Erfolg kommt in Köln aus der Mitte

Der 1. FC Köln steht zwar am Tabellenende, ist aktuell aber trotzdem die Mannschaft der Stunde. Die letzten drei Bundesliga-Partien gingen alle an die Domstädter, wodurch der Abstand auf den Relegationsplatz nur noch vier Punkte beträgt. Eine wichtige Rolle für den Erfolg der letzten Wochen spielt das Kölner Mittelfeld.

Besonders der 2015 von Borussia Dortmund gekommene Miloš Jojić befindet sich in bestechender Form. Fünf der letzten acht Kölner Treffer bereitete er vor, beispielsweise legte er Simon Terodde das 2:0 gegen den Hamburger SV als auch Frederik Sørensen das 1:0 gegen Borussia Mönchengladbach auf. Der 25-Jährige ist zum ersten Mal über die komplette Saison gesetzt. In der schwierigen Hinrunde unter Ex-Coach Peter Stöger zeichnete sich der Serbe durch unermüdlichen Einsatz aus und lief im Schnitt fast 13 Kilometer pro Spiel. Seine oft als phlegmatisch kritisierte Zweikampfführung hat sich deutlich verbessert, die technischen Voraussetzungen zum Strategen hat er ohnehin. Trainer Stefan Ruthenbeck kündigte bereits im Dezember an, dass Jojić bei ihm zum „Führungsspieler“ werde. Bisher ist er auf dem besten Weg.

- Anzeige -

Während Jojić von Ruthenbeck als offensiver Mittelfeldspieler eingesetzt wird, ist es die Aufgabe von Marco Höger und Salih Özcan in der defensiven Zentrale aufzuräumen. Ex-Schalker Höger verpasste in seinem zweiten Jahr in Köln große Teile der Hinrunde wegen einer Verletzung und anschließenden muskulären Problemen. Er verleiht dem Mittelfeld nun jedoch wieder die Stabilität, die zuvor fehlte. Seine Erfahrung kommt ihm dabei zugute, mit den Königsblauen spielte er schon in der Champions League. Höger vereint Zweikampfstärke, Ruhe am Ball und Übersicht. Dabei ist er zwar nicht der Schnellste, aber das muss er durch sein gutes Stellungsspiel auch nicht sein.

Özcan überzeugt, Lehmann außen vor

Die vielleicht erstaunlichste Entwicklung in dieser Saison hat der junge Özcan genommen. Das 20-jährige Eigengewächs gehört seit dem sechsten Spieltag zum Stammpersonal. Erste Bundesliga-Erfahrung sammelte er in der Spielzeit 2016/17, schon damals galt er als großes Talent. Der Durchbruch gelang ihm, auch begünstigt durch Högers Verletzung, jedoch erst jetzt. Bemerkenswert ist die Abgeklärtheit und Souveranität, mit der Özcan in der Zentrale die Fäden zieht. Während der letzten Saison wurde ihm vorgeworfen, in physischen Duellen zu leichtgewichtig zu sein, doch daran hat er gearbeitet. Gutes Passspiel und ausgezeichnete Technik sind weitere Faktoren, die dem Spiel des FC weiterhelfen. Unter anderem leitete er Teroddes Treffer zum 2:0-Endstand am vergangenen Samstag beim HSV mit einem starken öffnenden Zuspiel ein.

Die guten Leistungen des Trio gehen momentan etwas unter, im Vordergrund stehen Stürmer Terodde, Torhüter Timo Horn oder Kapitän Jonas Hector. Dass der Nationalspieler eigentlich nur stellvertretender Spielführer ist, wird dieser Tage gerne übersehen. Matthias Lehmann, seit 2015 Kölner Kapitän, hat seinen Stammplatz an Özcan verloren. Der Vertrag des 34-Jährigen läuft nur noch bis zum Saisonende, eine Verlängerung erscheint aktuell eher unwahrscheinlich. Fraglich ist auch, wie sich Neuzugang Vincent Koziello in das derzeit gut harmonierende Trio einfügen wird. Der Franzose ist ein „Achter“, ein Hybrid aus „Sechs“ und „Zehn“, genau wie Özcan oder Jojić.