Grindel: Özil soll „Antwort auf dem Platz geben“

Bundestrainer Joachim Löw will vor dem WM-Auftakt die Diskussionen um İlkay Gündoğan und Mesut Özil beenden und das Sportliche in den Vordergrund rücken. DFB-Präsident Reinhard Grindel erwartet volle Einsatzbereitschaft von den beiden Premier League-Profis.

Löw nippte an seinem Wasserglas, dann tauchte er endgültig in den WM-Tunnel ein. Der äußerst fokussiert wirkende Bundestrainer ließ bei seinem ersten Auftritt in Russland keinen Zweifel: Nichts und niemand soll ihn und seine Mannschaft vor dem Beginn der historischen Titelmission am Sonntag (17 Uhr) gegen Mexiko stören – auch nicht das leidige Dauerthema „Erdoğan-Affäre“. „Alles ist auf Sonntag ausgerichtet“, sagte Löw im deutschen WM-Quartier in Watutinki. Die Unterkunft vor den Toren Moskaus versprühe zwar eher „den Charme einer guten Sportschule“, meinte Löw, „doch wir dürfen keine Energie vergeuden und müssen die Dinge so annehmen, wie sie sind.“

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Auf dem steinigen Weg zum fünften Stern will der 58-Jährige nichts dem Zufall überlassen. Die Bedingungen auf dem Trainingsgelände des russischen Top-Klubs ZSKA Moskau seien zwar gut, doch nach der ersten Einheit stellte Löw fest: „Der Rasen ist ein paar Millimeter zu hoch. Das werden wir korrigieren.“ Fast hätte diese Kleinigkeit einen größeren Schaden nach sich gezogen. Julian Draxler knickte beim erfolgreichen Torschuss um und musste kurz behandelt werden. Anschließend setzte er das Training aber fort. „Da besteht keine Gefahr“, sagte Löw mit Blick auf das Mexiko-Spiel im Moskauer Luschniki-Stadion. Auch Sami Khedira, der das Training wegen Rückenproblemen früher beendete, könne am Donnerstag oder Freitag wohl wieder voll mitmischen.

Löw: „Beide Spieler haben gelitten“

Rund um das erste Training des Weltmeisters herrschte beste Laune. Mehrere Hundert Zuschauer verfolgten die öffentliche Einheit – darunter viele Kinder aus der deutschen Schule in Moskau. Im Anschluss nahmen sich Kapitän Manuel Neuer, Mats Hummels und die anderen Spieler reichlich Zeit für Autogramme und Selfies. Da konnten Özil und Gündoğan ihre Probleme einmal vergessen. Die Nachwirkungen ihres Treffens mit dem umstrittenen türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan sind aber immer noch spürbar. Das bereitet auch Löw Sorgen. „Beide Spieler waren sicher von der Situation beeindruckt und haben gelitten“, berichtete er und fügte mit Blick auf die sportlichen Ziele an: „Ich muss sie so weit in Form bringen, dass sie in den Flow kommen und unserer Mannschaft helfen.“

Das intensive Training am Mittwoch macht dabei durchaus Hoffnung. Gündoğan erzielte nicht nur das erste Tor, er vermittelte auch sonst einen engagierten Eindruck. Özil wirkte nach seiner Knieprellung fit, scherzte viel und versetzte Jérôme Boateng gekonnt einen Beinschuss. Das machte auch DFB-Präsident Reinhard Grindel Mut. „Ich erwarte, dass jeder sich für Deutschland einsetzt, mit allem, was er hat“, sagte er. In Richtung des bislang zur Affäre schweigenden Özil schob er hinterher: „Und wenn er schon in Interviews keine Antwort geben will, dann auf dem Platz. Ich weiß, dass Mesut und İlkay dazu bereit sind.“ Nach den freien Tagen in der Heimat im Anschluss an die äußerst durchwachsene Generalprobe gegen Saudi-Arabien (2:1) scheint auch der Rest der Mannschaft allmählich bereit. Im Training war viel Zug, es wurde aber auch viel gelacht. „Die Mannschaft wird sich noch weiter steigern“, ist sich Löw sicher.

Bundestrainer warnt vor Mexiko und lobt sein Team

Ab Donnerstag geht es „um den Feinschliff im taktischen Bereich“, so Löw. Da müsse man noch „einige Abläufe durchspielen“. Mexiko sei zwar ein Gegner, „der uns alles abverlangen wird“, sagte Löw, „wir sind aber auf alles vorbereitet. Es wird ein schwieriges Spiel, aber wir werden die richtigen Lösungen finden.“ Welche Spieler diese Lösungen finden sollen, verriet Löw nicht. „Da werde ich mich noch nicht festlegen. Wir haben innerhalb der Mannschaft einen Konkurrenzkampf. Das ist so gewollt“, sagte Löw und verteilte zum Abschluss noch lobende Worte: „Die Mannschaft hat gut gearbeitet. Wir haben eine gute Energie in unserer Gruppe. Es fehlen nur noch ein paar Prozent.“ Diese sollen bis Sonntag da sein.

(sid)