Hoffnungsträger Steffen nur in der Nebenrolle

Im Winter wurde Renato Steffen verpflichtet, um die lahmenden Flügel beim VfL Wolfsburg zu beleben. Doch der Schweizer Nationalspieler blieb deutlich hinter den Erwartungen zurück. Das kostet ihn nun sogar die WM.

Steffen schaffte es nicht mal in den provisorischen 35-Mann-Kader für die Weltmeisterschaft in Russland, den Nationaltrainer Vladimir Petković am Dienstag bekanntgab. Dabei wähnte sich der Offensivspieler, dessen letztes Länderspiel für die „Nati“ knapp eineinhalb Jahre zurückliegt, nach einem starken Hinrunden-Endspurt beim FC Basel wieder auf dem Weg ins Blickfeld der Schweizer Auswahl. Mit dem Wechsel in die Bundesliga nach Wolfsburg wollte er seine Chancen noch steigern – dieser Plan ging aber nicht auf. Zwar verpasste Steffen in der Rückrunde nur ein Spiel, meist durfte er aber nur als Joker ran und wusste selten zu überzeugen. Chancen bekam der 26-Jährige immer wieder: In den letzten drei Ligaspielen baute Bruno Labbadia jeweils auf ihn, bis auf einen Assist beim 1:4 in Leipzig hinterließ er keinen bleibenden Eindruck.

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Beim jüngsten 4:1-Befreiungsschlag gegen den 1. FC Köln wirkte Steffen 71 Minuten lang mit, ohne groß in Erscheinung zu treten. Währenddessen glänzte der 19-jährige Josip Brekalo, der im Winter gemeinsam mit Steffen zur Behebung der Offensivschwäche (zurück)geholt worden war, mit vier Torbeteiligungen. Steffen wirkt dagegen wie ein Schatten. Nur allzu selten blitzt seine Dynamik auf, wie bei seiner Torvorlage in Leipzig. Meist ist er kaum eingebunden in das Wolfsburger Spiel.

Steffen: „Bereue es nicht, dass ich gewechselt bin“

Dass Steffens Landsmann Martin Schmidt, der ihn nach Wolfsburg gelotst hat, nach wenigen Monaten zurücktrat, erschwerte dem Neuzugang die Findungsphase. „Ich habe nicht erwartet, dass ich hierher komme und so schnell der Trainer wechselt. Das war sicher nicht einfach und hat auch meine Situation verändert“, meinte er kürzlich in einem Interview mit der Aargauer Zeitung. „Es war ein Auf und Ab. Aber, und das will ich klarstellen: Ich bereue es nicht, dass ich gewechselt bin.“ Unter dem neuen Coach Labbadia brauchte Steffen seine Zeit, um wieder in die Startelf zu rücken. Das hat er mittlerweile immerhin geschafft, auch wenn er immer noch viel Luft nach oben offenbarte.

Im Relegations-Hinspiel gegen Holstein Kiel darf sich der Flügelspieler trotz dürftiger Auftritte wieder Hoffnung auf einen Startplatz machen, da Top-Scorer Daniel Didavi weiterhin ausfällt. Der Ausgang der Relegationsspiele dürfte wie bei vielen VfL-Profis auch wegweisend für Steffens Zukunft sein. Vor einigen Wochen betonte er noch: „Ich habe mir gesagt, dass ich mir eine halbe Saison Zeit gebe, um anzukommen, alles kennenzulernen, um dann im Sommer voll angreifen zu können.“ Ob er dieses Vorhaben auch im Abstiegsfall noch umsetzen wird, ist fraglich. Zum einen wird er selbst abwägen, ob der Gang in die zweite Liga mit Blick auf die Nationalelf von Vorteil ist, zum anderen wird auch der VfL nach einem durchwachsenen Halbjahr des Schweizers Bilanz ziehen und seine Kaderplanung überdenken. In Amin Younes von Ajax Amsterdam war eigentlich schon neue Konkurrenz für Steffen im Anflug, doch Wolfsburg nahm nach Kicker-Informationen nun doch Abstand von der Verpflichtung des 24-Jährigen.