert hat, leistete sich Frankfurts Youngster Renat Dadashov zum wiederholten Mal eine Undiszipliniertheit – und bekam Konsequenzen zu spüren. Wie der Wiesbadener Kurier berichtet, hat der 18-jährige Nachwuchsstürmer einem Teamkollegen nach dem Training ins Gesicht geschlagen und wurde vom Bundesligisten dafür endgültig suspendiert. „Wir haben Renat aus disziplinarischen Gründen freigestellt“, wird Armin Kraaz, der Leiter des Nachwuchsleistungszentrums, zitiert. „Am Riederwald wird er sicher nicht mehr trainieren.“ Der ehemalige Junioren-Nationalspieler war in Frankfurt schon mehrfach auffällig geworden. Im Sommer war er mit Übergewicht aus dem Urlaub zurückgekehrt und bei den Profis aussortiert worden.