Mehr Konkurrenzkampf: BVB holt Axel Witsel

Foto: Francisco Leong/AFP/Getty Images

Borussia Dortmund überwies in diesem Sommer schon über 50 Millionen Euro an andere Vereine und sicherte sich damit unter anderem die Dienste von Abdou Diallo (1. FSV Mainz 05), Thomas Delaney (SV Werder Bremen) und Marius Wolf (Eintracht Frankfurt). Weitere 20 Millionen kommen nun für Axel Witsel hinzu, der von Tianjin Quanjian zum BVB wechselt.

Bei Benfica Lissabon und Zenit St. Petersburg machte sich Witsel von 2011 bis 2017 einen Namen, ehe es für ihn im Winter 2017 nach China ging. Nach anderthalb Jahren im Reich der Mitte zieht es den Mittelfeldmann nun also wieder auf die europäische Bühne. Die Bundesliga ruft; hinzu kommt die Champions League. Kurzum: Der Wechsel zu Schwarz-Gelb macht Sinn. Witsel, der einen Vertrag bis 2022 unterschreibt, wird nach 19 Monaten in China, die finanziell sicher lohnenswert gewesen sind, sportlich aber auf einem überschaubaren Niveau abliefen, wieder im europäischen Spitzenfußball ankommen. Dass er in diesem gut aufgehoben ist, zeigte die WM in Russland, bei der Witsel im Trikot der belgischen Nationalmannschaft stets starke Leistungen zeigte. Der BVB warf in der Folge ein Auge auf den 29-Jährigen und finalisierte den Transfer nach wochenlangem Hin und Her an diesem Sonntag.

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„Nach der WM war es mein Ziel, aus China zurück nach Europa zu wechseln“, sagte Witsel. „Ich bin total happy und auch stolz, bald für den BVB spielen zu dürfen. Nach unserem ersten Gespräch musste ich nicht mehr lange überlegen, denn Borussia Dortmund ist für mich einer der besten Klubs auf dem Kontinent. Ganz ehrlich: Ich kann es gar nicht erwarten, vor 81.000 Menschen aufzulaufen.“ Am Montagnachmittag traf der 29-Jährige im BVB-Trainingslager in Bad Ragaz ein. Sportdirektor Michael Zorc betonte: „Wir sind seit vielen Monaten stark daran interessiert gewesen, Axel Witsel zu verpflichten und sehr froh, dass er sich für Borussia Dortmund entschieden hat. Axel ist ein Spieler mit großer internationaler Erfahrung, der alle Fähigkeiten mitbringt, um das zentrale BVB-Mittelfeld zu prägen: taktisches Verständnis, Zweikampfstärke, Tempo, Kreativität und Mentalität.“

Witsels Verpflichtung gepaart mit dem Wechsel Thomas Delaneys zum BVB bedeutet auch, dass Nuri Şahin und Sebastian Rode keine Perspektive mehr bei der Borussia haben. Ersterer verbrachte nach guten Jahren in Dortmund ab 2011 viel Zeit im Ausland, lief für Real Madrid und den FC Liverpool auf. Langfristig durchsetzen konnte er sich dort aber nicht. Selbiges passierte dann nach der Rückkehr zum BVB im Winter 2013. Schon länger läuft Şahin seiner Bestform hinterher und ist selbst als Publikumsliebling bei den Fans längst nicht mehr unumstritten. Rode kam drei Jahre später vom FC Bayern München zu den Westfalen. Er schafft es nie, sich wirklich im Team zu etablieren und hat nun ebenfalls noch weniger Aussichten auf Spielzeit. Es ist sehr wahrscheinlich, dass beide den BVB in Kürze verlassen werden.

Weigl hätte Platz, wäre aber nicht unumstritten

Der Verlust der beiden Mittelfeldmänner würde dem BVB sportlich kaum wehtun. Zu gut sind die Neuzugänge, die ein deutliches Upgrade darstellen. Schmerzhaft könnte es allerdings werden, wenn auch Julian Weigl seine Position im Team in Gefahr sieht. Unter Ex-Trainer Thomas Tuchel war der 22-Jährige unumstrittener Stammspieler und galt als die große Mittelfeldhoffnung im deutschen Fußball. Unter Peter Stöger funktionierte Weigl dann nicht mehr. Anders könnte es bei Lucien Favre sein. Der neue Coach des BVB pflegt ein System, in das Weigl hervorragend passen würde. Dennoch sind seine Konkurrenten stark und kosteten Schwarz-Gelb eine beachtliche Summe. Mit Mario Götze steht zudem jemand bereit, der einen Part auf der „Acht“ übernehmen kann. Blieben eine weitere „Acht“ und die „Sechs“.

Automatisch gesetzt ist Weigl also keinesfalls. Und sein ehemaliger Förderer Tuchel steht nun bei Paris St. Germain an der Seitenlinie. Einem Klub, der finanziell zwar schon auf das Radar der Financial-Fair-Play-Fahnder geraten ist, sich bislang aber immer aus allen Angelegenheiten herauswinden konnte. Tuchel gab sich bezüglich Weigl zuletzt sehr zurückhaltend, unterstrich aber auch, wie viel er vom 22-Jährigen hält. Sollten der Ex-Trainer und sein neuer Klub ernst machen, wäre die Verlockung für Weigl sicher groß. Schließlich ist PSG ein Titelanwärter in der Champions League und kreist auch finanziell in anderen Sphären als der BVB. So könnte die Verpflichtung Witsels bei vielen positiven Aspekten im Endeffekt auch einen negativen Effekt mit sich bringen.