Stark: „Man muss sich im Leben immer alles verdienen“

Foto: Ottmar Winter/Bongarts/Getty Images

Niklas Stark soll bei Hertha BSC in der kommenden Saison eine Führungsrolle übernehmen. Im Lattenkreuz-Interview spricht er unter anderem über das Wiedersehen mit dem 1. FC Nürnberg, den „Abwehrinstinkt“ und die Nationalmannschaft.

In seiner bisherigen Karriere absolvierte Stark 98 Bundesliga-Spiele für Hertha BSC und den 1. FC Nürnberg, erzielte dabei vier Treffer und bereitete zudem vier Tore seiner Mitspieler vor. Vertraglich ist der 23-Jährige, dessen Marktwert auf knapp 15 Millionen Euro geschätzt wird, noch bis zum 30. Juni 2022 gebunden.

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Erstmals seit Ihrem Weggang spielt der 1. FC Nürnberg wieder in der Bundesliga. Gleich am ersten Spieltag kommt es zum Wiedersehen mit Ihrem Jugendklub. Mit welchen Gefühlen sehen Sie dem Spiel entgegen?
Es ist ja kein Geheimnis, dass ich dem FCN die Daumen gedrückt habe, damit es in dieser Saison zu diesem Duell kommt. Ich freue mich natürlich sehr auf dieses Spiel. Sicher kein Spiel wie jedes andere für mich. Aufsteiger bringen zu Saisonbeginn immer auch viel Euphorie mit, aber ich will natürlich alles dafür tun, dass wir die Punkte in Berlin behalten. Danach können sie gerne eine Serie starten.

Wie zufrieden sind Sie mit der bisherigen Saisonvorbereitung und was erwarten Sie vom Trainingslager in den österreichischen Alpen?
Wir haben bisher intensiv und gut gearbeitet. Vor allem im körperlichen Bereich. Jetzt geht es in Österreich verstärkt an die taktischen Dinge.

Ihr Trainer Pál Dárdai lässt in dieser Vorbereitung fleißig die Dreierkette einstudieren. Wie verändert sich Ihre Rolle in diesem System?
Wir haben jetzt in Österreich erst damit begonnen, daher ist es noch etwas früh, um das im Detail zu beantworten. Aber es kommt in diesem System sehr stark auf die Abstimmung untereinander an, daher sind wir alle gefordert, auf dem Platz viel zu sprechen und uns gegenseitig zu coachen.

Welche Ambitionen hat die Hertha im kommenden Jahr?
In jedem Fall wollen wir uns weiterentwickeln, konstanter unser Leistungsniveau zeigen und letztlich damit eine bessere Platzierung erreichen als im Vorjahr. Über eine genauere Zielsetzung werden wir uns intern noch unterhalten.

Bei Stürmern ist oft vom „Torinstinkt“ die Rede. Glauben Sie, es gibt so etwas wie einen „Abwehrinstinkt“?
Keine Ahnung. Aber es hilft in jedem Fall, wenn Du auf der Position Freude daran hast, dass der Torwart im besten Fall einen ruhigen Nachmittag hat und wir zu Null spielen. Und Du musst eine mentale Stärke mitbringen, denn Fehler von Abwehrspielern werden zumeist mit Gegentoren bestraft. Das ist sonst nur bei Torhütern so.

„In jedem Fall wollen wir uns weiterentwickeln“ – Foto: Alexander Hassenstein/Getty Images

Marvin Plattenhardt wurde zuletzt mit einem Wechsel in Verbindung gebracht, scheint aber bei der Hertha bleiben zu wollen. Wie wichtig ist er für die Mannschaft?
Marvin ist bei uns zum Nationalspieler geworden. Ich denke das sagt alles. Marvin ist ein wichtiger Bestandteil unserer Mannschaft. Ich würde mich sehr freuen, wenn er bei uns bleibt.

Das Olympiastadion war in der vergangenen Saison alles andere als eine Festung. Die Hertha holte nur 22 Punkte aus 17 Spielen – nur Wolfsburg und Absteiger Köln waren schlechter. Was muss sich in der kommenden Saison ändern?
Es gibt nicht immer für alles eine plausible Erklärung im Fußball. Im Jahr davor waren wir unter den Topteams in der Heimbilanz und hatten dafür auswärts unsere Probleme. Ziel muss es sein, beides zusammenzubringen, also die gute Heimbilanz von 2016 und die gute Auswärtsbilanz von 2017.

In der vergangenen Saison haben Sie zum ersten Mal mit der Hertha an der Europa League teilgenommen. Welche Erfahrungen haben Sie trotz des frühen Ausscheidens sammeln können?
Spiele auf internationaler Ebene sind immer etwas Besonderes. Andere Länder, andere Umgebung, andere Spielstile. Diese Erfahrung hat uns als Mannschaft und mich persönlich definitiv weitergebracht und den Erfahrungsschatz erweitert.

Das WM-Debakel könnte bei der deutschen Nationalmannschaft einen Generationswechsel einleiten. Machen Sie sich Hoffnungen, bald einen Anruf von Joachim Löw zu bekommen?
Man muss sich im Leben immer alles verdienen. Das möchte ich auch und das geht nur über gute Leistungen im Verein. Genau das ist mein erstes Ziel und sollte mir das gelingen und jemand der Meinung sein, dass ich einen Anruf verdient habe, dann würde ich mich natürlich freuen.