Spieler-Portrait: Denis Zakaria, 20 Jahre

Borussia Mönchengladbach will nach einer enttäuschenden Saison zurück ins internationale Geschäft. Dabei helfen soll Neuzugang Denis Zakaria. Der 20-jährige Schweizer kam von den Young Boys Bern und vereint eine starke Physis mit technischer Finesse.

Zakaria kam am 20. November 1996 in Genf zur Welt. Seine Eltern stammen jedoch nicht aus der Schweiz, sondern aus Afrika. Seine Mutter ist Sudanesin, sein Vater stammt aus der Demokratischen Republik Kongo. Mit dem Fußballspielen begann Zakaria bereits als kleiner Junge auf einem geteerten Bolzplatz in der Genfer Altstadt, wie er der Schweizer Boulevardzeitung Blick kürzlich verriet. „Manchmal spielten wir acht gegen acht. Manchmal vier gegen vier. Je nachdem, wer halt da war. Das war eine super Zeit, immer ein Riesenspaß. Ich hatte eine sehr schöne Jugend“, erzählte der Neu-Gladbacher.

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Was als reiner Zeitvertreib begann, wurde schnell zu einer echten Karrierechance für Zakaria. Ab seinem achten Lebensjahr spielte er in der Nachwuchsabteilung von Servette Genf, als Teenager entwickelte er sich rasant und gehörte bald zu den vielversprechendsten Talenten des Landes. Bereits mit 17 Jahren feierte er im November 2014 sein Debüt in der Profimannschaft des Zweitligisten: Gegen Lausanne-Sport (3:1) wurde er kurz vor Spielende eingewechselt. Anschließend dauerte es ein halbes Jahr, ehe der damalige U19-Nationalspieler zu einem weiteren Einsatz im Trikot der „Grenats“ kam. Erst in den letzten fünf Spielen der Saison setzte Trainer Kevin Cooper wieder auf ihn – er zahlte das Vertrauen mit zwei Toren bei seinen ersten beiden Startelfeinsätzen zurück.

Genfer Zwangsabstieg sorgt für Wechsel nach Bern

Mit Servette Genf landete Zakaria auf dem zweiten Tabellenplatz, der Aufstieg wurde um sieben Punkte verpasst. Dennoch hätte er seinem Jugendverein im Normalfall wohl die Treue gehalten. Es kam aber anders: Wegen finanzieller Probleme erhielt der Traditionsverein keine Lizenz für die zweite Liga und rutschte in die drittklassige Promotion League ab. Um seine Entwicklung nicht zu gefährden, blieb Zakaria kaum eine andere Wahl, als sich nach einem neuen Verein umzusehen. Für rund 400.000 Franken Ablöse wechselte er also zu den Young Boys Bern.

Beim Schweizer Hauptstadtklub war der 18-jährige Neuzugang die Überraschung der Vorbereitung und erspielte sich schnell einen Platz in der Mannschaft. Bei Interimstrainer Harald Gämperle kam er zu seinem Startelfdebüt. Auch als Adi Hütter den BSC im September übernahm, blieb er ein Fixpunkt im Berner Team. Der schwache Saisonstart wurde schnell abgefangen, so dass die Young Boys ihre VIzemeisterschaft letztlich verteidigten. Zakaria kam in seiner ersten Erstliga-Spielzeit auf 27 Einsätze und erzielte beim 2:1-Sieg gegen St. Gallen sein einziges Saisontor.

Aufstieg zm Nationalspieler, Wechsel nach Gladbach

Sein steiler Aufstieg blieb natürlich auch bei Vladimir Petkovic nicht unbemerkt. Der Schweizer Nationaltrainer nominierte Zakaria erstmals im Sommer 2016 für die „Nati“. Nach zwei Testspieleinsätzen wurde er auch zur Europameisterschaft nach Frankreich mitgenommen. Dort kam er allerdings nicht zum Einsatz. Im regulären Vereinsbetrieb konnte Zakaria anschließend die Leistungen aus seiner Berner Debütsaison bestätigen. Trotz einiger Verletzungspausen kam er auf 34 Pflichtspieleinsätze und holte mit den Young Boys ein zweites Mal die Vizemeisterschaft.

Schon nach seiner EM-Nominierung stand der hochtalentierte „Sechser“ natürlich auf den Zetteln diverser europäischer Top-Vereine. Nach einem weiteren überzeugenden Jahr war Zakaria für Bern in diesem Sommer nicht mehr zu halten. Arsenal, Liverpool, Tottenham, Leipzig, Leverkusen – die Liste der angeblichen Interessenten war lang und prominent besetzt. Letztendlich zog es den 20-Jährigen aber zu Borussia Mönchengladbach, wo er als designierter Nachfolger von Mahmoud Dahoud gesehen wird. Zwölf Millionen Euro haben sich die „Fohlen“ seine Dienste angeblich kosten lassen.

Eher ein Xhaka als ein Dahoud

Positionstechnisch wird Zakaria wohl tatsächlich die Nachfolge von Dahoud antreten. Von der Spielweise her bringt er aber andere Qualitäten mit als der zu Dortmund abgewanderte U21-Europameister. Mit 1,91 Metern und einem muskulösen Körper ist der Youngster alleine aus physischer Sicht schon eine andere Erscheinung als der zierliche Dahoud. Doch ein klassischer Abräumer ist Zakaria auch nicht: Er kombiniert starke Physis mit einer eleganten Spielweise – eine vielversprechende Kombination, die in Mönchengladbach einst einen anderen Schweizer zum Weltklassespieler gemacht hat: Granit Xhaka.

Natürlich bleibt abzuwarten, ob Zakaria eine ähnlich beeindruckende Entwicklung nimmt wie einst sein Landsmann. Großes Potenzial besitzt der gebürtige Genfer aber ohne Zweifel. Die wichtigste Voraussetzung, um in Deutschland den nächsten Schritt zu machen, ist nun natürlich regelmäßige Spielzeit. Derzeit scheint es, als hätte er sich bei Dieter Hecking auf Anhieb einen Stammplatz erkämpft. Doch auch nach der Verletzung von Tobias Strobl herrscht bei der Borussia im zentralen Mittelfeld noch ein harter Konkurrenzkampf. Christoph Kramer dürfte gesetzt sein, die ebenfalls hochtalentierten Laszló Bénes und Mickaël Cuisance werden Zakaria unter Druck setzen.

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