Heynckes: „Müssen wir uns noch steigern“

Der FC Bayern hat sich durch den 2:1-Auswärtssieg im Champions League-Viertelfinale gegen den FC Sevilla in eine gute Ausgangslage gebracht. Trainer Jupp Heynckes sieht dennoch Steigerungsbedarf bei seiner Mannschaft.

„Wenn wir die Champions League gewinnen wollen, müssen wir uns noch steigern“, sagte der 72-Jährige nach dem glanzlosen Erfolg in Andalusien. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hatte bei seiner Bankettrede im Verlauf des Abends zwar von einem „wunderbaren Spiel mit einem tollen Sieg“ geschwärmt. Als er aber auf das „andere Spiel in Turin“ zu sprechen kam, senkte er seine Stimme und mahnte: „Die Gegner werden nicht einfacher. Dementsprechend sollten wir die Dinge ganz seriös step by step angehen.“ Denn in Italien zeigte Titelverteidiger Real Madrid um den überragenden Cristiano Ronaldo beim beeindruckenden 3:0 (1:0) über Juventus, wie es noch besser geht.

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Das Tor zum Halbfinale sei „aufgestoßen“, sagte Rummenigge. Heynckes, „ein sehr seriöser, konservativer Trainer und Mensch“, wie Rummenigge schmunzelnd ausführte, habe aber gefordert, dass die Mannschaft bitte „seriös durchgehe durch das Tor“. Während der Vorstandschef „überzeugt“ ist, dass dies gelingen wird, war Heynckes zurückhaltender. Nach der schwachen ersten Halbzeit mit dem Rückstand durch Pablo Sarabia (32.) und dem von Franck Ribéry erzwungenen Eigentor von Jesús Navas (37.) hatte er seine Spieler per Brandrede wachgerüttelt. „Interessant“ sei es in der Kabine gewesen, sagte Sportdirektor Hasan Salihamidžić. „Heynckes war absolut nicht zufrieden“, meinte Thomas Müller.

Vidal und Bernat angeschlagen

Mats Hummels gab Heynckes zu „hundert Prozent“ recht. „Es war okay, es war gut, aber mit okay, gut gewinnt man die Champions League nicht“, sagte er, in Halbzeit eins sei es ein „gefährliches Spiel“ gewesen. Und das gegen einen Kontrahenten, den Hummels wie Müller „noch stärker“ erwartet hatten. Nach einer guten zweiten Hälfte und dem von Ribéry vorbereiteten Siegtreffer durch Thiago (68.) stand laut Heynckes „ein wertvoller Sieg“ – der siebte im siebten Champions League-Spiel unter seiner Regie. Hummels sprach von einer „wunderschönen Ausgangsposition“. Der erste Sieg einer deutschen Mannschaft beim FC Sevilla (im elften Spiel) beweise, „dass wir in der Lage sind, bis zum ganz großen Triumph mitzuspielen – aber auch nur, wenn wir in den hoffentlich noch vier Spielen ans Leistungsmaximum kommen.“

Müller hofft, dass der starke Kader, der durch die Blessuren von Arturo Vidal (Knieprobleme) und Juan Bernat (Fleischwunde) etwas dünner zu werden droht, „unser großer Trumpf in den nächsten Wochen“ werden könne – wenn Heynckes diesen weiter so gut moderiert. Den Zusammenhalt stärken könnte neben dem freien Mittwoch eine Party am Samstag. Ausarten werde die mögliche Meistersause allerdings nicht, sagte Hummels. Schließlich, ergänzte Ribery ganz im Sinne von Heynckes, „dürfen wir nicht denken, dass wir schon im Halbfinale sind“. Am kommenden Mittwoch gibt es das Rückspiel in München.

(cbe/sid)