DFB-Präsident Grindel kritisiert Özil und Gündoğan scharf

Die deutschen Nationalspieler Mesut Özil und İlkay Gündoğan haben unmittelbar vor ihrer erwarteten WM-Nominierung mit einem fragwürdigen politischen Statement irritiert. Die beiden Profis ließen sich am Sonntag in einem Londoner Luxushotel vom umstrittenen türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan hofieren.

Bei einem Fototermin im Rahmen von Erdoğans dreitägigem Besuch in Großbritannien überreichten Özil und Gündoğan dem Präsidenten Trikots ihrer englischen Vereine FC Arsenal respektive Manchester City. Gündoğans Trikot mit der Nummer acht war handsigniert: „Mit großem Respekt für meinen Präsidenten.“ DFB-Präsident Reinhard Grindel hat die Nationalspieler für ihr Treffen mit dem türkischen Staatsoberhaupt hart gerügt. „Der Fußball und der DFB stehen für Werte, die von Herrn Erdoğan nicht hinreichend beachtet werden“, schrieb Grindel am Montag bei Twitter. „Deshalb ist es nicht gut, dass sich unsere Nationalspieler für seine Wahlkampfmanöver missbrauchen lassen.“

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Grindel zeigte sich auch im Hinblick auf die Außendarstellung erzürnt: „Der Integrationsarbeit des DFB haben unsere Spieler mit dieser Aktion sicher nicht geholfen.“ DFB-Sportdirektor Oliver Bierhoff ruderte dagegen ein wenig zurück, er habe „nach wie vor überhaupt keine Zweifel an Mesuts und İlkays klarem Bekenntnis, für die deutsche Nationalmannschaft spielen zu wollen und sich mit unseren Werten zu identifizieren.“ Die Mittelfeldspieler seien „sich der Symbolik und Bedeutung dieses Fotos nicht bewusst“ gewesen: „Aber natürlich heißen wir die Aktion nicht gut und besprechen das mit den Spielern.“

Unruhe kurz vor der Bekanntgabe des WM-Kaders

Der Besuch der beiden Nationalspieler ist in mehrerlei Hinsicht brisant. Zum einen politisch, da Erdoğan vorgeworfen wird, die Pressefreiheit zu beschneiden, Journalisten und Oppositionelle verhaften zu lassen. Gerade erst hat er die Parlaments- und Präsidentschaftswahlen auf den 24. Juni vorgezogen: Die Fotos mit Özil und Gündoğan sind in Erdoğans Kampf für den Umbau der Türkei zu einem Präsidialsystem willkommen. Etwa 1,5 Millionen in Deutschland lebende Türken sind wahlberechtigt, hierzulande ist Erdoğan der Wahlkampf allerdings untersagt.

Es gibt aber auch eine starke sportliche Komponente: Am Dienstag wird Bundestrainer Joachim Löw den Weltmeister Özil und auch Ex-BVB-Profi Gündoğan höchstwahrscheinlich ins Aufgebot für die Weltmeisterschaft in Russland (14. Juni bis 15. Juli) berufen. Unmittelbar davor die Nähe des türkischen Präsidenten zu suchen, erscheint zumindest ungeschickt. Zudem konkurrieren Deutschland und die Türkei um die Ausrichtung der Europameisterschaft 2024.

(sid)