Hoffenheim ist mittendrin im Gerangel um die Fleischtöpfe

Noch vor sechs Wochen schien sich die TSG 1899 Hoffenheim bereits aus dem Rennen um die Europa League-Plätze verabschiedet zu haben. Nach dem jüngsten Höhenflug ist sogar die Champions League wieder zum Greifen nah.

Der furiose 6:0-Sieg gegen den 1. FC Köln am vergangenen Samstag war ein deutliches Ausrufezeichen vor dem Saison-Endspurt: die TSG ist wieder da. Lange dümpelte die Mannschaft von Trainer Julian Nagelsmann im Tabellenmittelfeld herum, Konstanz war ein Fremdwort im Kraichgau. Doch das Blatt hat sich gewendet. Aktuell sammelt der Tabellensiebte eifrig Punkte und die Konkurrenz lässt Federn. Am Wochenende verloren parallel zum Hoffenheimer Kantersieg Eintracht Frankfurt (1:2 in Bremen) und Borussia Dortmund (0:6 in München), Leverkusen kam nicht über ein 0:0 gegen Augsburg hinaus. Noch steht das Trio vor der TSG, doch der Vorsprung schwindet und das Selbstvertrauen im Kraichgau wächst.

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Seit fünf Spielen ungeschlagen, drei Siege aus den vergangenen vier Partien: der Trend spricht für 1899. Platz vier und die damit verbundene Champions League-Qualifikation sind nur vier Zähler entfernt. Trainer Nagelsmann bleibt aber vorsichtig. „So schwankend wie die Saison war, will ich nicht von Zielen sprechen. Es geht darum, unsere Leistung zu stabilisieren. Es war wichtig, dass wir die Kurve bekommen haben. Es war zeitweise auch kein großer Abstand nach unten“, sagte er laut Kicker. Weitaus forscher gab sich der formstarke Serge Gnabry nach der Gala gegen Köln: „Es sind nur vier Punkte, das ist realistisch. Wir haben es in den direkten Duellen mit Frankfurt, Leipzig und Dortmund in der Hand.“

Nächster Spieltag kann richtungsweisend sein

Tatsächlich ist das Restprogramm der TSG Chance und Risiko zugleich. Die Aufgaben gegen die direkte Konkurrenz werden sicher nicht einfach, ein Sieg würde jedoch immer auch zeitgleich eine Niederlage für einen Rivalen bedeuten. Schon der nächste Spieltag könnte richtungsweisend werden. Hoffenheim (42 Punkte) gastiert beim Tabellensechsten aus Frankfurt (45 Punkte), parallel treffen RB Leipzig (4./46 Punkte) und Bayer Leverkusen (5./45 Punkte) aufeinander. Im besten Fall macht die TSG mächtig Boden auf das Trio gut – und wäre fünf Spiele vor Saisonende mittendrin im Gerangel um die Fleischtöpfe. Mit Kantersiegen wie gegen Köln poliert die Nagelsmann-Elf zudem ihr Torverhältnis auf, das am Ende entscheidend sein kann.

Gelingt Hoffenheim im Schlussspurt noch der Sprung auf Platz vier, wäre das ein sensationeller Kraftakt, der die Ära Nagelsmann krönen würde. Schon in der Vorsaison erreichte der 30-jährige Fußballlehrer mit seinem Team die Champions League-Qualifikation und verhalf der TSG damit zur ersten Europapokal-Teilnahme in der Vereinshistorie. Hält der Aufwärtstrend an, wird er zum Wiederholungstäter. „Wenn wir so spielen, hätten wir es verdient“, meinte Nagelsmann, ergänzte aber: „Das haben andere Teams auch, die Woche für Woche liefern.“ Keine andere Mannschaft von Platz drei bis sechs geht aber mit einem derartigen Rückenwind in die verbleibenden Wochen wie die TSG.