Joelintons zweiter Anlauf im Kraichgau

Foto: Alexander Scheuber/Bongarts/Getty Images

Als Top-Talent verpflichtet, gelang es Joelinton vor drei Jahren nicht, bei der TSG 1899 Hoffenheim Fuß zu fassen. Jetzt ist der Brasilianer wieder da und während seiner Leihe in Österreich sichtlich gereift. Sein zweiter Versuch im Kraichgau könnte sich zur Erfolgsgeschichte entwickeln.

Im Jahr 2015 wagte Joelinton den Schritt aus seiner Heimat in die Bundesliga – damals war das Sturmtalent noch 18 Jahre jung. Der Durchbruch gelang ihm nicht, nur eine einzige Bundesliga-Minute in der Partie gegen Schalke 04 verbuchte er in seiner Premierensaison. Für den harten Bundesliga-Alltag schien er noch nicht gewappnet, hinzu kam die Sprachbarriere. „Er war erst 18 und hatte größere Probleme mit der deutschen Sprache“, verriet Sportdirektor Alexander Rosen laut Kicker und ergänzte: „Dazu kam, dass es damals in der Mannschaft sehr unrund lief und auch andere neue Spieler wie Uth oder Kadeřábek Probleme hatten.“ Die TSG-Verantwortlichen entschieden sich daher dazu, Joelinton für zwei Jahre an den österreichischen Spitzenklub Rapid Wien zu verleihen. In der Hauptstadt reifte der Stoßstürmer fußballerisch wie körperlich und wirkt nun bereit für die Bundesliga.

- Anzeige -

„Die zwei Jahre in Österreich haben mir geholfen, ich habe gekickt, viele Erfahrungen gesammelt und eine gute Rolle gespielt. Das hat mich weitergebracht“, meinte der 21-Jährige. Mit seiner Präsenz ist der kantige Angreifer prädestiniert für die Rolle als zentrale Spitze, Rosen spricht von dem 1,86 Meter großen Paket ehrfürchtig als „furchtbare Kante“. Für Trainer Julian Nagelsmann ist klar, dass Joelinton bleibt. „Joelinton überrascht mich total, er macht eine exzellente Vorbereitung und wird auch garantiert bei uns bleiben“, erklärte der TSG-Cheftrainer. „Er ist ein sehr guter Spieler geworden, er hatte schon immer viel Talent, hat sich aber sehr gut entwickelt in seiner Zeit in Österreich. Er wird sicher das eine oder andere Bundesligator schießen.“

Einer der Gewinner der Vorbereitung

Erhöht werden seine Chancen auf Einsatzzeit durch den Aderlass, den der Hoffenheimer Angriff verkraften muss. Mark Uth (FC Schalke 04) und Serge Gnabry (FC Bayern) verließen den Verein. Andrej Kramarić kommt nach der WM mit deutlicher Verspätung aus dem Urlaub zurück und steht darüber hinaus auch bei einigen Top-Klubs auf dem Zettel. Umso wichtiger ist es für die Kraichgauer, mit Joelinton eine kostengünstige Alternative in der Hinterhand zu haben, der der Sprung zum etablierten Bundesliga-Profi zuzutrauen ist. „Da muss man nicht mehr viel Fantasie haben, um zu sehen, dass es da der nächste Spieler schaffen kann. Einer, der auch noch gut kicken kann – und dem die Leihe richtig gutgetan hat“, meinte Rosen.

Die Vorbereitung untermauerte die Einschätzung des Sportdirektors bisher. In den Testspielen wie im Training überzeugte Joelinton. Sowohl beim 8:2-Kantersieg gegen den SC Heerenveen als auch bei der 5:0-Gala gegen Chievo Verona trug sich der Brasilianer in die Torschützenliste ein und gefiel zudem als spiel- und kampfstarke Spitze. Womöglich ist Joelinton sogar ein Kandidat für die Startelf am ersten Spieltag. Denn während der gesetzte Kramarić noch Trainingsrückstand aufholen muss, zeigt Neuzugang Ishak Belfodil noch Anpassungsschwierigkeiten. Um einen Platz in der Doppelspitze bewerben sich zudem Ádám Szalai und Eigengewächs David Otto, der gemeinsam mit Joelinton in der Vorbereitung am auffälligsten agierte. Klar ist jedenfalls, dass sich die Vorzeichen seit 2015 für den brasilianischen Sturmtank deutlich verbessert haben.