RB auf der Suche nach sich selbst

RB Leipzig ist ein Verein, der vor eineinhalb Jahren in die erste Bundesliga aufgestiegen ist und in der ersten Saison gleich mal Zweiter wurde. Auch jetzt, in der zweiten Erstliga-Saison, hat die Mannschaft die Hinrunde auf dem fünften Platz abgeschlossen und steht obendrein im Sechzehntelfinale der Europa League. Unter normalen Umständen wäre das eine fantastische Bilanz – doch RB ist kein normaler Klub.

Schon beim Aufstieg 2016 galten die Sachsen als Titelkandidat. Das Top-Duo der Bundesliga bestehend aus dem FC Bayern und Borussia Dortmund wurde um einen weiteren Verein erweitert. Wenn man diese neuen Maßstäbe nun betrachtet, können die „Roten Bullen“ mit ihrer Leistung bisher tatsächlich nicht zufrieden sein. Da verwundert es nicht, dass Sportdirektor Ralf Rangnick nach dem desaströsen 2:3 gegen Hertha BSC am letzten Spieltag eine „Rückkehr zur RB-DNA“ forderte. Eine Definition dieser genetischen Veranlagung lieferte er auch gleich mit: Aggressivität, Schnelligkeit und Hochdruck-Fußball würden diese ausmachen. All das ging dem Team zuletzt etwas ab – das Fehlen der beiden Offensiv-Leistungsträger Emil Forsberg und Marcel Sabitzer dürfte dabei seine Rolle gespielt haben.

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Und es gibt noch mehr Kritikpunkte: Die extreme Anfälligkeit bei Standardsituationen des Gegners zum Beispiel. Viel zu oft musste Torhüter Péter Gulácsi schon nach Freistößen oder Ecken hinter sich greifen. In Spielen wie gegen die Berliner ist sowas tödlich. Eine 80-minütige Überzahl konnte RB nicht in drei Punkte umwandeln, weil zwei Hereingaben nach ruhendem Ball schlampig verteidigt wurden. Zu allem Überfluss brach sich in dieser verseuchten Partie auch noch Marcel Halstenberg dreifach die Hand. Er ist zwar wieder im Training, es ist aber noch nicht klar, ob er zum Rückrundenstart wieder dabei ist.

Zurück zu den Wurzeln

Es gibt also viel zu tun für Trainer Ralph Hasenhüttl und seinen Stab. Mit dem FC Schalke 04 wartet am 13. Januar der Tabellenzweite auf die Leipziger. Ironischerweise wäre bei einem Sieg schon fast alles wieder gut, denn der Rückstand beträgt nur zwei Punkte. Aller Voraussicht nach wird zumindest Sabitzer wieder dabei sein. Hasenhüttls Zielsetzung ist klar: „Es wäre schön, wenn wir in der Bundesliga wieder ‚Best of the Rest‘ werden können.“ Im Klartext bedeutet das: Platz zwei hinter den Bayern. Dafür braucht es allerdings wieder mehr Leipziger Power-Fußball, mehr Aggressivität, mehr Euphorie und weniger Abwehr-Schläfrigkeit. Am 15. Februar steht zudem das Hinspiel beim SSC Neapel auf dem Plan. Gegen den vielleicht stärksten noch verbliebenen Verein im Wettbewerb müssen Timo Werner & Co. wieder zeigen, warum sie nach kaum zwei Jahren Erstliga-Zugehörigkeit schon zu den besten deutschen Mannschaften gezählt werden.