Süle: „Wir haben scheiße gespielt“

Mit diesem gekünstelten Schnickschnack kann Erfolgstrainer Jupp Heynckes auf seine alten Tage nichts anfangen. Auf Bierduschen könne er verzichten, hatte der Routinier schon im Vorfeld angekündigt. Es war auch der Grund, warum der 73-Jährige sich nicht noch einmal gebührend vom Bayern-Publikum feiern ließ.

„Bierduschen sind überholt. Es ist nicht notwendig, dass man mich mit Bier überschüttet“, sagte Heynckes nach seinem letzten Heimspiel als Trainer von Bayern München. Das völlig unerwartete und gerechtfertigte 1:4 gegen den VfB Stuttgart hatte ihm dagegen nicht die Laune verhagelt. „Das Spiel schmälert die überragende Saison nicht, wischt sie nicht weg“, sagte Heynckes. Aber es ließ die ohnehin routiniert ablaufenden Feierlichkeiten von Bayern München noch etwas kühler und freudloser erscheinen als sonst schon. „Wir haben scheiße gespielt“, meinte Niklas Süle drastisch.

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Übermäßig ausgelassen wird es bei der internen Meisterfeier auf dem Nockherberg nicht zugehen. „Wir haben noch ein wichtiges Ziel vor der Brust“, betonte Torwart Sven Ulreich. Es wird auch Heynckes ein Anliegen sein, sich nach dem DFB-Pokal-Finale am kommenden Samstag gegen Eintracht Frankfurt nicht mit einem ähnlich dürftigen letzten Eindruck in sein Refugium in Schwalmtal zurückzuziehen. Dieser „Weckruf“, wie Thomas Müller hervorhob, wird die Sinne wohl noch einmal schärfen. „In Berlin wird eine andere Bayern-Mannschaft spielen als heute“, versicherte Heynckes und kündigte eine „optimale“ Vorbereitung ab Dienstag an.

„Nach Madrid war ein bisschen die Luft raus“

Irgendwie, bekannte Mats Hummels, hatte sich dieser Larifari-Auftritt unter der Woche bereits angedeutet und seine Ursache im Halbfinal-Aus in der Champions League. „Nach Madrid war ein bisschen die Luft raus“, sagte er. „Die Mentalität war nicht mehr vorhanden, wir haben es laufen lassen. Wir haken es als Betriebsunfall ab, ab Dienstag gilt: volle Kraft voraus“, machte Müller klar. Zu den eklatanten defensiven Aussetzern, die die Stuttgarter Tore von Daniel Ginczek (5./55.), Chadrac Akolo (52.) und Anastasios Donis (42.) begünstigten, kam außerdem ein verschwenderischer Umgang mit den eigenen Chancen. So verpasste Torschützenkönig Robert Lewandowski mehrfach seinen 30. Treffer, nur Corentin Tolisso (21.) war erfolgreich.

Hummels hat sich derweil eine Verletzung am linken Fuß zugezogen. „Wir werden es uns morgen, übermorgen nochmal genauer anschauen. Wir gehen davon aus und hoffen, dass es irgendwie nichts Größeres, nichts Ernsteres ist“, sagte der Nationalspieler. Der 29-Jährige hatte sich die Blessur bei einem Foul an Stuttgarts Anastasios Donis zugezogen, für das Hummels kurz vor Spielende die Gelbe Karte bekam. Es sei „schmerzhaft“, man müsse „schauen, wie sich das entwickelt. Ich habe mir selbst irgendwie weh getan, wie genau, weiß ich nicht“, sagte Hummels. Ob sein Einsatz am kommenden Samstag im DFB-Pokal-Finale gegen Eintracht Frankfurt gefährdet ist, blieb zunächst offen.

(cbe/sid)