Nagelsmanns Medienschelte: „Tendenziöse Meinungsmache“

Spekulationen über ein beschädigtes Verhältnis zwischen Mannschaft und Trainer sorgten bei der TSG 1899 Hoffenheim für Wirbel. Julian Nagelsmann übt scharfe Kritik an der Berichterstattung, die Spieler stellen sich demonstrativ hinter ihren Coach.

Sportlich läuft es aktuell nicht richtig rund bei der TSG, medialen Gegenwind gibt es vor allem für den Hoffenheimer Übungsleiter. Vor dem 1:1-Remis bei Hertha BSC am Samstag wurden Berichte öffentlich, wonach sich einige TSG-Profis von Nagelsmann abgewendet hätten. Für den 30-jährigen Fußballlehrer ein Anlass, zum Rundumschlag auszuholen. „Es wird über jeden extrem geurteilt, auch über mich. Was letztes Jahr viel zu viel in die positive Richtung ging und zu wenig auf die Mannschaft, geht jetzt extrem in die negative Richtung“, klagte Nagelsmann gegenüber dem Kicker und wetterte: „Statt sportlicher Analyse geht es dann in der Berichterstattung über in eine persönliche, menschliche Beurteilung. Da wird teilweise schon eine tendenziöse Meinungsmache betrieben, die Menschen kaputt machen kann.“

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Es werde grundsätzlich „fast nur Negatives berichtet, ohne sich Gedanken zu machen, was das auslösen kann – von Neid und Missgunst über Angst bis zum Hass“, kritisierte Nagelsmann, der sich in den vergangenen Monaten ständigen Spekulationen um seinen vorzeitigen Abschied im Sommer ausgesetzt sah – trotz mehrfacher Stellungnahme, dass er mindestens bis 2019 auf der Hoffenheimer Trainerbank bleiben werde.

Spieler üben Schulterschluss mit Nagelsmann

„Es ist für mich teilweise wirklich nicht nachvollziehbar, was in der Medienwelt passiert. Nicht nur im Sport, in allen Bereichen“, erklärte Nagelsmann, „wenn man liest, man habe kein Interesse an Menschen, oder Zitate, die so nicht gefallen sind und nicht stimmen.“ Gelebte Authentizität hänge „davon ab, wie dick das Fell ist, die Branche macht sich ja die Menschen selbst. Je mehr die Dinge medial ausgeschlachtet werden, desto mehr wird man am Ende des Tages Menschen haben, die nicht mehr authentisch sind, sondern irgendwelche Floskeln raushauen“, prophezeite er.

Demonstrative Rückendeckung bekam der TSG-Coach von seinen Spielern. Nach dem Auswärtsspiel in Berlin betonte Kapitän Kevin Vogt: „Ich muss klarstellen, dass da ein Bericht dabei war, in dem schlichtweg auch einfach Lügen zu Papier gebracht worden sind. Wir stehen hinter dem Trainer und der Trainer hinter uns.“ Dessen Stellvertreter Benjamin Hübner schlug in dieselbe Kerbe: „Da sind Sachen geschrieben worden, die einfach nicht wahr sind. So etwas ist immer schade und das können wir natürlich nicht unterstützen.“ Torwart Oliver Baumann sprach ebenso von einem völlig intakten Verhältnis mit Nagelsmann. „Zwischen Mannschaft und Trainerteam passt in unseren Augen nicht mal ein Blatt Papier. Da ist alles gut“, meinte der Keeper der Kraichgauer.