Lewandowski, James und der spannende Vierkampf

Polen, Kolumbien, Senegal, Japan – kein klarer Favorit, kein klarer Außenseiter. Große Ziele haben die Bayern-Profis Robert Lewandowski und James Rodríguez mit ihren Nationalteams. Die Gruppe H der WM in der Vorschau.

Die letzte Achtelfinal-Teilnahme von Polen bei einer WM liegt schon 32 Jahre zurück. Seither nahm der Achtplatzierte der Weltrangliste nur noch an zwei Weltmeisterschaften (2002 und 2006) teil und schied jeweils in der Gruppenphase aus. In diesem Jahr soll alles besser werden, die Hoffnung auf ein erfolgreiches Turnier sind groß. Trainer Adam Nawałka formte die Mannschaft seit seiner Amtsübernahme 2013 zu einer starken Einheit, die bei der EM 2016 bis ins Viertelfinale vorpreschte und erst im Elfmeterschießen gegen den späteren Europameister Portugal ausschied. Allen voran Lewandowski steht für die neue Qualität der Polen, der Bundesliga-Torschützenkönig verkörpert absolute Weltklasse und stellte mit 16 Treffern in der WM-Qualifikation eine neue UEFA-Bestmarke auf. Hinter dem Bayern-Angreifer sind unter anderem die Bundesliga-Routiniers Jakub Błaszczykowski und Łukasz Piszczek sowie der talentierte Piotr Zieliński (SSC Neapel) die Hoffnungsträger.

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Für den Senegal dient die bislang einzige WM-Teilnahme als Vorbild: 2002 debütierten die „Löwen von Teranga“ bei einer Weltmeisterschaft und scheiterten erst im Viertelfinale an der Türkei (0:1 nach Golden Goal). Damals als Spieler mit dabei war Aliou Cissé, der seit 2015 Chefcoach der senegalesischen Nationalelf ist und in Russland erneut erfolgreich abschneiden will. Die individuelle Qualität seines Teams macht Hoffnung, dass das Weiterkommen gelingt. In der Abwehr ist Hannovers Salif Sané, der zum FC Schalke 04 wechselt, der Fels in der Brandung. In der Offensive stehen neben Schlüsselspieler Sadio Mané vom FC Liverpool mit Mame Diouf (Stoke City), M’Baye Niang (FC Turin) und Keita Baldé (AS Monaco) weitere Einzelkönner mit internationaler Erfahrung zur Verfügung.

Was die großen Namen angeht, kann sich kaum ein Team der Gruppe mit Kolumbien messen. Bayerns James, Radamel Falcao (AS Monaco) und Juan Cuadrado (Juventus Turin) bilden ein klangvolles Offensiv-Trio. Mit David Ospina (FC Arsenal) verfügen die Südamerikaner außerdem über einen Torwart der Extraklasse. Zudem hat die Mannschaft von José Pékerman den historischen Viertelfinal-Einzug bei der WM 2014 in der Visitenkarte stehen. Sorgenfrei sind die „Cafeteros“ allerdings nicht. Mängel im mannschaftstaktischen Defensivverhalten und im Spielaufbau zogen sich durch die Qualifikation. Bei aller individueller Klasse zeigt Kolumbien gerade in der Rückwärtsbewegung Schwächen. Die Hoffnungen, dass diese durch ansehnlichen Angriffsfußball kaschiert werden, ruhen vor allem auf Kreativkopf James.

Wenn in dieser ausgeglichenen Gruppe überhaupt ein Außenseiter genannt werden kann, dann ist es am ehesten Japan. Die „Samurai Blue“ haben ein turbulentes Frühjahr hinter sich. Nach schwachen Auftritten gegen Südkorea (1:4) im Dezember sowie gegen die nicht an der WM teilnehmenden Mali (1:1) und Ukraine (1:2) im März wurde Trainer Vahid Halilhodžić entlassen, der Japaner Akira Nishino übernahm. Unter dem neuen Coach setzte es allerdings in den vergangenen zwei Wochen zwei weitere Niederlagen gegen Ghana (0:2) und die Schweiz (0:2). Ein großes Problem ist die harmlose Offensive, obwohl mit Shinji Kagawa (Borussia Dortmund), Keisuke Honda (CF Pachuca) und Shinji Okazaki (Leicester City) eigentlich großes Potenzial da ist. Besonders auf Kagawa, der Dreh- und Angelpunkt des japanischen Spiels, ruhen große Hoffnungen.

Für WM-Tippspieler ist die Gruppe H eine große Herausforderung. Allen vier Teams ist das Weiterkommen zuzutrauen, die größte Überraschung wäre sicherlich Japan. Vor allem Polen, Kolumbien und der Senegal besitzen genügend Qualität und Erfahrung für das Achtelfinale, ein Favorit ist kaum auszumachen.