Hannover steht Umbruch im Sommer bevor

Der Klassenerhalt ist Hannover 96 nach dem 2:1-Heimsieg gegen Werder Bremen kaum noch zu nehmen. Dennoch vollziehen die Niedersachsen im Sommer wohl einen personellen Umbruch. Leistungsträger wie Salif Sané dürften schwer zu halten sein, einige Spieler aus der zweiten Reihe haben keine Zukunft mehr beim Aufsteiger.

Ein Sieg aus den verbleibenden fünf Spielen dürfte Hannover reichen, um das Saisonziel Klassenerhalt perfekt zu machen. Der Vorsprung auf den Relegationsplatz beträgt nach dem wichtigen Dreier gegen Bremen wieder komfortable acht Punkte, die direkten Abstiegsränge sind gar 13 Punkte entfernt. Sportdirektor Horst Heldt, der noch in diesem Monat zum Geschäftsführer befördert werden soll, wird sich daher in den kommenden Wochen verstärkt der Planung für die kommende Saison widmen. Verstärkungen sind zwingend notwendig, da schon jetzt abzusehen ist, dass auf der Abgangsseite einiges passieren wird. Schon fix ist der Wechsel von Felix Klaus zum VfL Wolfsburg, der Offensivspieler zieht eine Klausel, dank der er für 3,5 Millionen Euro wechseln darf. Der Verlust des Top-Vorbereiters (wettbewerbsübergreifend neun Assists) schmerzt, Klaus könnte freilich nicht der letzte Leistungsträger sein, den 96 abgeben muss.

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Vor allem Abwehrchef Sané scheint für die „Roten“ kaum zu halten sein. Eigentlich ist der Abwehrspieler noch bis Sommer 2020 gebunden, ein Verbleib wird aber immer unwahrscheinlicher. Dank einer vertraglich fixierten Ausstiegsklausel darf der senegalesische Nationalspieler am Saisonende für neun Millionen Euro wechseln. Versuche, den 27-Jährigen zu einem neuen Vertrag mit besseren Konditionen und ohne eine Ausstiegsklausel zu überreden, sind bisher gescheitert. Vor zwei Wochen soll ein Gespräch zwischen Sanés Berater und Klub-Verantwortlichen erfolglos verlaufen sein. Unter anderem sollen Borussia Dortmund und der FC Schalke 04 an dem kopfballstarken 1,96-Meter-Hünen interessiert sein.

Anton umworben, Trio nur noch ein Jahr unter Vertrag

Auch Sanés Nebenmann Waldemar Anton ist durch eine starke Saison in den Fokus anderer Klubs gerückt. Schon im Winter gab es mehrere Anfragen für den U21-Nationalspieler, die blockten Spieler und Verein aber allesamt ab. Die Gerüchteküche brodelt dennoch weiter, zuletzt sollen Scouts des AC Mailand den aktuell verletzten Anton beim U21-Nationalteam beobachtet haben. Der Trumpf für Hannover: Anton hat keine Ausstiegsklausel in seinem Vertrag bis 2021 und fühlt sich wohl in seiner Heimatstadt. Die Chancen auf einen Verbleib über diese Saison hinaus sind daher ungleich höher als bei Sané – auch wenn 96 bei einer Ablösesumme ab einer bestimmten Höhe schwach werden könnte.

Ein gleichzeitiger Abschied des Innenverteidiger-Duos wäre aber nur schwer zu verkraften, 96 wird deshalb alles daran setzen, zumindest einen der beiden zu halten. Zumal die Zukunft eines weiteren Abwehrspielers unklar ist: Felipe war zu Beginn der Saison Stammkraft, schaffte es verletzungsbedingt aber nur auf sechs Einsätze. Aktuell laboriert er nach einem kurzen Comeback an einem Muskelfaserriss. Kein Spieler im Kader hat solch eine dicke Krankenakte wie der Brasilianer, in sechs Jahren in Hannover bestritt er nur 44 Pflichtspiele. 2019 läuft sein Vertrag aus, im Sommer würde er letztmals eine Ablösesumme einbringen. Ähnlich ist die Situation bei Oliver Sorg und Marvin Bakalorz, beide stehen nur noch ein Jahr unter Vertrag. Im Gegensatz zu Felipe zählt das Duo aber aktuell zum Stamm, was in den vergangenen beiden Jahren freilich nicht immer der Fall war. Abräumer Bakalorz wurde zuletzt mit Leeds United in Verbindung gebracht, dementierte aber einen Kontakt zum englischen Zweitligisten.

Reservisten um Karaman und Benschop wohl ohne Zukunft

Größer fällt der Umbruch bei den Niedersachsen wohl in der zweiten Reihe aus. Die Verträge der Reservisten Kenan Karaman und Charlison Benschop laufen im Sommer aus, beide haben wohl keine Zukunft in Hannover. Karaman pendelt seit seinem letzten Startelf-Einsatz am neunten Spieltag gegen den FC Augsburg (2:1) nur noch zwischen Ersatzbank und Tribüne, schon im Winter stand er vor einem Wechsel in die Türkei, blieb letztlich aber doch. Benschop schaffte es in den vergangenen neun Spielen nicht einmal in den Kader, insgesamt kommt der Angreifer nur auf 19 Pflichtspiel-Einsätze in drei Jahren bei 96. An dem Nationalspieler Curaçaos sollen schon im Winter einige Zweitligisten Interesse gezeigt haben. Ebenfalls vor dem Absprung stehen Florian Hübner und Sebastian Maier. Ersterer ist aktuell nur noch Innnverteidiger Nummer fünf, Letzterer kam seit November nur noch in einem Spiel zum Einsatz.