Der Glaube kann Berge versetzen

Foto: Simon Hofmann/Bongarts/Getty Images

Zur Einstimmung auf die neue Saison fanden sich die Spieler des 1. FC Nürnberg auf einem Friedhof wieder. Zu Beginn des Trainingslagers in Südtirol organisierte Trainer Michael Köllner einen Ausflug zu den Grabstätten an der Kirche St. Stephan.

Glaube „als Kraftquelle“ habe eine große Bedeutung in der Mannschaft, sagte er, deswegen sei nichts dabei, einen solchen Besuch anzusetzen. Womöglich ist auch ein wenig Aberglaube dabei: Im vergangenen Jahr hatte Köllner die Spieler ins Kloster Neustift bei Brixen geführt – am Saisonende stieg der „Club“ nach vier Jahren in der Zweitklassigkeit zum achten Mal in die Bundesliga auf: Rekord. Damit es nicht gleich wieder runter geht im kommenden Mai, ist der feste Glaube daran, Unmögliches möglich machen zu können, eine Grundvoraussetzung in Nürnberg.

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Tatsächlich geht der „Club“ nahezu unverändert in die Saison, wobei die bislang bedeutendste Personalentscheidung der Abgang von Spielgestalter Kevin Möhwald zu Werder Bremen ist. Für ihn hat Sportvorstand Andreas Bornemann noch keinen Ersatz gefunden – was auch nicht weiter verwunderlich ist bei einem Transferetat von nur etwa vier Millionen Euro. Deshalb kommt auch Angreifer Darío Lezcano von Zweitligist FC Ingolstadt erst mal nicht. Noch immer drücken den „Club“ Schulden in Höhe von etwa 21 Millionen Euro, der Etat für die Lizenzspielerabteilung liegt bei nur 28 Millionen Euro. „Wir können nicht ‚all in‘ gehen“, sagte Köllner. Tapfer versichert er deshalb, selbstverständlich könne er mit dem vorhandenen Kader in der Bundesliga bestehen, „wir sind so aufgestellt, dass wir auf allen Positionen handlungsfähig sind“.

„Wenn es reicht, ist es super“

Köllner muss seine Spieler erneut dazu bringen, sich möglichst schnell zu verbessern und an das Niveau der Bundesliga anzupassen. Unter anderem gilt es, Innenverteidiger Ewerton zu ersetzen, der mindestens sechs Wochen ausfällt. Ein Ersatzkandidat für den Abwehrchef wäre der erst 19-jährige Lukas Mühl. Bedarf bestünde zudem in der Offensive, auf den Außenbahnen. Es wird ein Abenteuer werden, auf das sich der „Club“ einlassen muss – Ende offen. Immerhin knapp 25.000 Käufer einer Dauerkarte haben Vertrauen, dass alles gut wird. „Wir werden alles geben“, betonte Köllner, „wenn es reicht, ist es super.“

Und wenn nicht? Dann eben nicht. Dann nicht verrückt spielen und mit Millionen hantieren, die gar nicht da sind. Dann eben erhobenen Hauptes wieder absteigen und mit Vernunft weitermachen. Freilich: Es muss ja nicht so kommen. „Die Spieler müssen noch eine Schippe drauflegen“, weiß Köllner, aber es ist ihm bereits letztes Jahr gelungen, der Mannschaft das Gefühl zu geben: Ich bin davon überzeugt, dass ihr das schafft. Der Glaube, wird er ihnen vermitteln, kann Berge versetzen.

(sid)