BVB-Vorbereitung bringt einige Gewinner hervor

Foto: David Banks/Getty Images

Borussia Dortmund hat im Sommer vieles auf links gedreht, einen neuen Trainer verpflichtet und große Summen für neue Spieler ausgegeben. Die letzten Tage hat Schwarz-Gelb im Trainingslager in Bad Ragaz verbracht und am Feinschliff für die kommende Saison gearbeitet. Zuvor weilte der BVB in den USA.

Zu den Gewinnern der bisherigen Vorbereitung zählt vor allem der neue Trainer Lucien Favre. Besser als der Schweizer startete, kann ein Coach bei den Westfalen eigentlich gar nicht beginnen. Denn Favre bekam großes Lob von einem der wichtigsten Spieler im BVB-Kader: Marco Reus erklärte, dass der 60-Jährige „wahrscheinlich der beste Klubtrainer“ sei, den der Linksaußen je erlebt habe. Favre revanchierte sich und machte Reus prompt zum Kapitän. Das Lob wird diese Entscheidung allerdings nur bedingt beeinflusst haben. Reus ist die logische Wahl für das Amt des Spielführers. Der Nationalspieler ist die Identifikationsfigur schlechthin und überzeugt bei seinen Einsätzen nahezu immer mit guten Leistungen. Auch er zählt zu den Gewinnern der Vorbereitung, schließlich ist die Ernennung zum Kapitän für Reus eine große Bestätigung. „Das ist eine Ehre und macht mich natürlich stolz“, sagte er.

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Auch Mario Götze darf mit der Vorbereitung zufrieden sein. Der Mittelfeldspieler passt bestens zum sehr technisch veranlagten System Favres und blühte in den bisherigen Testspielen auf. Für den 26-Jährigen steht eine richtungsweisende Saison an. Wie ernst es ihm ist, bewies Götze nicht zuletzt damit, dass er seine für Juli geplante Hochzeitsfeier mit Ehefrau Ann-Kathrin Brömmel verschob, um die komplette Reise in die USA mitmachen zu können. Ohnehin darf das komplette Dortmunder Mittelfeld als Gewinner der Vorbereitung bezeichnet werden, denn es wurde maßgeblich verstärkt. Ein wieder aufblühender Götze, dazu die Neuzugänge Thomas Delaney und Axel Witsel. Es ist damit zu rechnen, dass das Zentrum der Westfalen im kommenden Jahr eines wird, um das den BVB viele Konkurrenten beneiden werden. Mit Julian Weigl hat Favre sogar noch einen Spieler in der Hinterhand, der die letzte Saison gerne vergessen machen möchte.

Schürrle verbaut sich gute Ausgangslage

Auch André Schürrle hätte als einer der Gewinner der Vorbereitung bezeichnet werden können. Zwar konnte er sich beim BVB nicht durchsetzen, die Leihe zum FC Fulham allerdings beschert dem Linksaußen eine neue Chance. In England wird er viel Spielpraxis erhalten und kann Fortschritte auf dem Weg zurück zur Topform machen. Die Ausgangslage war vielversprechend. Wären da nicht die Aussagen, die der 27-Jährige in Richtung der Fans der Borussia tätigte. „Das größte Problem ist, dass es sehr viel Neid von den Fans gibt“, sagte Schürrle und machte sich eine Rückkehr nach Ablauf der Leihe damit deutlich schwieriger. Am Donnerstag revidierte der 27-Jährige seine Kritik und sprach von einem Missverständnis.

Trainer Favre ist trotz vieler guter Ansätze auch selber noch nicht komplett zufrieden. „Wenn wir den Ball verlieren, haben wir Probleme. Da müssen wir uns taktisch verbessern. Das Antizipieren muss besser werden. Manchmal müssen wir einfacher spielen, anstatt ins Risiko zu gehen“, erklärte der Schweizer. Manchmal verliere seine Mannschaft noch zu früh die Ordnung. So wird der Coach besonders im taktischen Bereich noch feilen wollen. Auch im Angriffsspiel gibt es für den Übungsleiter noch Verbesserungsbedarf. Er vermisst Läufe bis an die Grundlinie, „sodass wir über die Abwehr spielen können“.

Die Art und Weise wird entscheidend sein

Ob der BVB am Ende der Saison auf Tabellenplatz zwei, drei oder vier steht, wird im Endeffekt gar nicht so entscheidend sein. Es wird auf die Art und Weise ankommen, die Dortmund an den Tag legt. Darauf, dass es keine lustlosen und langsamen Auftritte gibt, wie es im letzten Jahr zu oft der Fall war – und darauf, dass möglichst keine 4:0-Führung in einem Derby hergeschenkt wird. Die Fans der Westfalen haben der Mannschaft in der abgelaufenen Saison viel verziehen. Der Geduldsfaden der Anhänger ist mittlerweile aber enorm dünn. Lange würde es im Ernstfall nicht dauern, bis er reißt. Favre ist daher gut beraten, die positiven Eindrücke aus der Vorbereitung möglichst schnell und konstant auch im Alltag zu etablieren. Dann gehört der BVB sicher zu den Favoriten auf die Champions League-Plätze in der kommenden Saison. Der Meistertitel wird wie immer in den letzten Jahren nur dann möglich sein, wenn der FC Bayern patzt – und das mehrfach.