Europapokal? Gladbach bestreitet Hindernislauf

Borussia Mönchengladbach hat in dieser Saison mit heftigen Verletzungssorgen zu kämpfen. Nach der Partie bei Bayer Leverkusen hat es vier weitere Profis erwischt. Kostet die angespannte Personalsituation der Borussia die Qualifikation für einen europäischen Wettbewerb?

Ibrahima Traoré, Raffael, Oscar Wendt, Julio Villalba, László Bénes, Mamadou Doucouré, Fabian Johnson und Tobias Strobl – sie alle fehlten bei der verdienten 0:2-Niederlage in Leverkusen. Nach dem verlorenen Derby gesellten sich auch noch Jannik Verstergaard, Vincenzo Grifo, Christopher Kramer und Reece Oxford hinzu. Am Schlimmsten erwischte es Vestergaard, der nach einer knappen Stunde böse umknickte und dennoch durchspielte. Die bittere Diagnose folgte am nächsten Tag: Mittelfußbruch. Er wird wochenlang fehlen, selbst die WM-Teilnahme ist für den dänischen Nationalspieler in Gefahr.

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Grifo (Überdehnung des vorderen und hinteren Kreuzbandes) und Oxford (Muskelfaserriss) fallen definitiv gegen Hoffenheim aus. Bei Kramer (Verletzung am Hoffa-Fettkörper im rechten Knie) besteht noch Hoffnung auf einen Einsatz gegen die TSG. „Die Personalsituation ist keine Erklärung für unsere Niederlage. Auch in unserer derzeitigen Besetzung hätten wir eine bessere Leistung abrufen können“, sagte Gladbach-Coach Dieter Hecking nach dem Leverkusen-Spiel. Er ergänzte jedoch, dass es enorm schwierig sei, „solche Ausfälle über Monate aufzufangen“.

Raffael fehlt an allen Ecken und Enden

Gladbach steckt in der schlimmsten Krise, seit der 53-Jährige die Mannschaft im Dezember 2016 übernommen hat. Aus den letzten sieben Spielen gab es nur einen Sieg für die Borussia. Vor dem vermeintlichen Befreiungsschlag beim 1:0-Erfolg in Hannover verloren die „Fohlen“ viermal in Folge, noch dazu ohne einen eigenen Treffer zu erzielen. Symptomatisch für die derzeitige Abschlussschwäche steht Lars Stindl. Der deutsche Nationalspieler hat seit dem 12. Spieltag kein Tor mehr erzielt und nur zwei vorbereitet – zu wenig für einen Offensivspieler, der sich noch Hoffnungen auf die WM macht.

Doch wer soll stattdessen für Entlastung sorgen? Gladbachs bester Torschütze Thorgan Hazard (sieben Tore) steckt in einer vergleichbaren Krise wie Stindl, traf seit dem 19. Spieltag nicht mehr. Raúl Bobadilla arbeitet viel, strahlt aber zu selten Torgefahr aus. Auch Jonas Hoffmann und Patrick Herrmann laufen ihrer Form hinterher. Hinzu kommt Josip Drmić, der nach zwei schweren Knieverletzungen noch nicht zu alter Stärke zurückgefunden hat. Die Kreativität eines Raffaels würde dem Spiel der Borussia gut tun, doch der Brasilianer plagt sich seit Wochen mit einer Wadenverletzung herum.

Viel Aufwand, wenig Ertrag

Die Verletzungssorgen könnten also durchaus ein Grund für die spielerische Flaute der Borussia sein. Die Mannschaft betreibt derzeit einen extrem hohen Aufwand und arbeitet viel gegen den Ball, belohnt sich aber zu selten dafür. Das kostet Kraft – Kraft, die dann in den entscheidenden Momenten an anderer Stelle fehlt. Beim 2:2 gegen Werder Bremen sah die Hecking-Elf nach einer 2:0-Führung zur Pause schon wie der sichere Sieger aus. Ein Spiel dauert aber 90 Minuten. Im zweiten Durchgang konnte Gladbach nicht mehr nachlegen, Bremen kam besser ins Spiel und erzielte den verdienten Ausgleich.

Nach den neuen Verletzungen ist deshalb jetzt Heckings Ideenreichtum gefragt, um gegen Hoffenheim eine schlagkräftige Truppe auf den Platz zu stellen. Das Heimspiel gegen die TSG dürfte die letzte Chance sein, doch noch in den Kampf um die Europapokal-Plätze einzugreifen. Es könnte durchaus sein, dass Spieler aus der U23 wie Mandela Egbo oder Justin Hoffmanns ihre Chance bekommen. Beide standen schon des Öfteren im Kader der Borussia, Egbo feierte in Hannover sogar sein Bundesliga-Debüt, als er in der 80. Minute eingewechselt wurde. Zudem kehrten in der vergangenen Woche Johnson und Strobl zurück ins Mannschaftstraining, in dieser Woche gesellten sich Wendt und Raffael hinzu. Es ist dennoch fraglich, welcher Akteur schon am kommenden Spieltag nach seiner Verletzungspause schon wieder eine Option ist.

Neues Reha-Zentrum kommt

Während die Comebacks von Spielern wie Raffael oder Wendt kurzfristig Erfolg bringen soll, arbeitet Gladbach an einer langfristigen Verbesserung der medizinischen Versorgung der Profis. Dafür werden alte Strukturen aufgebrochen. Der Klub weitet seinen medizinischen Bereich aus und baut einen neuen Gebäudekomplex, der im Oktober bezogen werden soll. Zudem soll ein neuer Partner in das Reha-Zentrum einsteigen. Vom bisherigen Partner, der medicoreha Welsink GmbH, wurden 49 Prozent zurückgekauft, somit besitzt die Borussia wieder die vollen 100 Prozent. Mit der aktuell angespannten Personalsituation soll diese Entscheidung aber nichts zu tun haben. „So akut könnten wir solche umfangreichen Änderungen gar nicht vornehmen. Wir hatten schon Ende 2017 die abschließenden Gespräche mit der Welsink GmbH“, erklärte Geschäftsführer Stephan Schippers gegenüber der Rheinischen Post.