Passlack: „Die Ansprüche vom Trainer sind sehr hoch“

Felix Passlack wechselte im Sommer leihweise von Borussia Dortmund zur TSG 1899 Hoffenheim. Im Lattenkreuz-Interview spricht der 19-jährige Abwehrspieler unter anderem über seine ersten Monate in Sinsheim, Trainer Julian Nagelsmann und eine vorzeitige Rückkehr zum BVB.

In seiner bisherigen Karriere absolvierte Passlack 16 Bundesliga-Spiele für Borussia Dortmund (14) und die TSG 1899 Hoffenheim (2), erzielte dabei keinen eigenen Treffer und bereitete ein Tor seiner Mitspieler vor. Vertraglich ist der 19-Jährige noch bis zum 30. Juni 2021 an den BVB gebunden. Passlack ist auf der rechten Außenbahn beheimatet.

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Sie galten bereits mit 16 Jahren als absoluter Ausnahmespieler, haben die Fritz-Walter-Medaille in Gold gewonnen. Wie schafft man es, sich angesichts dieser Erwartungshaltung nicht zu sehr selbst unter Druck zu setzen?
Ich versuche mir persönlich wenig bis gar keinen Druck zu machen, sondern meine Leistung auf den Platz zu bringen und dem Team so gut es geht zu helfen.

Sie sind im Ruhrgebiet geboren und aufgewachsen. Wie groß war der Kulturschock, als Sie im Sommer ins beschauliche Sinsheim gekommen sind?
Eigentlich gar nicht so groß, weil meine Oma auch auf dem Land wohnt. Bei ihr war ich als kleines Kind sehr oft, sodass es keine große Umgewöhnung für mich gewesen ist. Ich fühle mich sehr wohl hier.

Zu Beginn Ihrer Karriere wurden Sie im Angriff eingesetzt. In Dortmund wurden Sie zum Defensivspieler umgeschult. Wer hat diesen Schritt wann eingeleitet und empfinden Sie ihn rückblickend als sinnvoll?
Den ersten Schritt dazu hat Hannes Wolf (Trainer des VfB Stuttgart; Anm. d. Red.) in meinem ersten Jahr bei der U17 des BVB eingeleitet. Er hat mich in der Fünferkette erstmals rechts eingesetzt. Bei den Profis hat das unter Thomas Tuchel eine Fortsetzung gefunden. Ich bin überzeugt, dass das der richtige Schritt für mich war und ist.

In Hoffenheim haben Sie trotz Dreifachbelastung seit ihrem Wechsel nur wenig Einsatzzeit bekommen. Können Sie festmachen, woran das liegt?
Es ist nicht ganz so einfach, sich in Hoffenheim als Neuzugang in die Stammformation zu spielen. Die Ansprüche vom Trainer sind sehr hoch, was auch sehr gut so ist. Diese Eingewöhnungszeit muss man sich auch geben, wobei ich mir schon langsam einen festen Kaderplatz erkämpfen möchte. Das geht vor allem über konsistent gute Trainingsleistungen.

Sie konkurrieren mit Pavel Kadeřábek auf der Rechtsverteidiger-Position. Was zeichnet ihn aus beziehungsweise was können Sie von ihm lernen? Macht diese starke Konkurrenz Sie selbst besser?
Natürlich, aber man lernt hier eigentlich von jedem Mitspieler. Als junger kann man sich von allen gestandenen Spielern etwas abgucken, um sich zu verbessern. Meine Eindrücke versuche ich dann bestmöglich in die Tat umzusetzen.

Kein anderer Klub verhalf so vielen Spielern in der Hinrunde zu ihrem Profi-Debüt wie die TSG. Ist der Verein also die perfekte Umgebung für junge Spieler?
Auf jeden Fall. In Hoffenheim kann man sich als junger Spieler hervorragend entwickeln, in Ruhe arbeiten und zeigen, was man kann.

Vorzeitige Rückkehr? „Damit habe ich mich nicht beschäftigt“ – Foto: Simon Hofmann/Bongarts/Getty Images

Die Teams im oberen Tabellendrittel sind bis auf den FC Bayern so eng beisammen wie lange nicht mehr. Was ist für Hoffenheim in dieser Saison drin?
Nach der erfolgreichen vergangenen Saison können wir uns schwer mit einem siebten Platz zufriedengeben. Natürlich wollen alle wieder so schnell wie möglich nach Europa. Darauf arbeiten wir hin.

Ist eine vorzeitige Rückkehr nach Dortmund ein Thema, wenn Sie in der Rückrunde nicht häufiger auf dem Platz stehen?
Das ist für mich aktuell kein Thema, ich möchte mich hier durchsetzen. Ich habe einen laufenden Vertrag bis 2019 in Hoffenheim, den ich erfüllen möchte.

Beim BVB wurde in der Hinrunde oft über die Außenverteidiger diskutiert. Die Entscheidung, Sie nach Hoffenheim zu verleihen, wirkt rückblickend etwas unglücklich. Haben Sie manchmal darüber nachgedacht, was passiert wäre, wenn Sie geblieben wären?
Nein, damit habe ich mich nicht beschäftigt.

Julian Nagelsmann ist einer der begehrtesten Trainer der Bundesliga. Er wird unter anderem mit dem FC Bayern und Borussia Dortmund in Verbindung gebracht. Was zeichnet ihn aus?
Er hat eine klare Philosophie und viele verschiedene Formationen, Systeme und Pläne im Kopf, wie er ein Spiel angeht. Er ist sehr kommunikativ und sein Training ist überragend, das hilft vor allem uns jungen Spielern.

Über seine Zukunft wird seit Monaten öffentlich spekuliert. Wie sehr beschäftigt das die Mannschaft?
Überhaupt nicht.

Besonders durchgestartet ist bisher Dennis Geiger. Sein Vertrag wurde am Mittwoch sogar bis 2022 verlängert. Was trauen Sie ihm noch zu?
Sehr viel. Ich freue mich, dass er seinen Vertrag langfristig verlängert hat und sich hier in Ruhe weiterentwickeln kann.

Haben Sie Ambitionen, in näherer Zukunft einen Anruf von Joachim Löw zu erhalten? Immerhin haben Sie alle Junioren-Auswahl von der U16 bis U21 durchlaufen.
Das ist aktuell kein Thema. Ich bin 19 Jahre alt und will mich erst einmal zum Stammspieler in der Bundesliga entwickeln. Entsprechend mache ich mir keine Gedanken und stelle auch keine Ansprüche.