Correa trotzt allen Widerständen

Zumindest eine Woche lang ist Ángel Correa so etwas wie der Mann der Stunde bei Atlético Madrid. Der 22-jährige Argentinier entschied das Spitzenspiel gegen den FC Valencia auf sehenswerte Art und Weise und sorgte mit seinem entscheidenden 1:0 dafür, dass Atlético im Kampf um die spanische Vizemeisterschaft weiterhin beste Karten hat.

Doch Correas Weg in die Startelf eines der besten europäischen Klubs war ein steiniger. Die Metapher der „Cinderella Story“ wird heutzutage zwar fast schon inflationär verwendet, im Fall Correas aber trifft sie den Nagel auf den Kopf. Correa erblickte 1995 in einem Armutsviertel von Rosario das Licht der Welt und musste schnell lernen, was es heißt, auf sich allein gestellt zu sein. Mit zehn Jahren verlor Corrrea seinen Vater, zwei Jahre später auch noch seinen älteren Bruder. Unvorstellbare Schicksalsschläge, die so manchen Jugendlichen auf die schiefe Bahn hätten abdriften lassen. Auf seine Jugend angesprochen sagt Correa laut goal.com heute: „Alle haben dir eingeredet, dass du als Drogenabhängiger oder im Gefängnis landen wirst.“

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Doch es kam anders: Correa nutzte sein fußballerisches Talent, um schon im zarten Alter von zwölf Jahren von sich Reden zu machen. Die Scouts von CA San Lorenzo wurden schnell auf ihn aufmerksam und holten den Angreifer in die Jugendakademie nach Buenos Aires – weg von Drogen, Kriminalität und schlimmen Erinnerungen.

Der nächste Schicksalsschlag – doch Corrrea kämpft weiter

Der sportliche Aufstieg des Ángel Correa beginnt – und schon früh debütiert er für die erste Mannschaft seines Klubs. Der quirlige, offensiv variabel einsetzbare Correa besticht durch die Kombination aus starker Technik und hohem Tempo. Mit 18 Jahren erzielte er sein erstes Profi-Tor – ausgerechnet gegen den Stadtrivalen Boca.

In seiner zweiten Saison bereitete Correa in 16 Begegnungen neun Tore vor. Der Explosivität, mit der der mit 1,72 Meter kleingewachsene Correa antritt, kann in Argentinien kaum ein Verteidiger folgen. Und so werden schnell europäische Scouts aufmerksam. Im Mai 2013 ist sich Correa mit Atlético Madrid einig, doch ein gravierender Fund beim obligatorischen Medizincheck sorgt dafür, dass Correas Karriere am seidenen Faden hängt. Ein Tumor in einer seiner Herzkammern wird anschließend auf Initiative Atléticos hin erfolgreich entfernt und Correa unterschreibt doch in der spanischen Hauptstadt.

Mentale Stärke als Konsequenz einer schweren Jugend

Correa kämpfte weiter, wie er es immer tat. Und auch sportlich lief es nun rund: Mit der U20-Nationalmannschaft wird er Südamerikameister, bei Atlético wird er hinter Leistungsträgern wie Jackson Martínez oder Antoine Griezmann zunächst bedächtig aufgebaut. In der Saison 2015/16 kommt der Argentinier meist von der Bank, sammelt aber dennoch starke neun Scorerpunkte (5 Tore/4 Vorlagen). Im bedeutungsarmen Freundschaftsspiel der Nationalmannschaft gegen Bolivien darf Correa auch für die A-Elf seines Landes debütieren. Er trifft nur drei Minuten nach seiner Einwechslung zum finalen 7:0.

Die Saison 2016/17 verlief aus Sicht des jungen Argentiniers noch besser: Rund 300 Minuten mehr Einsatzzeit in der Liga, dazu temporäre Highlights wie am 5. Spieltag: Beim FC Barcelona erzielt Correa nur Sekunden nach seiner Einwechslung den Ausgleichstreffer zum 1:1. Atlético entführt einen Punkt aus dem Camp Nou – und Correa macht auch außerhalb der spanischen Medienlandschaft auf sich aufmerksam.

Entwicklung noch nicht zu Ende

Correa will mehr – und muss sich doch dem Kollektiv Atléticos zunächst unterordnen. Offen gibt er heute zu, mehrfach Abschiedsgedanken gehegt zu haben. Doch Trainer Diego Simeone ist überzeugt von der Qualität seines Landsmanns und weigert sich, den talentierten Allrounder ziehen zu lassen. Er sieht in dessen Ehrgeiz und Herzblut vielmehr die Stärke, die die Grundtugenden der „Rojiblancos“ seit jeher auszeichnen.

Ein weiteres Jahr später ist Correa mit mittlerweile 22 Jahren ein elementarer Fixpunkt in der Offensive Atléticos. Schon jetzt, nach 22 absolvierten Begegnungen in La Liga, hat er seine Karrierebestwerte in den meisten Statistiken übertrumpft. 1420 Einsatzminuten sind bereits im Februar 200 mehr als in der gesamten Vorsaison, dazu stellen seine sechs Treffer einen persönlichen Rekord dar. Doch die Entwicklung des Ángel Correa ist noch lange nicht zu Ende. Defensivverhalten, Physis und noch immer zu geringe Torgefahr lauten die häufigsten Schlagworte, wenn es um Correas Schwächen geht. Doch der junge Argentinier wird auch hieran arbeiten – und sich weiter durchkämpfen.