Hannover droht akuter Engpass in der Defensive

Die Sorgenfalten beim kriselnden Aufsteiger Hannover 96 werden vor dem Saison-Endspurt immer größer. Im schlechtesten Fall steht Trainer André Breitenreiter am Freitag (20.30 Uhr) gegen Werder Bremen nur ein gelernter Innenverteidiger zur Verfügung.

Am Montag wurde bei U21-Nationalspieler Waldemar Anton eine schwere Muskelsehnenverletzung diagnostiziert, für den Shootingstar der „Roten“ bedeutet das wohl das Saison-Aus. Anton verpasste in dieser Saison nur zwei Pflichtspiele – dazu zählt auch das Hinspiel in Bremen, das 96 in seiner Abwesenheit deutlich mit 0:4 verlor. Im Rückspiel am Freitag fehlt der 21-Jährige erneut und reißt ein großes Loch in den Defensivverbund der Breitenreiter-Elf. Seine Abgeklärtheit und Spielintelligenz, mit der er sowohl mit dem als auch gegen den Ball besticht, sind nur schwer zu ersetzen.

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Noch bitterer wäre es, wenn überdies Salif Sané ausfallen würde. Der Senegalese, der die besten Zweikampfwerte der Liga aufweist, musste am Dienstag das Training mit Adduktorenbeschwerden abbrechen. Die Probleme schleppte der 1,96-Meter-Hüne dem Vernehmen nach bereits seit einigen Wochen mit sich herum. Laut 96 handelte es sich bei Sanés vorzeitigem Trainingsende zwar nur um eine Vorsichtsmaßnahme, dass der Abwehrchef bis Freitag hundertprozentig fit ist, darf aber bezweifelt werden. Fällt er aus, müsste 96 erstmals in dieser Saison auf das gesetzte Duo Sané und Anton verzichten. Doch selbst wenn die Zeit reichen sollte, hat Breitenreiter nicht viel Auswahl im Abwehrzentrum.

Felipe, Hübner und Hübers keine Option für Werder

Felipe fehlt weiterhin mit einem Muskelfaserriss, seine Rückkehr soll erst in knapp zwei Wochen erfolgen. Die Hoffnung, dass der 30-jährige Brasilianer noch einmal über einen längeren Zeitraum spielfähig ist, schwindet allmählich. In sechs Jahren bei 96 kam er verletzungsbedingt nur auf 44 Einsätze – eine verheerende Bilanz. Maximal eine Option für die Bank am Freitag ist Florian Hübner, der nach einer Kapselzerrung in der vergangenen Woche in den nächsten Tagen wieder ins Training einsteigen soll. Zu allem Überfluss sah mit Talent Timo Hübers eine dritte Alternative in der U23 die Rote Karte und ist gesperrt – der 20-Jährige ist aber ohnehin noch ohne Pflichtspiel für die Profis.

Kommt es hart auf hart, bleibt mit Winter-Neuzugang Josip Elez nur ein gelernter Innenverteidiger übrig. Der 23-jährige Kroate wirkt noch nicht ganz sattelfest, die Präsenz eines Sané oder die Souveränität eines Anton wird er nicht kompensieren können. Als Alternative für eine Dreierkette stünde Oliver Sorg bereit, der diese Rolle in der laufenden Saison schon mehrfach passabel ausfüllte. Eine weitere Notlösung wäre die Rückversetzung von Sechser Pirmin Schwegler, der Schweizer besitzt wie Sorg mit 1,78 Metern aber nicht gerade das Gardemaß für einen Innenverteidiger. So oder so: Breitenreiter muss vorsorglich mit kreativen Lösungen planen.