Spieler-Portrait: Elias Abouchabaka, 17 Jahre

Das Talent, das wir heute im Rahmen unserer wöchentlichen Portrait-Reihe vorstellen, hat in seiner jungen Karriere schon einiges erlebt. Sein Wechsel von Berlin nach Leipzig sorgte einst für Schlagzeilen, jüngst machte er bei der U17-EM mit starken Auftritten auf sich aufmerksam. Die Rede ist von Elias Abouchabaka.

Obwohl Deutschland im Halbfinale der U17-Europameisterschaft gescheitert ist, kann die Mannschaft von Christian Wück auf ein gutes Turnier zurückblicken. Neben Jann-Fiete Arp und Lukas Mai dürfte sich auch Abouchabaka auf die Zettel einiger Scouts gespielt haben. Seinem zwischenzeitlichen Ausgleichstreffer war es zu verdanken, dass die DFB-Elf nicht schon im Viertelfinale die Segel streichen musste. Insgesamt war er bei der EM in Kroatien an fünf Toren beteiligt.

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Abouchabaka kam am 31. März 2000 in Berlin zur Welt. Dort begann er zunächst beim SV Blau-Weiss Berolina Mitte mit dem Fußballspielen, ehe er 2010 ins Jugendprogramm von Hertha BSC aufgenommen wurde. Bei der „Alten Dame“ entwickelte er sich über die nächsten fünf Jahre zu einem der größten Talente seines Jahrgangs. Dann kam es allerdings zum Bruch zwischen ihm und seinem Förderverein. Abouchabakas Familie klagte laut der Berliner Morgenpost sogar vor dem Berliner Fußball-Verband, um aus dem Fördervertrag mit Hertha BSC herauszukommen.

Disput endet mit hoher Ablösezahlung von Leipzig

Diese Klage scheiterte, doch das Verhältnis war anschließend natürlich zerrüttet, die Trennung nur noch eine Frage der Zeit. Im Sommer 2015 wechselte Abouchabaka schließlich ins renommierte Nachwuchsprogramm von RB Leipzig. Die „Roten Bullen“ bezahlten 250.000 Euro Ablöse an Hertha BSC. Dass bereits für Jugendliche aus der U16 solche Summen gehandelt werden – und dass ausgerechnet der umstrittene RB Leipzig involviert war –, löste anschließend einen kleinen Skandal in Fußball-Deutschland aus.

Nachdem sich die Wogen wieder geglättet hatten, absolvierte Abouchabaka in Leipzig seine erste Saison in der U17-Bundesliga. Er kam in allen 26 Spielen zum Einsatz und erzielte immerhin sechs Tore. Eine noch bessere Trefferquote hatte das Offensivjuwel in der deutschen U16-Nationalmannschaft vorzuweisen. Dort netzte er in neun Spielen viermal ein, unter anderem zweimal beim Algarve Cup. Mit RB Leipzig beendet er die Saison auf dem zweiten Tabellenplatz der Staffel Nord/Nordost.

Aufstieg zum Top-Torschützen

In der aktuellen Spielzeit stellte Abouchabaka seine Debütsaison bei RB eindrucksvoll in den Schatten. Seine Torausbeute aus dem Vorjahr hatte er bereits nach fünf Spielen erreicht, zwei Spieltage vor Schluss steht er nun bei starken 17 Treffern in 21 Ligaspielen. Damit ist er der gefährlichste Torjäger der „Jungbullen“, noch vor anderen Top-Talenten wie Erik Majetschak oder Lukas Krüger.

Auch bei der U17-Nationalmannschaft ließ es Abouchabaka in den letzten Monaten regelmäßig krachen. Schon in der EM-Qualifikation schoss er sieben Tore in drei Spielen, bei der EM folgten, wie schon erwähnt, fünf Torbeteiligungen in vier Partien. Dass der DFB-Elf regelmäßig Kantersiege gelangen, half sicherlich bei diesen Torquoten, soll die Leistungen des 17-Jährigen aber nicht schmälern.

Offensiv-Allrounder mit Übersicht und Torgefahr

Abouchabaka ist ein vielseitiger Offensivspieler, der insbesondere mit seinen überragenden technischen Fähigkeiten beeindruckt. Das Online-Portal goal.com bezeichnete ihn kürzlich als „Spielmacher alter Schule, der seine Qualitäten aber perfekt in den modernen Fußball transportiert“. Im Verein absolvierte er seine besten Spiele als Linksaußen, doch in der Nationalmannschaft stellte er zuletzt seine Qualitäten als Spielmacher unter Beweis.

Der 17-Jährige selbst beschrieb seinen Spielstil in einem Interview mit dfb.de wie folgt: „Ich verfüge über eine gute Technik am Ball und bewege mich meistens geschickt in den Räumen. In meinem Spiel bin ich relativ variabel: Ich kann gute Pässe spielen, auch selber ins Dribbling gehen oder eben eine gewisse Torgefahr ausstrahlen. All das versuche ich, für die Mannschaft einzubringen.“

Leipzig: (Noch) ein perfektes Pflaster für Talente

Der nächste Schritt für Abouchabaka ist die Etablierung in der U19-Bundesliga, in die er zur nächsten Saison aufrücken wird. Nur wenn er dort ähnlich starke Leistungen abliefert wie in der U17, wird er auch bei Ralph Hasenhüttl eines Tages eine Chance bekommen.

Einerseits ist unstrittig, dass RB Leipzig für junge Spieler ein gutes Pflaster ist. Das gesamte Konzept des Vereins ist schließlich darauf ausgelegt, Rohdiamanten mit enormem Potenzial zu verpflichten und auszubilden. Doch je näher die „Roten Bullen“ ihrem Ziel kommen, ein europäischer Topklub zu werden, desto schwieriger wird es werden, dieses Konzept beizubehalten. Vorausgesetzt es gelingt, Spieler wie Naby Keïta, Timo Werner und Willi Orban zu halten, wird diese erste Erfolgsgeneration auf lange Zeit die Basis des Klubs bilden. Für Eigengewächse wie Abouchabaka dürfte es also trotz des vermeintlich idealen Vereinskonzepts nicht leicht werden, sich einen Platz im Bundesliga-Kader der Sachsen erkämpfen. Nur Schritt für Schritt kann dieser Sprung letztendlich gelingen.