Seifert fordert Strukturreform beim DFB

Foto: Andreas Schlichter/Bongarts/Getty Images

DFL-Geschäftsführer Christian Seifert hat sich erstmals nach der Weltmeisterschaft in Russland zu den Vorgängen beim DFB geäußert. Die Führungsspitze verteidigte er gegen Kritik in der Affäre um Mesut Özil, vom Verband fordert er jedoch eine umfassende Strukturreform.

Seifert hat in seinem ersten Statement nach dem WM-Debakel der Nationalmannschaft und der Özil-Affäre eine organisatorische Neuausrichtung beim DFB gefordert. Es gebe Reformbedarf in Sachen Struktur und „vor allem mit Blick auf Transparenz und Professionalität“, sagte der Ligaboss am Mittwoch am Rande eines Medientermins bei der Deutschen Sporthilfe in Frankfurt. „Ich glaube, dass die Zeit überfällig ist, innerhalb des DFB eine Struktur zu diskutieren, die endlich klar trennt zwischen einem professionellen hauptamtlich bezahlten Management und einem Aufsichtsgremium bestehend aus Amateur- und Profifußballvertretern“, so der Chef des Ligaverbandes weiter.

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Die DFL habe dahingehend „immer mal wieder Vorschläge gemacht“, die „mal mehr, meistens weniger“ gehört worden seien. Stattdessen habe es „unklare Zuständigkeiten, Kompetenzgerangel und Eitelkeitsdiskussionen“ gegeben. Dazu sieht Seifert zumindest in Teilen ein Defizit, was die Professionalität angeht. An der Basis werde zwar zweifellos hervorragende Arbeit geleistet, doch die Frage müsse erlaubt sein, „ob jahrelange Verbandsarbeit an der Basis automatisch dazu befähigt“, den weltweit größten Sportfachverband aus einem Präsidium aktiv mitzugestalten.

Keine direkten Vorwürfe zum Umgang mit Özil

Personelle Konsequenzen aus den Fehlern im Umgang mit Özil hält Seifert trotzdem für unangebracht. „Ich sehe in diesem Vorfall keinen Grund für irgendeinen Rücktritt. Ich finde es völlig abwegig, handelnden Personen beim DFB Rassismus vorzuwerfen“, sagte der 49-Jährige. „Ich glaube nicht, dass man Defizite in Strukturen behebt, indem man Köpfe wechselt.“ Er habe allerdings den Eindruck, dass es „innerhalb des DFB Akteure gibt, die gerne einen Anlass dafür kreieren“ würden: „Das finde ich persönlich unanständig.“

Unterm Strich forderte Seifert neben dem Entwurf einer „zukunftsfähigen Struktur“ vom DFB zudem eine „sehr konsequente Aufarbeitung des Ausscheidens bei der WM“ sowie der zunehmenden Erfolglosigkeit der U-Nationalmannschaften. „Da kann und wird sich auch die Liga nicht aus der Verantwortung nehmen“, sagte der DFL-Geschäftsführer. Außerdem gelte es, aus den Vorgängen „vor, während und nach dem Fall mit Mesut Özil“ Lehren zu ziehen „für künftige Debatten um gesellschaftliche Themen“.

„Ausdruck des mentalen Zustands unserer Gesellschaft“

Direkte Vorwürfe im Umgang mit Özils vieldiskutiertem Foto mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan und der anschließenden Diskussion darum wollte Seifert dem Verband nicht machen. „Wenn man den Verlauf und die Hitzigkeit der Debatte sieht, bringt das eher den mentalen Zustand unserer Gesellschaft im Sommer 2018 zum Ausdruck“, sagte er. Zudem sei es angesichts der Tragweite der Integrationsdebatte „recht viel verlangt, dass man so ein aufgeladenes und komplexes Thema fehlerfrei behandelt“.

(sid)