HSV brennt auf seine Mission direkter Wiederaufstieg

Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images

Euphorie statt Dauertrauer, Zweitliga-Lust statt Bundesliga-Frust: 83 Tage nach dem so bitteren Abstieg brennt der Hamburger SV auf seine Mission direkter Wiederaufstieg. Und auch die Fans sehnen sich förmlich nach dem Neuanfang im Unterhaus.

Über 7.000 neue Vereinsmitglieder registrierten sich beim HSV, mehr als 26.000 Dauerkarten wurden abgesetzt, die erste Zweitliga-Partie der Vereinsgeschichte gegen Holstein Kiel am Freitagabend (20.30 Uhr) ist mit 57.000 Zuschauern schon lange ausverkauft. „Das ist schon etwas paradox“, sagte der neue Sportchef Ralf Becker im SID-Interview und wertete die erstaunlich gute Stimmung rund um den ausgestorbenen Dino als Verpflichtung für die Zukunft: „Die Euphorie ist ein Vorschuss für uns: Jetzt müssen wir dieses Vertrauen auch rechtfertigen.“

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Natürlich ist der HSV nicht nur gegen Kiel der Favorit, sondern zusammen mit dem 1. FC Köln auch auf den Aufstieg. Becker stellt sich auf die Rolle des Gejagten ein und warnt davor, Klubs wie Sandhausen, Regensburg und Co. zu unterschätzen. „Wir sind darauf vorbereitet, dass uns keiner etwas schenkt“, sagte Becker, der maßgeblichen Anteil am Höhenflug der Kieler im Vorjahr hatte: „Wir werden immer alles abrufen müssen, um unsere Ergebnisse zu erzielen.“ Auch Trainer Christian Titz predigt seiner jungen Mannschaft Demut im Rennen um die Rückkehr auf die große Bühne. „Wir sind keine Mannschaft, die zum Abheben neigt“, sagte der Mann, der dem HSV die Hoffnung zurückgegeben hat. „Als wir hier vor einigen Monaten angefangen haben, herrschte gefühlt eine Untergangsstimmung. Das ist nun umgekehrt der Fall“, sagte Titz, der in der Bundesliga übernahm, als es schon zu spät war.

„Es wird nicht nur mit jungen Spielern gehen“

Und für diese Chance haben Titz, der gegen Kiel womöglich auf Kapitän Aaron Hunt (Wadenprobleme) verzichten muss, und Becker den HSV ordentlich umgekrempelt. 14 Spieler, darunter prominente Namen wie Walace, Bobby Wood, André Hahn oder Nicolai Müller, haben die Hanseaten verlassen. Nun sollen unter anderem der schottische Verteidiger David Bates, Mittelfeldmann Christoph Moritz, die beiden Offensiv-Allrounder Khaled Narey und Jairo Samperio sowie Sturmjuwel Manuel Wintzheimer und Rückkehrer Pierre-Michel Lasogga den Erfolg bringen. Zudem holte Titz zahlreiche Talente aus der eigenen Jugend zu den Profis, sodass der HSV mit einem Schnitt von derzeit 22,9 Jahren den mit Abstand jüngsten Kader der 2. Liga stellt. Allerdings hat nur Aufsteiger Magdeburg weniger Erfahrung im Unterhaus. „Durch den Abstieg sind wir vielleicht auch ein bisschen gezwungen, diesen Weg zu gehen – aber wir gehen ihn sehr, sehr gerne. Weil wir überzeugt sind von den Jungs, die wir haben“, sagte Becker. „Aber wir wissen auch, dass sie noch Zeit brauchen und wir nichts überstürzen dürfen. Es wird nicht nur mit jungen Spielern gehen, wir brauchen auch erfahrene Spieler.“ Sonst ist die Euphorie auch schnell wieder verflogen.

(sid)