Spieler-Portrait: Jorge Meré, 20 Jahre

Für den 1. FC Köln steht eine wichtige Saison bevor. Zum ersten Mal seit 25 Jahren haben sich die „Geißböcke“ wieder für einen internationalen Wettbewerb qualifiziert. Um die zusätzliche Belastung zu meistern, haben die Rheinländer natürlich auf dem Transfermarkt zugeschlagen. Für die Defensive kam unter anderem der Spanier Jorge Meré. Er kostete rund sieben Millionen Euro und ist ein großes Zukunftsversprechen.

Jorge Meré Pérez, wie er mit vollem Namen heißt, erblickte am 17. April 1997 in der asturischen Stadt Oviedo das Licht der Welt. Schon als kleiner Junge packte ihn das Fußballfieber und er trat 2005 dem Lokalverein Real Oviedo (damals ein Dritt-, heute ein Zweitligist) bei. Dort erlernte er in den nächsten fünf Jahren die Grundlagen des Fußballs, ehe es ihn zu einem größeren Klub zog. 2010 wechselte er ausgerechnet in die Jugendabteilung von Real Sporting Gijón, dem großen Rivalen seines Heimatvereins. Da er weiterhin im nur 20 Kilometer entfernten Oviedo lebte, musste er sich in dieser Zeit sicherlich den ein oder anderen Spruch seiner Mitschüler anhören.

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Aus sportlicher Sicht erwies sich die Entscheidung, nach Gijón zu wechseln, allerdings als goldrichtiger Schachzug. Nach nur drei Jahren im Verein schaffte Meré im Alter von 16 Jahren den Sprung in die zweite Mannschaft. Gut eineinhalb Jahre sammelte er dort in der Folge Matchpraxis, ehe ihm der damalige Cheftrainer Abelardo Fernández im April 2015 zu seinem Debüt im Profibereich verhalf. Sechs Tage vor seinem 18. Geburtstag kam er gegen Real Saragossa (1:1) erstmals in der Segunda División zum Einsatz. Es folgten bis Saisonende vier weitere Einsätze, wobei Gijón mit Meré im Abwehrzentrum dreimal ohne Gegentor blieben. Er hielt also einen Anteil am beeindruckenden Endspurt von Gijón, der im Wiederaufstieg in die Primera División gipfelte. Wenig später konnte der Youngster schon den nächsten großen Erfolg feiern: An der Seite von Jesús Vallejo holte er mit der spanischen U19-Nationalmannschaft den EM-Titel in seiner Altersklasse.

Schon zu gut für die zweite Liga

Bei Sporting Gijón musste sich der junge Meré in der ersten Liga zunächst mit der Rolle als dritter Innenverteidiger hinter Bernardo Espinosa und Luis Hernández abfinden. Nach einer schweren Knieverletzung Espinosas war der damals 18-Jährige ab Mitte der Saison allerdings gesetzt. Mit 26 Pflichtspieleinsätzen kann die Saison 2015/16 für ihn persönlich als Durchbruchsjahr gesehen werden. Eine einfache Saison war es aber nicht: Mit Gijón musste das Abwehrtalent bis zuletzt um den Liga-Verbleib bangen. Erst durch einen überraschenden Sieg gegen den Tabellenvierten Villarreal retteten sich die Asturier in letzter Sekunde vor dem direkten Wiederabstieg.

In der nächsten Spielzeit hatte Meré dann von Anfang an einen Stammplatz inne, der sportliche Erfolg auf Vereinsebene stellte sich jedoch nicht ein. Er absolvierte 32 Pflichtspiele, konnte den achten Abstieg der Gijóner Vereinsgeschichte allerdings nicht verhindern. Spätestens nach der U21-Europameisterschaft, als sich Meré auf europäischer Bühne präsentierten konnte, wurde klar, dass er den Weg in die zweite Liga nicht mit antreten würde – die Interessenten standen Schlange. Besonders der FC Málaga und Sampdoria Genua bemühten sich um ihn, der 1. FC Köln kam erst spät auf den Radar des 20-Jährigen. Er war schon zum Medizincheck in Málaga, da „kam der entscheidende Anruf“ von FC-Sportdirektor Jörg Schmadtke, verriet er kürzlich der DuMont Mediengruppe.

Abgeklärt im Zweikampf, fehlende Konstanz als Manko

Dass sowohl der FC als auch Meré mit der Zusage anschließend nicht lange zögerten, ist mit Sicherheit eine gute Voraussetzung für die zukünftige Zusammenarbeit. Der Youngster redet von seinem neuen Klub nur in den höchsten Tönen. Er fühle sich bereits „wie in einer großen Familie“ und freue sich auf die „umwerfenden Fans“ dieses „mystischen Vereins“, ließ er kürzlich durchblicken.

Und der 1. FC Köln kann sich auch auf Meré freuen. Der junge Spanier zeichnet sich insbesondere durch seine Zweikampfstärke und sein Spielverständnis aus. Er glänzt durch gutes Timing im Defensivspiel und weist trotz seiner unterdurchschnittlichen Größe für einen Innenverteidiger (1,82 Meter) ordentliche Kopfballfähigkeiten auf. Außerdem ist er ein beweglicher, antrittsstarker Spieler, der auch mal ein Laufduell mit einem gegnerischen Stürmer gewinnen kann. Schwächen zeigt der Rechtsfuß noch im Aufbauspiel, wo ihm immer wieder leichtsinnige Fehler unterlaufen. Das liegt nicht etwa an mangelnder technischer Fähigkeiten. Meré muss vielmehr an Konstanz, Konzentration und Sicherheit zulegen, um diese Schwäche auszubügeln.

Insgesamt kann sich FC-Trainer Peter Stöger aber über einen hochklassigen Neuzugang freuen. Meré bringt schon Erstliga-Erfahrung mit, hat aber noch jede Menge Entwicklungspotenzial. Mit ihm, Dominique Heintz, Frederik Sörensen, João Queirós und Dominic Maroh sind die Kölner im Abwehrzentrum außerordentlich gut aufgestellt. Die gut organisierte Defensivabteilung des 1. FC Köln sollte Meré die Eingewöhnung auf dem Platz leicht machen, er wird sich aber strecken müssen, um auf Spielzeit zu kommen.