Rexhbecaj: „Wichtig ist, dass du immer wach bist“

Foto: Joachim Sielski/Bongarts/Getty Images

Elvis Rexhbecaj gehört zu den großen Nachwuchshoffnungen des VfL Wolfsburg. Im Lattenkreuz-Interview spricht der 20-Jährige unter anderem über die Saisonvorbereitung, die Stimmung in der Mannschaft und seine eigenen Stärken.

In seiner bisherigen Karriere absolvierte Rexhbecaj vier Bundesliga-Spiele für den VfL Wolfsburg. In 41 Regionalliga-Spielen gelangen ihm zehn Tore und vier Vorlagen. Vertraglich ist der Mittelfeldspieler noch bis zum 30. Juni 2020 gebunden.

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Herr Rexhbecaj, welchen Eindruck haben Sie von der bisherigen Saisonvorbereitung in der Heimat? Zuletzt schlugen Sie immerhin Ajax Amsterdam mit 3:0, dabei durften Sie die letzten 20 Minuten ran und haben sogar fast ein Tor erzielt.
Der bisherige Eindruck ist wirklich gut. Wir arbeiten jeden Tag hart an uns und haben hier in Wolfsburg alles, was wir brauchen. Die Infrastruktur ist top und wir sind nah bei unseren Familien, was natürlich auch ganz schön ist. Dennoch ist es bisher die wohl intensivste Vorbereitung meiner Karriere, aber da müssen wir als Mannschaft durch und wir wachsen gerade in dieser Zeit als Team weiter zusammen. Das Spiel gegen Ajax war ein guter Test vor der Saison. Dennoch wissen wir, woran wir noch arbeiten müssen.

Sie haben in der Rückrunde der vergangenen Saison am 20. Spieltag in Hannover Ihr Bundesliga-Debüt gefeiert. Wie fällt Ihr persönliches Fazit zu Ihren ersten Gehversuchen im Profifußball aus?
Ich denke, dass zur Qualität der Liga nicht viel gesagt werden muss. Die Bundesliga ist eine der besten Ligen der Welt. Zwar kann ich nach vier Bundesliga-Spielen noch nicht viel dazu sagen kann, aber ich habe gemerkt, dass alles schneller geht und du vor allem im Kopf schneller sein musst. Wichtig ist, dass du immer wach bist. Das versuche ich bestmöglich umzusetzen.

Die Konkurrenz im zentralen Mittelfeld ist mit Ignacio Camacho, Josuha Guilavogui, Riechedly Bazoer und Maximilian Arnold recht groß. Welche Einsatzchancen rechnen Sie sich für die kommende Saison aus?
Ich versuche einfach, jeden Tag, in jedem Training Vollgas zu geben, mich dem Trainer anzubieten und jeden Tag ein Stück besser zu werden. Bei Cama, Max und Josh kann ich mir sehr viel abgucken, sowohl wie sie sich auf dem Platz verhalten, als auch abseits des Platzes. Aber am Ende entscheidet der Trainer, ob ich spiele. Mal sehen, was in dieser Saison dabei rausspringt.

In den vergangenen Jahren gab es beim VfL eine unheimliche Personalfluktuation. Beeinflusst das die Stimmung innerhalb der Mannschaft?
Nein, überhaupt nicht. Wir nehmen jeden neuen Spieler gut auf und haben schon den einen oder anderen Spaßvogel in der Mannschaft. Wir haben einfach einen guten Teamgeist. Als ich damals zu den Profis hochgekommen bin, kamen die Jungs direkt auf mich zu und haben mich blitzschnell integriert.

Neben Ihnen warten auch Gian-Luca Itter und Paul Jaeckel auf den endgültigen Durchbruch bei den Profis. Warum tut sich der VfL so schwer damit, eigene Talente einzubauen?
Das sehe ich ganz anders. Wir drei haben alle im Abstiegskampf unser Debüt gegeben. Der VfL will junge Spieler hochbringen, auch in Phasen, in denen es mal nicht so läuft. Das haben wir in der vergangenen Saison gesehen. Um sich langfristig durchzusetzen, muss man einfach dranbleiben, sich immer weiter verbessern und dann eine der sich bietenden Chancen wieder nutzen. Mit einem guten Spiel ist es da noch nicht getan.

VfL-Nachwuchsleiter Pablo Thiam sagte kürzlich in einem Interview, Sie seien nie der Talentierteste gewesen, hätten sich aber durch Ehrgeiz und Leidenschaft in den Profibereich gekämpft. Würden Sie ihm zustimmen?
Es freut mich, dass er meine Stärken so einschätzt. Egal, ob wir einem knappen Rückstand hinterherlaufen oder mit einem Tor führen, ich gebe immer alles. Ich haue mich in jeden Ball rein und will immer das Beste für die Mannschaft geben.

Spielen Sie mit dem Gedanken einer Ausleihe, eventuell auch in die 2. Bundesliga, um weitere Erfahrung zu sammeln?
Ich fokussiere mich voll auf den VfL Wolfsburg und bin sehr gerne hier.

Sie haben letzte Saison in der Regionalliga neun Tore erzielt, deutlich mehr als in den Jahren zuvor. Wo haben Sie plötzlich diese Torgefährlichkeit hergenommen?
Ich denke, dass mir das Training bei den Profis dahingehend schon sehr geholfen hat. Die Qualität ist höher und du wirst dadurch automatisch besser. Ich habe versucht, das, was ich bei den Profis gelernt habe, bei der U23 direkt umzusetzen. Und ja, dann habe ich halt einfach drauf gehalten. (lacht)

Elvis Rexhbecaj im Gespräch mit Lattenkreuz-Chefredakteur Christian Bellinger – Foto: VfL Wolfsburg

Sehen Sie Ihre Stärken grundsätzlich eher im Offensiv- als im Defensivbereich?
Ich glaube, dass ich ein flexibel einsetzbarer Spieler bin. Früher habe ich eher offensiv gespielt. Je höher es dann aber ging, umso defensiver wurde ich aufgestellt. Ich sehe meine Stärke nicht hier oder dort, sondern will, wenn ich zum Einsatz komme, das Bestmögliche auf den Platz bringen.

Sie spielen eine ähnliche Position wie Maximilian Arnold, der in Wolfsburg ausgebildet wurde und dem Verein seit Jahren die Treue hält. Ist er für Sie eine Art Vorbild?
Ja, definitiv. Wenn du einen Spieler in der Mannschaft hast, der auch aus der Jugend des VfL kommt und auf der gleichen Position spielt wie du, ist das sicher was Besonderes. Man versucht, sich Sachen abzugucken. Aber natürlich kann ich auch von den anderen Spielern jeden Tag etwas lernen.

Am 26. Spieltag spielten Sie in Hoffenheim (0:3) 90 Minuten lang auf der Position des Linksverteidigers. Könnten Sie sich diese Rolle auch in Zukunft vorstellen?
Meine Vorlieben sind klar im Zentrum definiert. Sollte ich mich als Linksverteidiger durchsetzen, habe ich da natürlich aber auch nichts dagegen. (lacht)

Ihr Verein hat eigentlich den Anspruch im oberen Tabellendrittel zu stehen, musste zuletzt aber zweimal in die Abstiegsrelegation. Wie weit nach oben kann es in dieser Saison gehen?
Zunächst einmal wollen wir auf jeden Fall eine bessere Saison spielen als zuletzt. Wir haben interne Ziele, die wir umsetzen wollen. Dafür arbeiten wir jetzt in der Vorbereitung besonders hart.