Lopetegui sorgt für Chaos in Spanien

Julen Lopetegui wird zur kommenden Saison der neue Trainer von Real Madrid und tritt die Nachfolge von Zinédine Zidane an. Zuvor wollte er die spanische Nationalmannschaft in Russland eigentlich zum WM-Titel führen. Einen Tag vor dem Eröffnungsspiel wurde der 51-Jährige jedoch vom spanischen Verband entlassen.

Dies gab Verbandspräsident Luis Rubiales am Mittwoch bekannt. Der Frust über die Entscheidung Lopeteguis saß tief: Der gefeuerte Nationaltrainer soll Rubiales erst fünf Minuten vor der offiziellen Bekanntgabe seines Wechsel zu Real informiert haben. „Wir danken Julen für alles, was er getan hat, denn er ist einer der großen Menschen, die dafür verantwortlich sind, dass wir in Russland sind, aber wir müssen ihn entlassen“, sagte Rubiales am Mittwoch. Lopetegui hatte seinen Vertrag beim spanischen Verband erst im Mai bis 2020 verlängert. Darin war allerdings eine Ausstiegsklausel verankert, von der Real nun Gebrauch machte. Real zahlt dem Verband zwei Millionen Euro Ablöse. Der Fußballlehrer kann sich also schon vor der WM auf seinen neuen Arbeitsplatz beim amtierenden Champions League-Sieger aus der spanischen Hauptstadt konzentrieren.

- Anzeige -

Der Druck, der auf Reals neuem Übungsleiter lastet, wird gigantisch sein. Zidane, der seinen Abschied aus Madrid kurz nach dem Gewinn der Königsklasse gegen den FC Liverpool (3:1) bekanntgegeben hatte, hinterlässt ein riesiges Erbe: Der Franzose hatte die „Blancos“ zu drei Champions League-Triumphen in Folge geführt. Bis zum vergangenen Jahr war es keiner Mannschaft gelungen, den größten Titel des europäischen Vereinsfußballs auch nur zu verteidigen. Zidane und seine Mannschaft haben diesen einstigen Mythos ad absurdum geführt. Der dreifache Weltfußballer ging mit dem größtmöglichen Erfolg, den ein Trainer feiern könnte, und übergab diese Bürde an seinen Nachfolger.

Bereits das dritte Engagement in Madrid

Die spanische Nationalmannschaft war die erste Adresse auf allerhöchstem Niveau, bei der Lopetegui als Trainer anheuerte. Der gebürtige Baske hatte während seiner aktiven Karriere das Tor gehütet. Zwischen 1988 und 1991 stand er auch als Profi schon bei Real Madrid unter Vertrag, mehr als ein Pflichtspiel-Einsatz sprang allerdings nicht dabei heraus. Auch beim FC Barcelona konnte er sich drei Jahre später nicht durchsetzen. Obwohl er 1994 selbst ein Länderspiel für das Nationalteam absolvierte, war Lopeteguis Laufbahn als Aktiver von sportlichem Durchschnitt geprägt. Seine letzte Station als Profifußballer war Rayo Vallecano, wo er nach seinem Karriereende 2002 direkt als Co-Trainer einstieg.

Ein Jahr später wurde Lopetegui zum Cheftrainer, wiederum vier Monate darauf musste er sein Amt räumen. Ab 2006 arbeitete der Fußballlehrer zum zweiten Mal bei den „Königlichen“. Zunächst war er als Leiter der Scouting-Abteilung angestellt, später als Coach der zweiten Mannschaft, Real Madrid Castilla. Der Nachwuchsarbeit blieb er treu: Lopetegui betreute in der Folge die spanischen U19-, U20- und U21-Nationalmannschaften. Damals feierte er seine bislang größten Erfolge, mit der U19 und der U21 wurde er jeweils Europameister. Im Sommer 2014 übernahm Lopetegui den FC Porto, verpasste allerdings sowohl 2014/15 als auch 2015/16 hinter Titelträger Benfica Lissabon die portugiesische Meisterschaft.

Übungsleiter formte Spanien zum WM-Favoriten

Nach der enttäuschenden Europameisterschaft 2016 folgte Lopetegui als Coach der spanischen Auswahl auf Vicente del Bosque. Seitdem blieb das Team in 20 Spielen ungeschlagen, die WM-Qualifikation schloss die „Selección“ mit 27 von 30 möglichen Punkten als Gruppensieger vor Italien ab. Lopetegui formte die Mannschaft in den vergangenen Monaten zu einem der heißesten Titelanwärter für Russland, Mitfavorit Argentinien wurde im Testspiel Ende März von den kombinationsstarken Spaniern mit 6:1 überrollt. Nun wurde Lopetegui entlassen und kann sich voll und ganz der nicht weniger anspruchsvollen Aufgabe als Übungsleiter der erfolgsverwöhnten „Königlichen“ widmen.