Liverpool ist Englands Transfermeister

Foto: Jason Miller/Getty Images

Das Transferfenster in der englischen Premier League ist geschlossen, die neue Saison startet am Freitagabend (21 Uhr) mit der Partie Manchester United gegen Leicester City. Insgesamt gaben die Vereine über 1,4 Milliarden Euro für neue Spieler aus.

Meister Manchester City hielt sich in diesem Sommer auf dem Transfermarkt weitestgehend zurück. Rund 71,2 Millionen Euro gaben die „Sky Blues“ aus; 67,8 Millionen davon alleine für Riyad Mahrez. Der Rechtsaußen kommt von Leicester zum amtierenden Meister. Bis auf Keeper Joe Hart, der bei City längst keine Rolle mehr spielte, gibt es auf der Einnahmenseite kaum prominente Namen. Der bekannteste Abgang neben dem Torhüter ist Mittelfeldspieler Yaya Touré, der sich noch keinem neuen Verein angeschlossen hat. In der Vorbereitung machte City einen starken Eindruck; besonders Bernardo Silva machte auf sich aufmerksam. Auch im kommenden Jahr gibt es für die „Sky Blues“ in der Liga nur ein Ziel: den Titel. Der große Fokus wird aber auf der Champions League liegen, die City endlich gewinnen will.

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Auch Erzrivale United hielt sich vergleichsweise zurück – wenn auch gegen den Willen von Trainer José Mourinho, der sich mehrfach lautstark für Neuzugänge aussprach. Besonders in der Innenverteidigung wollte der Portugiese nachlegen, doch weder bei Jérôme Boateng vom FC Bayern noch bei Leicesters Harry Maguire stießen die „Red Devils“ mit ihren Avancen auf fruchtbaren Boden. Nun geht United mit nur einem hochkarätigen Neuzugang in die Saison. Der Brasilianer Fred kam für 59 Millionen Euro aus Donetsk und soll die Offensive des Rekordmeisters beleben und für mehr Kreativität sorgen. Denn nach fünf Jahren ohne Meistertitel wollen die „Red Devils“ nach dieser Spielzeit endlich wieder ganz oben stehen. In die Königsklasse startet die Mourinho-Elf eher als Außenseiter.

Tottenham ohne Ausgaben

Beim letztjährigen Dritten Tottenham Hotspur gibt es eine große Besonderheit. Als erster Premier League-Klub seit 2003 haben die Londoner in diesem Sommer nicht einen einzigen Spieler verpflichtet. Dafür konnten die „Spurs“ ihre Topstars halten – zumindest bislang, denn Spieler abgeben dürfen auch englische Vereine noch bis Ende des Monats. Dass Harry Kane, Dele Alli oder Christian Eriksen noch wechseln, ist allerdings unwahrscheinlich. Alle Leistungsträger scheinen sich bei den „Spurs“ sehr wohl zu fühlen, verlängern regelmäßig ihre Verträge und sorgen dafür, dass die Klub-Besitzer ihren Sommerurlaub entspannt genießen können. Mit ihrem überragenden Angriffsfußball wollen die Londoner in dieser Saison endlich den Meistertitel attackieren.

Der FC Liverpool ist der Ausgabenprimus des Sommers. 182 Millionen Euro investierten die „Reds“ in neue Spieler; verpflichteten unter anderem Keeper Alisson Becker (AS Rom), Naby Keïta (RB Leipzig) und Fabinho (AS Monaco). Mit einem Transferminus von über 168 Millionen Euro hat sich Liverpool in diesem Jahr unfreiwillig unter Druck gesetzt. Trainer Jürgen Klopp ist praktisch dazu gezwungen, die Saison erfolgreich zu gestalten. Die Einkaufstour war eine Ansage an alle Konkurrenten, der der Champions League-Finalist von 2018 nun Taten folgen lassen muss. In der Königsklasse selbst ist Liverpool nach der abgelaufenen Spielzeit automatisch in den Favoritenkreis geraten.

Arsenals besonderer Neuzugang sitzt auf der Trainerbank

Beim FC Chelsea gab es lange Zeit nicht allzu viel Bewegung, mit Jorginho, der Trainer Maurizio Sarri für 57 Millionen Euro aus Neapel zu den „Blues“ folgte, gab es kaum Neuzugänge. Kurz vor Transferschluss wurde es dann aber ernst: Keeper Thibaut Courtois forcierte seinen Wechsel zu Real Madrid, die Londoner mussten handeln. So wurde Schlussmann Kepa für die Rekordablöse von 80 Millionen Euro aus Bilbao verpflichtet. Zudem wird Mateo Kovačić ein Jahr bei den „Blues“ verbringen. Zuletzt spielte Chelsea in der Liga keine allzu große Rolle. So trägt Sarri einige Last auf seinen Schultern, denn vom Italiener wird erwartet, dass er die „Blues“ wieder an die Spitze der Premier League führt.

Der FC Arsenal bediente sich derweil gleich doppelt in der Bundesliga. Zum einen wurde Torwart Bernd Leno für 25 Millionen Euro von Bayer 04 Leverkusen verpflichtet, zum anderen holten die „Gunners“ Innenverteidiger Sokratis aus Dortmund (16 Millionen). Zudem kam Lucas Torreira aus Sampdoria; er kostete 30 Millionen Euro und wird das defensive Mittelfeld verstärken. Besonders wurde es bei den Londonern dafür auf der Trainerbank. Arsène Wenger verließ den Klub nach 22 Jahren. Unai Emery (zuvor Paris St. Germain) wird die Geschicke bei den Londonern nun übernehmen. Seit 2004 durfte Arsenal keinen Meistertitel mehr feiern. Unter Emery sollen nun wieder erfolgreichere Zeiten anbrechen.

Fulham knackt Rekordmarke

Eine Besonderheit gab es im englischen Transfersommer auch in den unteren Tabellenregionen. Der FC Fulham ist der erste Aufsteiger der Premier League-Geschichte, der im folgenden Transferfenster über 100 Millionen Euro für neue Spieler ausgegeben hat. Unter anderem kamen Jean Seri (30 Millionen Euro/Nizza), André Zambo Anguissa (30 Millionen/Marseille) und Aleksandar Mitrović (20,2 Millionen/Newcaslte). Hinzu kommt die Leihe von André Schürrle (Borussia Dortmund), der bei einem festen Transfer deutlich teurer gewesen wäre. So kann es für den Aufsteiger nur ein Ziel geben; die Klasse muss unbedingt gehalten werden. Die Chancen darauf stehen angesichts der Neuzugänge gut.

Einen Angriff nach oben möchte in dieser Saison auch der FC Everton wagen. Das unterstrichen die Liverpooler vor allem am Deadline Day. Königstransfer Bernard (ablösefrei/Shakhtar Donetsk) überstrahlte dabei die Verpflichtungen von Yerry Mina (30,25 Millionen Euro/FC Barcelona) und André Gomes (Leihe/FC Barcelona). Schon im Vorfeld wurden Flügelstürmer Richarlison (39,2 Millionen/FC Watford) und Lucas Digne (20,2 Millionen/FC Barcelona) unter Vertrag genommen. Den Kader ergänzen die Leihrückkehrer Sandro Ramírez (FC Sevilla) und Ademola Lookman (RB Leipzig). Um den englischen Flügelstürmer hatte sich RB Leipzig bis zuletzt vergebens bemüht.