Der Machtkampf um die Mammutaufgabe

Am Sonntag steht beim Hamburger SV eine Mitgliederversammlung an. Die Stimmung dort dürfte äußerst angespannt werden. Neben der bedrohlichen sportlichen Lage sorgt auch ein Machtkampf um die Vereinspräsidentschaft für Zündstoff.

Eine Kampfkandidatur um das Präsidentenamt bei einem Bundesligisten gibt es nicht alle Tage. Doch am Sonntag gipfelt ein wochenlanger Wahlkampf in einer Mitgliederabstimmung über die künftige Vereinsführung des HSV. Ausgerechnet in Hamburg, wo es seit Jahren nicht gelingt, Ruhe und Kontinuität in den Verein zu bringen, gibt es also einen Showdown in der Führungsriege. Der amtierende Vereinsboss Jens Meier muss sich einer Herausforderung von Bernd Hoffmann stellen, der zwischen 2003 und 2011 als Vorstandsvorsitzender im Verein tätig war.

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Meier ist neben seinem Engagement als HSV-Präsident Geschäftsführer der Hamburg Port Authority. Diese Doppelfunktion halten viele für problematisch, zudem ist der Verein seit Beginn seiner Amtszeit im Jahr 2015 sportlich nicht vorangekommen. Auch finanziell sieht es beim Tabellen-17. nicht rosig aus. Für Herausforderer Hoffmann ist klar, wer dafür die Hauptverantwortung trägt. Er attackierte Meier bei Sky mit scharfen Worten: „Wenn man das regelmäßige Spielen um Platz 15 bis 17 und jedes Jahr 15 bis 20 Millionen Euro Verlust für eine kontinuierliche Entwicklung hält, dann kann man sagen: ‚Weiter so‘.“

Die Wahlkampfthemen: Lizenz, Verschuldung, Einmischung

Kurz darauf fuhr Hoffmann noch größere Geschütze auf und zeichnete eine Art Weltuntergangsszenario auf. Der HSV werde aufgrund seiner finanziellen Schräglage „ein großes Problem damit haben, für nächstes Jahr eine Erst- oder Zweitligalizenz zu bekommen“, warnte der 55-Jährige. Meiers Unterstützer dürften dies für Panikmache halten, doch bereits letztes Jahr sicherte lediglich ein Anteilsverkauf an Investor Klaus-Michael Kühne die nötige Liquidität für eine Bundesliga-Lizenz. Mit einer erneuten Geldspritze des 80-jährigen Milliardärs können die Hanseaten in diesem Jahr nicht zwangsläufig rechnen.

Meier sieht Hoffmanns Kritik wenig überraschend als ungerechtfertigt. Unter seiner Regie sei der HSV „eine super funktionierende Organisation mit klaren Verantwortlichkeiten“, sagte der 51-Jährige in einem Interview mit dem Hamburger Abendblatt. Die Verschuldung des Vereins sei „keineswegs beunruhigend, sondern vielmehr deutlich komfortabler als zu unserem Amtsantritt“. Im Gespräch mit der Bild holte der Hafenchef auch zum Gegenschlag gegen Hoffmann aus: „Ich finde es ziemlich vermessen, dass jemand kommt, der sieben Jahre raus war, und sagt, das kann ich alles besser.“ Er erinnerte daran, dass Hoffmann seit dem Ende seiner Amtszeit als Hamburger Vorstandschef keine hochrangige Managementposition mehr innehatte und kritisierte dessen Pläne, sich stärker ins operativen Geschäft der Profi-Abteilung einmischen zu wollen. Meier kann zudem auf prominente Unterstützung setzen: Laut dem Hamburger Abendblatt steht Vereinslegende Horst Hrubesch auf der Seite des aktuellen Präsidenten und würde bei dessen Wiederwahl eine beratende Rolle übernehmen.

Möglicher Abstieg ist die große Unbekannte

Egal, ob Meier seinen Posten behält oder Hoffmann eine zweite Chance beim HSV bekommt, der neue Präsident wird in erster Linie als Krisenmanager gefragt sein. Die Krux: Auf den Faktor, der auf die Zukunft des Vereins die größten Auswirkungen hat, – den sportlichen Erfolg – kann er kurzfristig nur wenig Einfluss nehmen. Es geht also um einen Posten ohne klare Jobbeschreibung. Entweder muss der neue Präsident den nächsten Anlauf unternehmen, den Verein wieder ins Bundesliga-Mittelfeld zurückzuführen, oder er erhält die verantwortungsvolle Aufgabe, einen Neustart in der 2. Bundesliga zu managen.