Spieler-Portrait: Stephan Ambrosius, 19 Jahre

Nach 55 Jahren scheint das Kapitel Bundesliga für den Hamburger SV in diesem Sommer vorerst zu enden. Den „Rothosen“ steht im Abstiegsfall ein Umbruch bevor. Der junge Innenverteidiger Stephan Ambrosius darf sich Hoffnung machen, Teil der „Generation Neuaufbau“ zu werden.

Ambrosius kam am 18. Dezember 1998 in Hamburg als Sohn ghanaischer Eltern zur Welt. Er lebt bis heute bei seiner Familie im Stadtteil Wilhelmsburg, wo er groß geworden ist. Sowohl die Nachbarschaft als auch die Familienverbundenheit sind für ihn enorm wichtig, wie er kürzlich in einem Interview mit dem Hamburger Abendblatt preisgab. Gemeinsam mit seinem zwei Jahre älteren Bruder Michael spielte er im Kindesalter zunächst in der Jugend des FC St. Pauli. Während Michael dem „Kiezklub“ bis heute die Treue gehalten hat, wechselte er bereits mit 13 Jahren die Seiten und schloss sich dem Hamburger SV an. Beim Bundesliga-„Dino“ entwickelte sich der Youngster über die Jahre zu einem hoffnungsvollen Talent.

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Im Mai 2014 debütierte Ambrosius in der Hamburger U17, wo er ab dem folgenden Sommer gesetzt war. 20 Einsätze absolvierte er in seiner einzigen vollen Saison in der U17-Bundesliga; sein einziges Tor gelang ihm im Dezember 2014 bei Eintracht Braunschweig (4:0). Zu Beginn der Saison 2015/16 rückte er zur U19 des HSV auf, wurde aber schnell durch Verletzungen zurückgeworfen. Bereits nach sieben Spieltagen war die Saison für ihn beendet. Auch in der darauffolgenden Spielzeit kam er verletzungsbedingt lediglich auf 14 Einsätze.

Hollerbach und Titz ebnen Weg in die Bundesliga

Dennoch wurde Ambrosius im vergangenen Sommer zur Hamburger U21 befördert, wo er sich unter dem jetzigen Profi-Coach Christian Titz schnell zu einer Bank im Abwehrzentrum entwickelte. Er trägt maßgeblichen Anteil daran, dass die HSV-Amateure an der Spitze der Regionalliga Nord stehen. Vergangenen November sicherte er dem Team mit seinem einzigen Saisontor den Herbstmeistertitel. Insgesamt hat er bislang 20 Spiele in der Regionalliga bestritten.

Für die Bundesliga wurde Ambrosius erstmals unter Trainer Bernd Hollerbach berücksichtigt. Während des kurzen Intermezzos des Ex-Profis wurde er dreimal für den Kader nominiert, kam allerdings nicht zum Einsatz. Erst als sein ehemaliger U21-Coach Titz das Kommando übernommen hatte, feierte Ambrosius tatsächlich sein Bundesliga-Debüt. Am 31. März spielte er eine Halbzeit beim Auswärtsspiel in Stuttgart (1:1).

„Stephan tut seinen Gegenspielern weh“

Mit 1,82 Meter Körpergröße ist Ambrosius für einen Innenverteidiger nicht außergewöhnlich groß. Dennoch weiß sich der Rechtsfuß im Zweikampf durchzusetzen und zeichnet sich insbesondere durch seine Kompromisslosigkeit aus. „Stephan tut seinen Gegenspielern weh und verschafft sich auf dem Platz sofort Respekt. Er ist handlungsschnell, zweikampfstark und hat eine sagenhafte Einstellung“, lobte HSV-Talent-Manager Marinus Bester gegenüber der Hamburger Morgenpost. Ambrosius ist zudem vielseitig einsetzbar: Neben seiner Stammposition im Abwehrzentrum kann er auf beiden Außenverteidiger-Positionen sowie im defensiven Mittelfeld spielen.

Wie sich der HSV für die 2. Bundesliga personell aufstellen würde, ist momentan noch schwer einzuschätzen. Doch klar ist, dass der Spieler-Etat drastisch gekürzt werden müsste und zahlreiche gestandene Profis den Verein verlassen würden. Trainer Titz hat in den letzten Wochen deutlich gemacht, dass er für eine Verjüngungskur des Kaders steht. Sollte er Trainer bleiben, ist also davon auszugehen, dass der HSV das Ziel Wiederaufstieg mit einer jungen Truppe angehen würde. Ambrosius könnte gut in dieses Konzept hineinpassen und in der 2. Bundesliga womöglich um einen Stammplatz konkurrieren.