Droht 96 der Absturz in den Keller?

Im Januar schien Hannover 96 sich bereits aus dem Abstiegskampf verabschiedet zu haben. Der Vorsprung auf den Relegationsplatz ist weiterhin komfortabel, doch der jüngste Negativtrend macht dem Aufsteiger Sorgen.

Vier Niederlagen in Folge, nur ein Sieg aus den vergangenen neun Partien, zudem nur neun erzielte Tore in der Rückrunde – die jüngste Bilanz von 96 liest sich wie die eines Absteigers. Noch beträgt der Abstand zum 16. Platz aber beruhigende sieben Punkte, die blanke Abstiegsangst ist nicht ausgebrochen bei den Niedersachsen. „Wir stehen die ganze Saison weit über dem Strich in der Tabelle“, betonte Trainer André Breitenreiter nach der 0:1-Niederlage bei Borussia Dortmund am Sonntag laut Sportbuzzer. Katerstimmung will der 44-Jährige gar nicht erst aufkommen lassen. „Wir machen uns nur selber Druck. Wenn wir unsere beste Leistung bringen, dann geht es auch weiter“, meinte er. Nichtsdestotrotz muss Hannover auf der Hut sein. Der Sturz in den Tabellenkeller droht noch nicht unmittelbar, ist aber kein meilenweit entferntes Szenario mehr.

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Sorgen bereitet vor allem die harmlose Offensive. Das letzte Stürmertor erzielte Niclas Füllkrug beim 1:1 in Köln vor einem Monat, danach traf nur noch Abwehrspieler Salif Sané gegen den FC Augsburg (1:3). Martin Harnik, mit 17 Toren in der Vorsaison Aufstiegsheld, leidet seit Monaten an Ladehemmung. Rekordtransfer Jonathas ist nach langer Pause noch nicht bei 100 Prozent und auch Füllkrug, Felix Klaus und Ihlas Bebou stecken im Tief. Das Selbstvertrauen, mit dem der Aufsteiger in der starken Hinrunde manch verloren geglaubtes Spiel noch umbog, ist futsch. Pirmin Schwegler war nach dem 0:1 in Dortmund um Optimismus bemüht. „Wir haben vieles gut gemacht und wollen jetzt nicht den Kopf hängen lassen“, forderte er. „Wir wollen nicht allzu viel auf die anderen schauen.“

Konkurrenz macht Hoffnung, Restprogramm Sorgen

Tatsächlich machen aber gerade die schwachen Rivalen um den Klassenerhalt Hoffnung. Die Kellerkinder Hamburger SV, 1. FC Köln, VfL Wolfsburg und der 1. FSV Mainz 05 schafften es trotz der Negativserie der „Roten“ nicht, den Rückstand nennenswert zu verkürzen. Einzig dem FC gelangen in den vergangenen vier Spielen zwei Siege, die übrigen drei Klubs warten schon länger auf einen Dreier. Dass Hannover (32 Punkte) noch auf einen direkten Abstiegsplatz durchgereicht wird, ist angesichts eines satten Vorsprungs von zwölf Punkten höchst unwahrscheinlich. Gefährlich können 96 eigentlich nur noch Wolfsburg und Mainz (beide 25 Punkte) werden, die aber aktuell nicht gerade vor Selbstvertrauen strotzen.

Hannover reichen aller Voraussicht nach zwei Siege, dann ist der Ligaverbleib perfekt. Auch das ist angesichts des harten Restprogramms aber keine Selbstverständlichkeit. Daheim empfängt die Breitenreiter-Elf noch Bayern-Bezwinger RB Leipzig, den formstarken SV Werder Bremen, Rekordmeister Bayern München und Hertha BSC. Auswärts stehen noch die Partien bei Rückrunden-Überraschung VfB Stuttgart sowie den Europapokal-Aspiranten TSG 1899 Hoffenheim und Bayer Leverkusen an. Zur Erinnerung: In der Hinrunde holte 96 aus diesen sieben Spielen nur einen Sieg gegen Hoffenheim. Bis zum Klassenerhalt droht den Niedersachsen also womöglich noch eine echte Zitterpartie.