Rangnick schließt 40-Millionen-Transfers aus

Seit mehr als fünf Jahren ist Ralf Rangnick bereits Sportdirektor von RB Leipzig. Die aktuelle Saison, erst die zweite in der Bundesliga für RB, hält für den Verein einige Schwierigkeiten bereit. Der Funktionär äußerte sich zum bisherigen Verlauf, seiner Kritik an der Scouting-Abteilung und zu den finanziellen Verhältnissen im Fußball.

Im Gespräch mit dem Kicker zeigte sich Rangnick unter dem Strich zufrieden mit der laufenden Spielzeit, auch wenn etwas die Konstanz fehle. „Eine solche Phase wie derzeit ist generell nicht ungewöhnlich. Sie fühlt sich nur für uns ungewöhnlich an, weil wir sie in Leipzig noch nicht so oft hatten. Die entscheidende Frage ist, wie man mit so etwas umgeht“, merkte er jedoch an. Rangnick wies darauf hin, dass mit Emil Forsberg, Marcel Sabitzer und Marcel Halstenberg „verletzungsbedingt wichtige Spieler über längere Zeiträume“ fehlten und noch fehlen. Die jüngsten Erfolgserlebnisse nach fünf sieglosen Spielen gegen Ende der Hinrunde, besonders der „dreckige Sieg“ gegen Borussia Mönchengladbach vor neun Tagen (1:0), haben der Mannschaft geholfen, wieder in die Spur zu finden.

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Kevin Kampl kam im Sommer für 20 Millionen Euro aus Leverkusen und ist damit Leipzigs Rekordzugang. Rangnick schloss aus, dass der Klub in Zukunft einen Spieler für 40 Millionen verpflichtet. „Das macht keinen Sinn, denn dahinter steht auch noch mal ein Spielergehalt, das mit solch einer Ablöse korreliert. Und dann kommt wieder unser Gefüge ins Spiel, welches wir nicht in die Luft jagen werden“, erklärte er. Die Gehaltsobergrenze für die Profis liegt bei viereinhalb Millionen Euro. Auch wenn Rangnick nicht ausschloss, diese zukünftig etwas anzuheben, seien Transfers im hohen zweistelligen Millionenbereich „nicht sinnvoll“. Wenn dies dazu führen würde, dass Spieler „zu diesen Konditionen nicht verlängern, dann werden wir das akzeptieren“, kündigte er an.

„Werden Topspieler nicht halten können“

Deutliche Kritik übte der Sportdirektor an der finanziellen Situation im Profifußball der letzten Jahre, besonders in England. Durch die enormen Erlöse aus den TV-Verträgen habe die Premier League einen Vorteil gegenüber der Bundesliga, sagte Rangnick: „Der einzige Verein, der mit der Premier League halbwegs mithalten kann, ist der FC Bayern. Borussia Dortmund, das das zweitmeiste Geld zur Verfügung hat, verliert momentan die meisten Topspieler und ist in Deutschland der größte Leidtragende der Entwicklung. Das sagt schon einiges aus.“ Er sehe jedoch keine Möglichkeit, diese Entwicklung aufzuhalten. Daraus folge allerdings, dass „die Schere immer weiter auseinandergehen wird, und wir werden, außer vielleicht die Bayern, weiter die Topspieler nicht halten können“, legte Rangnick dar.

Ein Markenzeichen der „Roten Bullen“ ist, durch gründliches Scouting internationale Talente früh zu entdecken und zu fördern. Nachdem im Winter jedoch dringend nötige Verstärkungen des Kaders nicht realisiert werden konnten, teilte Rangnick gegen die Verantwortlichen in diesem Bereich ordentlich aus. An dieser Kritik hielt er fest. „Wir sind insgesamt im Nachwuchsbereich mit zu vielen Themen konfrontiert worden, die nichts mit Fußball zu tun haben. Da müssen wir uns auch selbstkritisch hinterfragen, und dann bin ich schnell bei den Themen Identifikation, Mentalität, Einstellung, Hingabe und Fleiß“, begründete der 59-Jährige. Rangnick fuhr fort, es sei nötig, „andere Kriterien anzulegen an die Spieler, die wir verpflichten“. Seine Bemerkungen seien nicht in Richtung des Trainers Ralph Hasenhüttl gemeint gewesen, sondern selbstkritisch zu verstehen: „Wir müssen genauer hinschauen, wen wir holen.“