Gnabry kämpft für seine WM-Chance

Serge Gnabry ist bei der TSG 1899 Hoffenheim nach durchwachsener Hinrunde zum Leistungsträger aufgestiegen. Für den Flügelspieler besteht noch eine Resthoffnung auf eine WM-Teilnahme, wenn er seine Top-Form hält.

Verletzungspech verhinderte, dass Gnabry in seinem ersten halben Jahr in Hoffenheim bleibende Spuren hinterließ. Bis auf einen Doppelpack inklusive Traumtor gegen RB Leipzig (4:0) lieferte die Leihgabe des FC Bayern München in der Hinrunde wenig Beeindruckendes ab. Wegen langwieriger Oberschenkelprobleme bestritt er nur einen Einsatz über die vollen 90 Minuten. Erst im neuen Jahr scheint Gnabry so richtig angekommen zu sein im Kraichgau. Starke drei Tore und fünf Assists in neun Spielen verbucht der 22-Jährige in der Rückrunde. Zudem glänzte er mit neuer Vielseitigkeit, zeitweise setzte Trainer Julian Nagelsmann den Offensivakteur als Außenverteidiger ein. Für Gnabry kein Problem, wie er betonte: „Ich bin von Natur aus eher ein offensiv denkender Spieler, aber wenn der Trainer entscheidet, dass ich mal weiter hinten auflaufen soll, dann mache ich das. Julian ist der Chef.“

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Der Youngster hat ein großes Ziel vor Augen: die WM im Sommer. „Die Hoffnung auf eine WM-Teilnahme ist groß. Jeder Spieler muss dem Bundestrainer zeigen, dass er Leistung bringt. Das versuche ich“, sagte Gnabry im Januar dem SWR. Seinen Worten ließ er Taten folgen, aus der Startelf der TSG ist er nicht mehr wegzudenken. Seine Beweglichkeit und Dribbelstärke machen Gnabry zu einer unberechenbaren Waffe – wenn der Körper mitspielt. „Der Wettkampf und die Matchpraxis sind durch absolut nichts zu ersetzen. Der Gegnerdruck ist da, man muss mental voll auf der Höhe sein – das macht ein Spiel in der Bundesliga aus und das kitzelt die letzten Prozente heraus“, erklärte der Angreifer und ergänzte: „Natürlich hoffe ich, dass ich bis Saisonende verletzungsfrei bleibe.“

Nagelsmann: „Das liegt allein an ihm“

Das ist die Grundvoraussetzung, will der U21-Europameister mit nach Russland. Das Potenzial, es in den WM-Kader zu schaffen, hat er. Im August wurde er von Bundestrainer Joachim Löw zuletzt in das DFB-Aufgebot berufen, musste aber verletzt passen. Für die jüngsten Länderspiele gegen Spanien (1:1) und Brasilien (0:1) fand er keine Berücksichtigung. In den engeren Kreis muss sich Gnabry bis zur Nominierung des vorläufigen Aufgebots am 15. Mai zurückkämpfen, die Konkurrenz auf den offensiven Flügelpositionen ist hochkarätig. Neben den voraussichtlich gesetzten Thomas Müller, Julian Draxler und Leroy Sané drängt auch der lange verletzte Marco Reus zurück in den Kader. Gnabry hat ebenso wie Leverkusens Julian Brandt nur Außenseiterchancen.

Hoffenheims Coach Nagelsmann traut seinem Schützling den Sprung in den WM-Kader zu, wenn der an seine Grenzen geht. „Er muss sta­bil das ab­ru­fen, was er zu­letzt in Pha­sen ge­zeigt hat, dann ja“, meinte der 30-jährige Fußballlehrer kürzlich laut Bild. „Das liegt, glau­be ich, al­lein an ihm.“ In seiner aktuellen Form ist Gnabry für Löw definitiv eine Option, das Phlegma, das sich bei ihm in der Hinserie mitunter noch einschlich, hat er abgelegt. Für den antrittsstarken Offensivmann zählt im Saison-Endspurt aber vor allem, dass er fit bleibt. Denn seine Explosivität ging in der Vergangenheit häufiger auch zulasten der strapazierten Oberschenkelmuskulatur.