Stögers Flucht aus der Verantwortung

Borussia Dortmund ist nach dem desaströsen 0:6 in München endgültig in einer handfesten Krise angekommen. Beinahe schockierender als der Auftritt des BVB in der Allianz Arena waren allerdings die Aussagen von Trainer Peter Stöger nach Abpfiff. Ein Kommentar von Lattenkreuz-Chefreporter Lukas Eisenhut.

Es ist nicht allzu lange her, da war Dortmund die Mannschaft, gegen die die Bayern auf nationaler Ebene am wenigsten gerne gespielt haben. Noch vor ziemlich genau einem Jahr schlug die Borussia den Rekordmeister in dessen Stadion im DFB-Pokal-Halbfinale mit 3:2. Spätestens seit dem vergangenen Samstag sind diese Zeiten allerdings erstmal vorbei. 0:5 stand es zur Pause, 0:6 am Ende. Hätte München nicht in den Verwaltungsmodus geschaltet, wäre ein zweistelliges Ergebnis nach 90 Minuten alles andere als undenkbar gewesen. Zugunsten der Westfalen beließ es der Rekordmeister bei 45 Minuten Vollgas.

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Nun ist es durchaus verständlich, dass Stöger im Anschluss an die Partie frustriert ist. Seine Aussagen allerdings offenbarten, wie groß die Kluft zwischen Trainer und Verein ist. Sein Leben definiere sich nicht über den BVB, erklärte der Österreicher nach der Pleite und ließ durchklingen, dass ein Abschied im Sommer auch für ihn die wahrscheinlichste Variante ist. Damit dürfte der 51-Jährige richtig liegen. Denn nicht nur schied er mit seiner Elf sang- und klanglos gegen Red Bull Salzbug aus der Europa League aus. Sondern auch in der Liga droht die Borussia ihre Saisonziele zu verpassen. Es stellt sich zwangsläufig die Frage, ob Stöger seine volle Energie aufwenden wird, um eben genau dieses Szenario abzuwenden.

Angriff aufs Heiligtum

Zudem, sagte der Ex-Kölner, müsse im Sommer jeder Stein umgedreht werden, „Räder anstatt Rädchen“ gedreht werden. Erwarten würde man solche Aussagen von Fans oder Experten, nicht allerdings vom Trainer der kritisierten Mannschaft. Stöger versucht sich auf diese Weise aus der Verantwortung zu stehlen. Er wird vom Verantwortlichen zum Außenstehenden – jedenfalls probiert er in diese Rolle zu schlüpfen. Dass sein Anteil am Scheitern als Trainer aber eben nicht kleiner ist, kann Stöger auch mit seinen gewählten Ausflüchten nicht verschleiern.

Der Vertrag des Österreichers läuft noch bis zum Sommer. Er wird den Verein nach einem halben Jahr verlassen und seine Brötchen verdient haben. Was bleibt, ist eine Saison zum Vergessen. Ein unnötiges Theater, ausgetragen auf dem Rücken eines der größten Vereine Deutschlands. Einem Heiligtum für 80.000 Fans, die jedes Wochenende in den Signal-Iduna-Park pilgern, um ihre Mannschaft kämpfen zu sehen. Eine Mannschaft, die angeführt wird von einem Mann, der sich den Folgen seines Verhaltens wohl nicht wirklich bewusst ist. Denn ein Verpassen der Champions League würde nicht nur am Geldbeutel der Borussia nagen, sondern auch an ihrem (noch) sehr hohen internationalen Ansehen.