Gehen oder Bleiben? Das Risiko mit Sané

Bei Hannover 96 läuft es aktuell alles andere als rund. Abwehrchef Salif Sané präsentiert sich unbeeindruckt von der sportlichen Krise in Top-Form. Ob er über die Saison hinaus bleibt, ist weiterhin völlig offen.

Bei der 1:3-Heimniederlage gegen den FC Augsburg gab es für die Hannoveraner Fans nicht viel Positives zu sehen. Für die Höhepunkte sorgte Sané. Wie gewohnt entschied der 1,96-Meter-Hüne beinahe all seine Kopfballduelle für sich – seine Quote von 85,1 Prozent gewonnener Luftkämpfe ist in der Liga unübertroffen. Zudem erzielte der Innenverteidiger auf der anderen Seite mit einem sehenswerten Volleyschuss das einzige Tor für die „Roten“. Einmal mehr stach der Senegalese aus einer überfordert wirkenden Viererkette heraus und untermauerte seinen Status als Unverzichtbarer in Hannover. Ein Abschied des Leistungsträgers im Sommer wird bei solchen Auftritten wie in Augsburg nicht unwahrscheinlicher.

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Sané ist der Dauerbrenner beim Aufsteiger. In dieser Saison absolvierte er 26 von 28 möglichen Pflichtspielen über die volle Distanz, fehlte nur zweimal gesperrt. Verletzt ist der Defensivspezialist, der auch vor der Abwehr spielen kann, höchst selten. In den vergangenen drei Jahren verpasste er nur zwölf Partien, davon zehn wegen einer Rot- oder Gelb-Sperre. Durch seine auffällige Spielweise weckt er vor allem seit dem Sommer Begehrlichkeiten, schon im Winter wurde über einen Wechsel in die Premier League spekuliert. Noch im Dezember hatte Sané betont, es „ziehe ihn nicht weg“ und dass er sich in Hannover wohlfühle. Dennoch: Nach der Saison dürfte er dem Vernehmen nach für die festgeschriebene Ablösesumme von weniger als zehn Millionen Euro wechseln.

96 wird Sané nicht um jeden Preis halten

Sportdirektor Horst Heldt ist auf einen Abgang des „Abwehr-Leuchtturms“ vorbereitet. Erst im April muss der entscheiden, ob er die Ausstiegsklausel zieht oder nicht. „Es ist das Recht der Spieler, von vertraglichen Vereinbarungen Gebrauch zu machen“, sagte Heldt noch vor einem Monat laut Sportbuzzer. „Es wäre aber schön, schnellstmöglichst Klarheit zu bekommen.“ Nach Alternativen schaut sich der Verein parallel um, mit Josip Elez wurde bereits im Winter ein neuer Innenverteidiger verpflichtet. Für Heldt wäre ein Verlust Sanés freilich „kein Grund, Trübsal zu blasen“, wie er betonte. Zwar hoffen sie in Hannover noch auf dessen Verbleib, doch um jeden Preis wird man ihn nicht halten wollen.

Nicht zuletzt nährte der ominöse Kontakt zu der in England gut vernetzten Berater-Agentur Rogon von Roger Wittmann in den vergangenen Monaten Zweifel daran, dass Sané seine Zukunft nicht bei den Niedersachsen sieht. In Augsburg war zudem – nicht zum ersten Mal – ersichtlich, dass Sané das sportliche Tief der „Roten“ mit Missgunst verfolgt. Beim 1:3-Gegentor nach einem Konter des FCA trabte er resigniert dem Geschehen hinterher und riss genervt die Arme in die Luft, noch ehe der Ball im Netz landete. Der 27-Jährige neigt zu Anfällen von Lustlosigkeit, zudem unterlaufen dem zweifellos hochveranlagten Abwehrchef immer wieder Leichtsinnsfehler. Bei 96 werden sie die Entwicklung genau beobachten und nach der Saison abwägen, ob Sané sich mit – wohl nur in Verbindung mit einer deutlichen Anhebung des Gehalts – einer weiteren Saison in Hannover arrangieren kann oder mit zunehmender Unzufriedenheit den Teamgedanken gefährdet.