HSV: Geforderte Impulse lösen weitere Konflikte aus

Die Verantwortlichen des Hamburger SV hatten sich im Vorfeld der Partie gegen Hertha BSC (1:2) vom neuen Trainer Christian Titz Impulse im Abstiegskampf erhofft. Seine personellen Änderungen sorgten auch tatsächlich für Impulse auf dem Spielfeld, für noch größere aber bei den Spielern, die nicht berücksichtigt wurden.

Die Wasserstandsmeldungen und internen Schuldzuweisungen beim HSV nehmen einfach nicht ab. Coach Titz ist erst seit vergangenem Montag im Amt und geriet bereits in die Schussbahn. Zwar zeigte seine Mannschaft in der ersten Hälfte gegen die Berliner eine ordentliche, couragierte Leistung, doch hatten die Norddeutschen dem steigenden Druck der Hertha im zweiten Durchgang wenig entgegenzusetzen. Innenverteidiger Kyriakos Papadopoulos, der von Titz nicht für die Startelf berücksichtigt worden war, zeigte sich nach der Partie erbost. „Ich habe keine Ahnung, warum ich nicht gespielt habe. Der Trainer hat nicht mit mir gesprochen. Ich werde das Gespräch auch nicht suchen“, meinte der Grieche.

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Titz konterte die Kritik des 26-Jährigen und unterstellte ihm damit indirekt eine Lüge. „Ich hatte in dieser Woche mit jedem Spieler einen intensiven Austausch“, behauptete der Hamburger Übungsleiter. Doch nicht nur Papadopoulos stand am Samstag überraschend nicht auf dem Platz. Die gestandenen Bundesliga-Profis Walace, Mergim Mavraj, André Hahn, Sven Schipplock und Dennis Diekmeier hatten es gar nicht erst in den Spieltagskader geschafft. „Die Mannschaft braucht diese Spieler“, stellte Papadopoulos entschieden klar. Statt den etablierten Kräften hatte Titz seine ehemaligen U21-Schützlinge Young-Jae Seo und Matti Steinmann, der sogar von Beginn an spielen durfte, nominiert.

Walace zur U21 – Papadopoulos steht vor dem Rauswurf

Auch Walace hatte deutlich gemacht, was er von den Maßnahmen des neuen Trainers hält. Der 22-Jährige verzichtete auf einen Besuch im Stadion, um seine Teamkameraden im Abstiegskampf zu unterstützen, und postete stattdessen private Fotos. Titz kritisierte das Verhalten scharf. Nun wurde der Olympiasieger bis auf Weiteres zur U21 abgeschoben. Auch Papadopoulos’ Äußerungen könnten ernsthafte Konsequenzen bis hin zu einem Rauswurf nach sich ziehen. Aktuell weilt der Ex-Schalker auf Länderspielreise bei der griechischen Nationalmannschaft. Titz hat seine erste Bundesliga-Partie verloren und bereits jetzt mehr Baustellen als ihm lieb sein kann.

Der Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft ist komplett gebrochen. Selbst Führungsspieler wie Papadopoulos bestechen derzeit nur mit der öffentlichen Schelte anderer als mit Leistung und Kampfgeist. Titz hat sich mit seinen Neuerungen dem Unmut einiger gestandener Profis ausgesetzt. Dabei besteht die einzige Chance, die die Hanseaten noch haben, im bedingungslosen Einsatz aller. Doch der sportliche Misserfolg scheint sich mittlerweile auch verheerend auf die Gemütslage der Profis auszuwirken. Jede Niederlage verursacht weitere verbale Aussetzer und Konflikte. Kaum einer zweifelt angesichts der sportlichen wie emotionalen Hamburger Situation nun noch am Abstieg des letzten Bundesliga-„Dinos“.