Spieler-Portrait: Josh Sargent, 17 Jahre

Werder Bremen hat sich die Dienste des 17-jährigen Stürmers Josh Sargent gesichert. Er gilt als eines der größten Talente der USA und will in die Fußstapfen von Christian Pulisic sowie Weston McKennie treten. Zunächst muss sich der Youngster aber in Geduld üben.

Sargent wurde am 20. Februar 2000 in O’Fallon, Missouri, einem Vorort von St. Louis, geboren. Seine beiden Eltern spielten zu ihrer College-Zeit Fußball. Entsprechend kurz war der Weg zum runden Leder für den Sprössling: Mit acht Jahren trat er dem damals noch jungen Förderverein Scott Gallagher Soccer Club in St. Louis bei. In den folgenden Jahren entwickelte er sich zu einem Ausnahmetalent; bereits in der U14 gehörte er zu den vielversprechendsten Nachwuchshoffnungen des Landes. Als U17-Nationalspieler wurde er 2015 in die IMG Academy aufgenommen. Das renommierte Sport-Internat in Florida gibt allen Spielern der amerikanischen U16- und U17-Teams die Möglichkeit, zusammen zu leben und zu trainieren.

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Bei internationalen Spielen der US-Mannschaft konnte Sargent regelmäßig mit beeindruckenden Auftritten auf sich aufmerksam machen. Als Kapitän und Top-Torjäger führte er die U17 bei einem namhaft besetzten Freundschaftsspielturnier 2016 zum Titel. Bei der U17-CONCACAF-Meisterschaft 2017 war er mit fünf Toren ebenfalls der überragende Spieler seines Teams. Aufgrund dieser starken Leistungen wurde Sargent im Frühsommer überraschend für die U20-WM nominiert. Obwohl er es dort mit deutlich älteren Gegenspielern zu tun bekam, traf er bis zum Viertelfinal-Aus viermal. Gleich beim Auftaktspiel gegen Ecuador (3:3) erzielte er einen Doppelpack.

Bremen bemüht sich und wird belohnt

Spätestens durch die Spiele bei der U20-WM in Südkorea weckte Sargent das Interesse einiger europäischer Klubs. Werder Bremen und Schalke 04 gehörten zu den ersten Vereinen, die sich um seine Dienste bemühten. Die Werderaner gingen ursprünglich als Außenseiter ins Rennen um den Teenager, im Mai 2017 nannte Sportchef Frank Baumann eine Verpflichtung gegenüber dem Weser-Kurier „eher unwahrscheinlich“. Über die nächsten Monate leisteten die Bremer aber offenbar exzellente Überzeugungsarbeit, denn das begehrte Sturmtalent entschloss sich im September zu einem Winter-Wechsel in die Weserstadt. Nach ESPN-Informationen schlug er dafür Angebote von Bayern München und Borussia Dortmund aus.

Nachdem Sargent auch bei der U17-Weltmeisterschaft in Indien überzeugen konnte (drei Tore, eine Vorlage), nominierte ihn US-Nationalcoach Dave Sarachan im November überraschend für ein A-Nationalmannschaftsspiel gegen Portugal. Zum Einsatz kam er nicht, doch durch die Nominierung wurde er zum ersten amerikanischen Spieler, der jemals in einem Kalenderjahr zum Kader der U17, der U20 und des A-Teams gehörte.

Erst ab nächstem Sommer im Spielbetrieb

Die Berücksichtigung für die US-Nationalmannschaft zeigt, welch große Qualität Sargent trotz seines jungen Alters bereits besitzt. Er ist ein beweglicher Stoßstürmer, der vor allem durch eine gute Ballbehandlung und Abschlussstärke punktet. Mit 1,80 Meter Körpergröße ist der Rechtsfuß kein Riese für seine Position. Dennoch weiß er sich für sein Alter schon gut durchzusetzen und findet in schwierigen Situationen oft eine Lücke, um den Ball irgendwie noch aufs Tor zu bringen.

Obwohl Sargent in seiner Entwicklung weiter ist als die meisten 17-Jährigen, wird er vermutlich noch nicht so bald in der Bundesliga auftauchen. Als „Nicht-EU-Ausländer“ kann er erst nach seinem 18. Geburtstag einen Profivertrag unterschreiben und eine Spielgenehmigung bekommen. Beim SV Werder rechnet man damit, dass er erst ab kommendem Sommer in Pflichtspielen auflaufen können wird. Bis dahin soll er laut Chefscout Tim Steidten Verein und Stadt kennenlernen und vorwiegend bei der Amateurmannschaft trainieren.

MLS erlebt Abwanderung der Talente

Sargent bringt alle Voraussetzungen mit, um der nächste amerikanische Teenager zu werden, der in der Bundesliga durchstartet. Mit Christian Pulisic und Weston McKennie haben jüngst bereits zwei „US-Boys“ in Deutschland den Sprung in den Profibereich geschafft. Die positiven Erfahrungen seiner Landsleute dürfte Sargent die Entscheidung, nach Deutschland zu gehen, erleichtert haben.

In Amerika wird die Entwicklung aus ebendiesem Grund zunehmend mit Sorge beobachtet. Solange junge, talentierte Nachwuchskräfte scharenweise abwandern, hat die Major League Soccer keine Chance, eines Tages das Niveau großer europäischer Ligen zu erreichen. Die Liga steht deshalb unter Zugzwang und setzt junge Spieler angeblich sogar unter Druck, um sie in der Heimat zu halten. Anfang 2016 stand mit Jordan Morris schon mal ein junger US-Stürmer vor einem Wechsel nach Bremen. Wie Spielerberater Amalaye Oyake dem Weser-Kurier berichtete, scheiterte die damalige Verpflichtung unter anderem daran, dass der junge Stürmer „unter massivem Druck seitens der Liga“ stand.

Bei Sargent haben sich die Bremer nun durchgesetzt. Doch in den kommenden Monaten ist Geduld gefragt. Bis der Angreifer seine Spielgenehmigung erhält, wird man von ihm wahrscheinlich recht wenig hören. Selbst dann wäre es eine Überraschung, wenn er direkt bei den Profis einsteigt. Wahrscheinlicher ist es, dass er erstmal in der U23 Spielpraxis sammeln wird, ehe er eine Chance in der Bundesliga erhält.