Hollerbach: Der Neue auf dem heißen Stuhl

Mirko Slomka, Bruno Labbadia, Markus Gisdol – sie alle haben den Hamburger SV einst gerettet und sind letztlich trotzdem gescheitert. Der neue Retter soll Ex-Profi Bernd Hollerbach werden. Der 48-Jährige gilt als starker Motivator und hat eine besondere Bindung zum Klub.

Obwohl er keine Erfahrung als Bundesliga-Chefcoach besitzt, hat Hollerbach schon eine beachtliche Anzahl an Erfolgen in seiner Vita als Trainer stehen. Nach ersten Engagements beim VfL 93 Hamburg und dem VfB Lübeck wurde er 2007 beim VfL Wolfsburg Assistent von Felix Magath. Die Zusammenarbeit mit „Quälix“ erwies sich als äußerst fruchtbar und fand 2009 mit dem Gewinn der deutschen Meisterschaft ihren Höhepunkt. Auch beim FC Schalke 04 (2009-2011) und während der zweiten Amtszeit beim VfL Wolfsburg (2011-2012) agierte er als Magaths rechte Hand.

- Anzeige -

Im Jahr 2014 übernahm Hollerbach den Chefsessel bei seinem Heimatverein Würzburger Kickers. Mit den fränkischen „Rothosen“ legte der gelernte Metzger eine beeindruckende Erfolgsgeschichte hin. In der ersten Saison führte er den FWK auf Anhieb in die 3. Liga, im darauffolgenden Jahr folgte der sensationelle Durchmarsch in die 2. Bundesliga. Dort wendete sich das Blatt allerdings in der zweiten Saisonhälfte: Nach einer überzeugenden Hinrunde gelang im ersten Halbjahr 2017 kein einziger Sieg, der direkte Wiederabstieg war die Folge. Anschließend verkündete er seinen Rücktritt als Würzburger Trainer.

„Mentalität schlägt Qualität“

Nun beginnt für Hollerbach ein neues Kapitel seiner Trainerlaufbahn. Es ist das mit Abstand größte Projekt seiner bisherigen Karriere. Er übernimmt einen chronisch kranken Patienten (den HSV), den viele Ärzte (Trainer) kurzfristig aufrichteten, aber keiner langfristig heilen konnte. Die Identifikation mit dem Verein ist zweifellos vorhanden. Acht Jahre lang (1996-2004) spielte Hollerbach als Linksverteidiger für die Hanseaten. Er machte sich aufgrund seiner ruppigen Spielweise als „Holleraxt“ einen Namen, wurde von den Fans jedoch aufgrund seines beispiellosen Kampfgeistes geliebt.

Diesen Kampfgeist soll er nun als Trainer den Hamburger Profis vermitteln, um den ersten Abstieg der Vereinsgeschichte zu verhindern. In Würzburg agierte Hollerbach unter dem Motto „Mentalität schlägt Qualität“ – eine Einstellung, die dem HSV in den nächsten Wochen dabei helfen soll, die Kurve zu kriegen, wie es Dennis Diekmeier nach der Niederlage gegen den 1. FC Köln (0:2) treffend formulierte. Am Samstag geht es zum Gastspiel nach Leipzig, wo im letzten Jahr mit einem spektakulären 3:0-Sieg die Wende im Abstiegskampf eingeläutet wurde. Ein ähnliches Erfolgserlebnis könnten die angeschlagenen Hanseaten jetzt nur allzu gut gebrauchen.