Spieler-Portrait: Ademola Lookman, 20 Jahre

Mit Ademola Lookman hat RB Leipzig ein ungewöhnliches Talent an Land gezogen. Der 20-jährige Leihspieler aus Everton kam erst spät zu einem renommierten Verein, eroberte die Fußballwelt anschließend aber im Sturm. In Sachsen will er den nächsten Schritt machen.

Lookman wurde am 20. Oktober 1997 im Süden der britischen Hauptstadt London geboren. Seine Familie drängte ihn nicht zum Fußballsport, ganz im Gegenteil. „Meine Eltern sind aus Nigeria und in unserer Kultur wollen sie, dass du Buchhalter oder Anwalt wirst“, verriet er in einem Interview mit dem englischen Magazin FourFourTwo. Seine guten Noten in der Schule lassen vermuten, dass Lookman auch eine solche Karriere erfolgreich einschlagen hätte können. Seine Leidenschaft gehörte jedoch von frühester Kindheit an dem runden Leder: „Ich wollte immer nur Fußballer werden.“

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Im Alter von elf Jahren begann er beim Waterloo FC erstmals in einem Verein zu spielen. Von einer professionellen Nachwuchsförderung war er dort weit entfernt – das Team spielte lediglich in einer „Sonntagsliga“. Mit 16 Jahren fiel er mehr oder weniger durch Zufall den Scouts von Charlton Athletic auf. Bei einem Freundschaftsspiel trat er als Teil eines Londoner Auswahlteams gegen die U16 der „Addicks“ an und beeindruckte dermaßen, dass er zum Probetraining eingeladen wurde. Dort erzielte er in einem internen Testspiel vier Tore und wurde wenig überraschend anschließend unter Vertrag genommen.

Von der „Sonntagsliga“ in die Premier League

In der renommierten Jugendabteilung von Charlton entwickelte sich Lookman schnell zu einem Ausnahmetalent. Eine beeindruckende Torquote in der U18 und U21 brachte ihn binnen kurzer Zeit ins Blickfeld der Profis. Er brauchte kaum mehr als ein Jahr im Verein, um zu seinem Debüt für die erste Mannschaft zu kommen. Am 3. November 2015 feierte der damals 18-Jährige seinen Einstand in der zweiten englischen Liga. Knapp drei Wochen später stand er erstmals in der Startelf; Anfang Dezember erzielte er gegen den damaligen Tabellenführer Brighton & Hove Albion seinen ersten Treffer. Über den Verlauf der Saison kam Lookman zu 24 Einsätzen und erzielte fünf Tore, konnte den Abstieg jedoch nicht verhindern.

Trotz des Abstiegs und seiner starken persönlichen Auftritte hielt Lookman, zu diesem Zeitpunkt bereits englischer U19-Nationalspieler, seinem Jugendklub zunächst die Treue. Nachdem er seine Leistungen in der ersten Saisonhälfte 2016/17 bestätigen konnte (25 Spiele, sieben Tore), begann sich der FC Everton jedoch ernsthaft um eine Verpflichtung des Senkrechtstarters zu bemühen. Mit Erfolg: Am 5. Januar 2017 unterzeichnete er einen Viereinhalbjahresvertrag bei den „Toffees“. Als Ablösesumme sollen angeblich knapp neun Millionen Euro an Charlton geflossen sein.

Everton: Debüt bleibt der Höhepunkt

Im Goodison Park gelang ihm ein traumhafter Einstand. Beim Sieg über Manchester City wurde er kurz vor Schluss für Ross Barkley eingewechselt und erzielte in der Nachspielzeit prompt den 4:0-Endstand. Anschließend ging es für Lookman aber stetig bergab. Ab März bekam er kaum noch Spielanteile bei Trainer Ronald Koeman. Nach dessen Entlassung im Oktober gab ihm Interimscoach David Unsworth einige Gelegenheiten, sich zu zeigen, seine Leistungen reichten jedoch nicht aus, um sich für einen dauerhaften Platz bei Everton zu empfehlen.

Nachdem Sam Allardyce die „Toffees“ übernommen hatte, gingen seine Einsatzzeiten wieder zurück. Einzig in der Europa League bei Apollon Limassol (3:0) konnte er sich mit einem Doppelpack hervortun. Eine Leihe im Winter wurde angestrebt: Everton bevorzugte einen Wechsel zum englischen Zweitligisten Derby County, Lookman bestand jedoch darauf, in die Bundesliga zu RB Leipzig zu wechseln. Wenige Stunden vor Ende der Transferperiode wurde das Leihgeschäft festgezurrt.

Was folgt diesmal auf den Traumstart?

Bei RB stellte der Youngster sein Können wieder direkt bei seinem Debüt unter Beweis, als er die Leipziger in Gladbach (1:0) als Joker zum Sieg schoss. Seitdem kam er zu drei weiteren Einsätzen; gegen Köln (1:2) bereitete er den zwischenzeitlichen Führungstreffer durch Jean-Kévin Augustin vor. Lookman bringt die Qualitäten mit, die man von Leipziger Talenten gewohnt ist. Der 1,74 Meter große Engländer ist schnell, technisch versiert, dribbelstark und weiß, wo das Tor steht. Eine wirkliche Lieblingsposition hat er nicht: „Ich kann vorne überall spielen, vielleicht nicht als Stürmer, aber als linker Mittelfeldspieler, ‚Zehner‘ oder rechts“, sagte er einst dem Independent.

Über seine Position auf dem Feld entscheidet in erster Linie der Trainer. Doch womöglich steht für Lookman irgendwann eine wesentlich größere Entscheidung an. Sollte er für eine Nationalmannschaft nominiert werden, müsste er sich zwischen England und Nigeria, dem Heimatland seiner Eltern, entscheiden. Im Nachwuchsbereich spielte er bisher ausschließlich mit den „Three Lions“ auf der Brust. Mit der U20-Nationalmannschaft gewann er 2017 die U20-Weltmeisterschaft in Südkorea. Er steuerte damals drei Treffer zum Titelgewinn Englands bei. Laut dem Fußball-Portal Own Goal Nigeria kann sich der Youngster dennoch vorstellen, eines Tages für die nigerianische Nationalmannschaft zu spielen.