Henrichs vor wegweisenden Wochen

Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images

Bayer 04 Leverkusens Benjamin Henrichs galt als eines der vielversprechendsten Talente, die Fußball-Deutschland auf der Rechtsverteidiger-Position zu bieten hat. Aktuell allerdings steht der 21-Jährige vor einer entscheidenden Frage: Wechselt er den Verein oder versucht er, sich bei der „Werkself“ durchzusetzen?

Henrichs Aufstieg in Leverkusen glich beinahe schon einem Raketenstart. In der Saison 2015/16 feierte der Abwehrspieler sein Bundesliga-Debüt, gegen Ende der Spielzeit etablierte er sich fest hinten rechts. Im Jahr darauf absolvierte Henrichs 29 Bundesliga-Partien für Bayer, bekam 2016 zudem die Fritz-Walter-Medaille in Gold in seiner Altersklasse verliehen. Es lief rund für den heute 21-Jährigen; am 11.11.2016 debütierte er unter Joachim Löw gar in der Nationalmannschaft. Henrichs reiste mit zum Confed Cup und durfte bei diesem auch zweimal auflaufen. Zwei Tore bereitete er dabei vor. Hinter Joshua Kimmich war Henrichs die große Hoffnung für die Zukunft, schließlich sind gute Außenverteidiger im deutschen Fußball rar geworden.

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Die rosigen Zeiten, in denen beim Defensivmann alles nach Plan lief, sind jedoch vorbei. Ebenso schnell wie er aufgestiegen war, geriet er bei Bayer ins Abseits. Die vergangene Saison wurde für Henrichs zur Geduldsprobe. Immer öfter saß er nur auf der Bank, immer öfter trumpften seine Konkurrenten um Panagiotis Retsos und Lars Bender auf. Die Folge: Henrichs, der wenige Monate zuvor noch der große Hoffnungsträger war, schien auf die Abschussliste zu geraten. Bayer deutete an, dass der Verein bereit sei, den 21-Jährigen ziehen zu lassen. In Mitchell Weiser wurde aus Berlin sogar ein weiterer, hochkarätiger Konkurrent verpflichtet. Voraussetzung für einen Verkauf ist allerdings ein Angebot in beachtlicher Höhe.

Dreifachbelastung wird zur Chance

Deutlich mehr als 15 Millionen Euro fordert Leverkusen dem Vernehmen nach für Henrichs. Die AS Monaco und die SSC Neapel sollen Interesse am Rechtsverteidiger haben, hielten sich bislang aber mit entsprechenden Offerten zurück. So befindet sich der 21-Jährige aktuell mit Bayer im Trainingslager in Zell am See/Kaprun, wo er gute Leistungen zeigt. Gegen den niederländischen Erstligisten Fortuna Sittard (2:0) gelang Henrichs sogar ein Tor. Angesichts seiner Konkurrenz droht dem Außenverteidiger bei einem Verbleib in Leverkusen aber auch in der anstehenden Saison erst einmal wieder ein Platz auf der Bank.

Henrichs aber wirkt überzeugt, dass er sich bei den Rheinländern durchsetzen kann und dass er aus der abgelaufenen Spielzeit gelernt hat. Angesichts der anstehenden Dreifachbelastung wird Trainer Heiko Herrlich rotieren müssen. Dann könnte der 21-Jährige seine Chance bekommen. Dass er das Zeug dazu hat, diese zu nutzen, hat er schon bewiesen. Bei einem entsprechenden Angebot ist ein Wechsel dennoch eine ebenso verlockende Möglichkeit – für beide Seiten.