Spieler-Portrait: Daichi Kamada, 20 Jahre

Für Daichi Kamada beginnt in dieser Saison das Abenteuer Bundesliga. Der 20-jährige Japaner steht seit Anfang Juli bei Eintracht Frankfurt unter Vertrag und hofft auf den Durchbruch in Europa. In seinem Heimatland ließ der Mittelfeldspieler sein Talent aufblitzen, spielte allerdings bei einem relativ kleinen Verein.

Naohiro Takahara machte 2006 den Anfang, es folgten Jun’ichi Inamoto, Takashi Inui und Makoto Hasebe. Kamada ist jetzt bereits der fünfte Japaner, der bei Eintracht Frankfurt anheuert. Reiner Zufall ist das wohl nicht: Die SGE hat gute Erfahrungen mit Spielern aus dem „Land der aufgehenden Sonne“ gemacht und genießt dort mittlerweile einen guten Ruf. Dennoch betritt der Bundesligist mit der Verpflichtung von Kamada Neuland. Es ist das erste Mal, dass ein Spieler direkt aus der J-League geholt wurde. Die anderen vier Japaner hatten vor ihrem Wechsel schon mindestens eine Station in Europa hinter sich.

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Kamada kam am 5. August 1996 in der Präfektur Ehime auf der Insel Shikoku zur Welt. Wie in Japan nicht unüblich, begann er als Junge in seiner Schulmannschaft mit dem Fußballspielen. Dort erwies Kamada sich bereits als überaus talentiert und kam nach einiger Zeit im Nachwuchsprogramm des japanischen Spitzenklubs Gamba Osaka unter. Zur Oberstufe ging Kamada dann auf die Higashiyama High School in Kyōto und spielte erneut für die Mannschaft seiner Schule. Nach seinem Abschluss schloss er sich 2015 direkt dem japanischen Erstligisten Sagan Tosu an.

Gute Debütsaison folgt auf Paukenschlag bei erstem Ligaspiel

Bei dem Klub im Südwesten Japans legte Kamada einen beeindruckenden Blitzstart hin. Bei seinem Liga-Debüt gegen Matsumoto Yamaga (1:1) erzielte er nach seiner Einwechslung in der Schlussminute sensationell den Ausgleichstreffer für sein Team. Sechs Tage später kam er zu einem weiteren Kurzeinsatz – diesmal bereitete er in der Nachspielzeit den Siegtreffer von Yohei Toyoda vor. Mit diesen beeindruckenden Auftritten als „Joker“ konnte sich Kamada bei seinem italienischen Trainer Massimo Ficcadenti natürlich für mehr Einsatzzeit empfehlen. Er absolvierte bis Jahresende (die Saison in Japan richtet sich nach dem Kalenderjahr; Anm. d. Red.) 27 weitere Pflichtspiele und war an vier weiteren Toren beteiligt.

In der nächsten Saison stieg Kamada in Tosu endgültig zum Stammspieler auf und trug maßgeblich dazu bei, dass sein Team nach einem missglückten Saisonstart die Wende schaffte und letztendlich nicht in Abstiegsgefahr geriet. Besonders auftrumpfen konnte er beim Spiel gegen seinen Jugendverein Gamba Osaka (2:1), als er seine Mannschaft mit einem schnellen Doppelpack nach der Pause auf die Siegerstraße brachte. Insgesamt erzielte der Mittelfeldmann 2016 acht Tore in 34 Spielen und bereitete sechs Treffer seiner Mitspieler vor. Im März 2016 feierte er beim Turnier von Toulon sein Debüt in der japanischen U23-Nationalmannschaft und kam dort ingesamt zu vier Einsätzen. Im Trikot der „Samurai Blue“ konnte er jedoch nicht überzeugen und wurde folglich nicht für die Olympiamannschaft berücksichtigt.

Viel Talent und Technik, keine Erfahrung auf höchstem Niveau

Bei Sagan Tosu konnte er seine guten Leistungen im ersten Halbjahr 2017 bestätigen (18 Spiele, fünf Tore) und zog schließlich die Aufmerksamkeit von Eintracht Frankfurt auf sich. Ende Juni ging es dann ganz schnell: Acht Tage nachdem erstmals über das Frankfurter Interesse berichtet wurde, unterzeichnete Kamada bereits einen Vierjahresvertrag bei der SGE. Sportvorstand Fredi Bobic bescheinigte dem 20-Jährigen „großes Potenzial“ und versicherte, dass man ihn ausführlich gescoutet habe. Zwischen 1,5 und 2,5 Millionen Euro Ablöse haben sich die Hessen die Dienste des Talents angeblich kosten lassen.

Kamadas Stärken liegen vor allem im technischen und kreativen Bereich. Der 1,80 Meter große Rechtsfuß hat gerne den Ball am Fuß und scheut sich nicht, auch in hohem Tempo ins Eins-gegen-eins zu gehen. Auch sein Abschluss hat sich im Laufe seiner Profi-Karriere stark verbessert. In seiner Paraderolle als „Zehner“ steht er bei Eintracht Frankfurt in erster Linie in Konkurrenz zu Marco Fabián und Marc Stendera. Niko Kovač testete Kamada in der Vorbereitung allerdings auch als Außenstürmer sowie als leicht zurückgezogener zentraler Mittelfeldspieler. In Deutschland erwarten den jungen Japaner natürlich einige Herausforderungen. Insbesondere auf die hohe Athletik und das schnelle Spiel in der Bundesliga wird er sich einstellen müssen. Er besitzt ohne Zweifel viel Talent und eine ausgezeichnete Technik, einen „fertigen“ Bundesliga-Spieler sollten die Eintracht-Fans aber nicht erwarten.

Ruf als „Provinzfußballer“ soll abgelegt werden

Zumal Kamada – anders als etwa Yoshinori Mutō oder Shinji Kagawa – in Japan noch kein großer Star ist. Das liegt unter anderem daran, dass Sagan Tosu zu den Mittelfeldvereinen gehört und erst seit 2011 überhaupt erstklassig spielt. Außerdem liegt die gut 70.000 Einwohner zählende Stadt Tosu abseits der großen japanischen Metropolen. Der Umzug nach Frankfurt am Main wird für ihn also auch vom Lebensgefühl her eine große Umstellung. Bei der Eingewöhnung soll ihm natürlich Landsmann Hasebe helfen, der bereits seit 2008 in Deutschland spielt und sehr gut Deutsch spricht.

Auf dem Fußballplatz muss sich Kamada in den kommenden Monaten beweisen, um seinen „Kindheitstraum“ in Europa Fußball zu spielen, erfolgreich zu gestalten. Privat hat der 20-Jährige sein Glück dagegen schon gefunden. Laut dem japanischen Sportmagazin Fav. Sports hat er im Mai diesen Jahres seine Freundin Arisa geheiratet. Sie könnte ihm den Umzug in eine fremde Kultur selbstverständlich auch erleichtern.