Steinmann: Bundesliga-Durchbruch im zweiten Anlauf?

Seit Wochen überschlagen sich die negativen Meldungen beim Hamburger SV. Die sportliche Krise zog nicht nur einen weiteren Trainerwechsel, sondern auch große Unstimmigkeiten innerhalb des Vereins nach sich. In dieser schwierigen Situation gibt es allerdings auch einen Gewinner: Matti Steinmann.

Ex-U21-Coach Christian Titz hatte das Traineramt nach der Entlassung von Bernd Hollerbach beim HSV vor gut zwei Wochen übernommen. Der neue Übungsleiter kündigte personelle Änderungen und Konsequenzen innerhalb der chronisch unerfolgreichen Mannschaft an. Während diverse gestandene Profis für die Partie gegen Hertha BSC (1:2) nicht berücksichtigt wurden, stand mit Steinmann ein U21-Akteur sogar in der Startelf. Der 23-Jährige agierte als alleiniger Abräumer vor der Abwehr und machte seine Sache zumindest im ersten Durchgang ordentlich. Nach dem Seitenwechsel baute auch Steinmann wie das gesamte Team ab. Trotzdem hinterließ der Mittelfeldspieler bleibenden Eindruck.

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Steinmann legte mit fast 13 Kilometern die größte Strecke aller HSV-Spieler zurück, hatte die drittmeisten Ballkontakte und brachte stolze 86 Prozent seiner Pässe zum Mitspieler. Auch Trainer Titz zeigte sich von seinem Auftritt angetan. „Matti hat auf der Sechs ein sehr gutes Spiel gemacht. Er war in der Spieleröffnung einer unser Dreh- und Angelpunkte. Genau das bringt die Sechserposition, so wie wir spielen, auch mit sich“, lobte der 46-Jährige seinen Schützling laut der Hamburger Morgenpost. Vieles spricht also dafür, dass der gebürtige Hamburger auch in den kommenden Spielen unter Titz gesetzt sein wird. Dabei schien Steinmanns Bundesliga-Karriere beinahe schon abgehakt zu sein.

Erster Bundesliga-Einsatz seit über drei Jahren

Am vierten Spieltag der Saison 2014/15 wurde der ehemalige deutsche U20-Nationalspieler kurz vor Schluss im Heimspiel gegen den FC Bayern München (0:0) eingewechselt. In der zweiten Runde des DFB-Pokals, ebenfalls gegen die Bayern (1:3), durfte er sogar 72 Minuten ran. Damals war Steinmann gerade erst 19 Jahre alt. Einige Experten prognostizierten ihm den baldigen Durchbruch beim Bundesliga-„Dino“. Stattdessen stand er nur drei weitere Male in dieser Spielzeit im Profikader. Zumeist spielte er für die zweite Mannschaft. Im Sommer 2015 wurde Steinmann zuerst an den Drittligisten Chemnitzer FC verliehen und ein Jahr darauf ablösefrei an die Zweitvertretung des 1. FSV Mainz 05 abgegeben. Bei beiden Stationen konnte er sich keinen unumstrittenen Stammplatz erarbeiten und wurde nicht nachhaltig glücklich.

Zur aktuellen Saison kehrte Steinmann dann in die zweite Mannschaft der Norddeutschen zurück. In der Regionalliga Nord absolvierte der Mittelfeldakteur 19 Ligaspiele, erzielte dabei zwei Treffer und bereitete weitere vier vor. Unter Titz wurde er also zunächst in der zweiten und nun möglicherweise auch in der ersten Mannschaft der „Rothosen“ zum Leistungsträger. Zugleich könnte Steinmann dreieinhalb Jahre nach seinem Debüt im deutschen Fußball-Oberhaus doch noch zum gestandenen Bundesliga-Profi werden. Wobei er sich in der kommenden Spielzeit wohl eher eine Ebene weiter unten auszeichnen müssen wird. Steinmann identifiziert sich als gebürtiger Hamburger mit dem HSV und wird im Falle des Gangs in die Zweitklassigkeit voraussichtlich ein wichtiger Teil des Projekts Wiederaufstieg werden.